Das Bundeswirtschaftsministerium wird kurz nach der Sommerpause dem Bundestag die ersten Ausarbeitungen zum Strommarkt 2.0 vorlegen und damit den Krieg der Branchvertreter endgültig vom Zaun brechen. Ein Konflikt, der hausgemacht ist und sehr deutlich in einer Studie des Ministeriums unter dem Titel „Stromkosten der energieintensiven Industrie – Ein internationaler Vergleich“ erkennbar wird.

In keinem anderen der 10 anderen Volkswirtschaften wird mit dem Werkzeug des Strompreises die Interessen einzelner Gruppen bevorzugt oder benachteiligt. Wirtschaftliche Entwicklung gesteuert über den Strompreis? – Eigentlich sollten man mit Steuern steuern.

Abbildung 1 und 2 auf Seite 4 der Zusammenfassung zeigen, dass  zwar in vielen Ländern ein Unterschied zwischen den privilegierten Unternehmen und den „Anderen“ besteht, jedoch nur in Deutschland die Unterschiede so groß sind. Ein schleichender Prozess, dessen Ursache nicht eine einzelne Vorteilnahme gewesen ist, sondern ein kontinuierlicher Wandel von klassischer Subvention zu indirekter Beihilfe. Gelder, die von den Bürgern über die Stromrechnung eingezogen werden – und ohne den Umweg des Bundeshaushaltes direkt Ersparnisse in Milliardenhöhe bei den Empfängern bringen. Wer nicht empfängt, der zahlt. Die Abhängigkeit von Strom sorgt dafür, dass diese Form der staatlichen Lenkung genauso gut funktioniert, wie Steuern und Abgaben.

Nicht zur Elite zu gehören bedeutet in Deutschland 15 Cent je Kilo-Watt-Stunde zu bezahlen. Die Privilegierten zahlen 5 Cent.

Deutschland ist in Sachen „Nicht-Gleichbehandlung“ nicht allein. Auch in anderen Ländern sind nicht alle Tiere gleich. Die Studie gibt für Italien’s Privilegierte 9 Cent – für die Plebs 17 Cent an.

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Die Frage, warum  gerade bei den Maßnahmen zum Strommarkt 2.0 die Bürger vergessen wurden, stellt sich unter diesem Hintergrund nicht mehr. Bevor man die hungrigen Mäuler des sparsüchtigen Stimmvieh bedienen kann, müsste eigentlich Ordnung im Chaos der Privilegsvergabe geschaffen werden. Es besteht die Möglichkeit ein netzdienliches Design für den Strommarkt umzusetzen, aber nur, wenn dafür der Weg bereitet wird.

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9 Gedanken zu “1337 Strompreis: Deutschland Spitzenreiter in Sachen Diskriminierung

  1. Strom aus dem landgestützten Windrad, ohne Transport durch öffentliche Netze, kostet 7 Cent. Ist doch klar, dass man die Privilegierten so wenig zahlen lässt, weil sie sonst Windräder in das Kies- oder Chemiewerk stellen und die Stromkonzerne auf grossen Absatzmengen sitzen bleiben. Bei „Staatskonzernen“ wie EnBW und RWE uss die grosse Politik da doch aushelfen…

    Strom vom privaten Hausdach produziere ich heutzutage mit 8,5 Cent, das Kies- oder Chemiewerk mit Modulen überdachen sollte etwas günstiger sein. Abermals gleiches Spiel.

    Thorsten, Du hast das nicht richtig erkannt, wer der Begünstigte in diesem Milliardenkarussel ist, es sind die Stromkonzerne die damit subventioniert werden, denn ohne dises Privilegiertenkarussel bleiben sie locker auf 30-50% der Abgesetzten Strommenge hocken und das wäre der sofortige Tod dieser Unternehmen.

    Weltweit sind grosse Unternehmen dabei mit WEA und PV immer mehr ihres Strombedarfs selbst zu produzieren, in allen Ländern und Regionen, schlicht weil Strom aus dem Netz einfach teurer ist, als „Ortstrom“. Wenn die Netzentgelte 7 Cent/KWh (reale Kosten, ohne Privilegierung!) betragen und das thermische Kraftwerk für 3 Cent produziert, sind sie nicht mehr konkurrenzfähig. Wenn man die maximale WEA oder PV leistung vor Ort verbrauchen kann, ist das der günstigere Strom, ausser die Chemiefabrik steht direkt neben dem thermischen Kraftwerk und man kommt ohne das Netz aus.
    Sinn der Privilegierung ist, die Stromkonzerne im Besitz von Bundesländern oder mit hohem Anteil kommunaler Eigentümer (EnBW, RWE, Thüga, Stadtwerke) am Leben zu halten.

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      • So würde ich das sehen. Spätestens als die EEG-Umlage auf eigenverbrauchten Strom aus PV eingeführt wurde, war es offensichtlich. Es ging nicht darum die direkten EEG-Einnahmen zu stützen, sondern die Massenhafte Flucht aus dem System der Stromabgaben zu unterbinden.
        Etwa seit 2010 entwickelte sich das Erfolgsmodel PV-Verpachtung, in die Anlage auf der Werkshalle investiert irgendwer, errichtet und betreibt sie und Mietet das Dach an. Aber er verkauft keinen Strom, sonder verlangt vom Werk Pacht für die Anlage an sich. Keine Umlagen, bei ausreichend Last im Werk auch keine Netzeinspeisung usw.
        PV auf dem eigenen Dach und Eigenverbrauchsdeckung mit 0% Eigenkapital. Der Solateur der nicht genug Auslastung hat, schafft sie sich einfach in dem er Anlagen mit diesem Modell „verschenkt“ und sich feste Zahlungen auf Jahre hinaus sichert.

        Überdeutlich zu sehen, ab wann die Stromwirtschaft auf verlorenem Posten den Preiskampf kämpft. Dieser plötzliche Preisverfall beim Weiterverkauf oder Grossabnehmer ist durch nichts anderes erklärbar, als damit das es eine konkurrenzlos günstige Alternative gibt.
        Grid-Parity war lange Zeit ein Thema, das heiss diskutiert wurde, was es bedeutet und wann es erreicht werden würde. Irgendwann in 2010 war es soweit, Anfangs nur für Anlagen deren Peak-Leistung unter der eigenverbrauchten Last blieb, im weiteren Verlauf aber auch mit Teileinspeisung (also auch für Betriebe ohne 7-Betriebstagen pro Woche!) Das Thema Grid-Parity verschwand medial in der Versenkung, was aber überhaupt nicht seiner Brisanz und Dynamik entspricht. Aber das macht nichts,die meisten haben auch vorher nicht den Aspekt des Gamechangers darin erkannt.

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        • Ich sehe das aehnlich, der Verband zwischen Grossabnehmer und Grossproduzent nennt sich ‚Politik‘.
          Dieses Abhaengigkeitssystem zu stoeren, in die freie Wirtschaft zu ueberfuehren hiesse Machtverlust fuer den Verbindungsmann, fuer die Bonzenwirtschaft.

          Am meisten politisch erpressbar sind die Leute mit den geringen Einkommen,den Grossen macht man besser Geschenke um sie bei Laune zu halten.

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  2. Hallo Herr Burghardt,

    wenn PV so billig ist, warum sind dann die Zubauraten seit 2012 in D so massiv eingebrochen und wofür braucht PV immer noch eine auf 20 Jahre gesetzlich garantierte Zwangsababnahme mit Einspeisevorrang?

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    • @Bert

      2012 wurden vor allem bei den Freiflächenanlagen die Bedingungen um überhaupt eine Vergütung zu erhalten verschärft. Davor bekam man die Vergütung unabhängig davon, um was für eine Fläche es sich handelt, dannach nur noch wenn der Grund eine Industriebrache (Konversionsfläche), Deponie oder N Bahnlinien o. Atobahnen(?) lag.
      Für besonders grosse Anlagen gab es gar keine Vergütung mehr.
      Das betrifft aber die reinen Einspeiseanlagen, ohne Eigenverbrauch. Diese machten bis dahin aber einen ganz erheblichen Teil des Zubaus aus.

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  3. Ich denke auch, dass die 7 Cent für Wind und 8,5 Cent für PV nicht direkt mit den Kosten vom Strombezug aus dem Netz vergleichbar sind. Oder sind dabei die Kosten für Ausgleichsenergie und Netzbezug bei Flaute/Nacht mit inbegriffen?

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    • @Christian
      Bei einer Anlagengrösse unterhalb des minimalen Eigenbedarfs kann dieser Vergleich durchaus so korrekt getroffen werden.

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