In der vergangenen Woche hatte blog.stromhaltig bereits vom Black-Friday in Mannheim geschrieben. Leider hat sich die Serie der Stromausfälle auch über die gesamte Woche hinweg gezogen. Nach verschiedenen Augenzeugen und Presseberichten kam es immer mal wieder in einzelnen Stadtteilen zu stundenlangen Versorgungsunterbrechungen. In der Kommunikation des Netzbetreibers MVV werden mittlerweile von einer ganzen Kette von Ursachen gesprochen, die hinsichtlich der Versorgungssicherheit in Großstädten leicht Besorgnis aufkommen lässt.

Für eine echte Root-Cause-Analyse ist bislang zu wenig in die Öffentlichkeit gedrungen. Ist (fehlendes) Geld das eigentliche Problem?

Anbindung Stromnetz Mannheim - Daten: powerland.bplaced.net
Anbindung Stromnetz Mannheim – Daten: powerland.bplaced.net

Das Stromnetz der Quadratestadt ist – zusammengenommen mit Ludwigshafen umzingelt von Hochspannungstrassen. Auch ohne eine Kilo-Watt-Stunde aus den vorhandenen Kraftwerken im Ort kann die Versorgung der Bevölkerung sicher gestaltet werden. Es muss lediglich die Verteilung zu den Stromkunden gelingen.

option_nicht_verfuegbar Im Schnitt über alle Stromkunden in Deutschland haben wir eine konstant hohe Versorgungssicherheit. Lediglich für etwa 16 Minuten pro Jahr fehlt die elektrische Energie, wie der Branchendienst Proteus Solutions vor einiger Zeit mitteilte. Hauptursache sind technische Defekte in Schaltanlagen oder Trafos, die meist wegen der hohen Energiemenge zu Bränden führen.

Am 10.07.2015 schreibt das Regionalportal Mannheim24:

Am Freitagmorgen gegen zwischen 10:40 Uhr und 11:15 Uhr ist es auch auf dem Waldhof zu Stromausfällen gekommen. Die Ursache sei laut MVV eine Trafo-Anlage im Glücksburger Weg, an der ein defekter Schalter durchgebrannt sei. Die Feuerwehr Mannheim bestätigt den Einsatz, dieser sei aber „schnell erledigt“ gewesen.

Da die Trafostationen ein sehr begrenztes Gebiet versorgen, kann im Falle eines Ausfalls der ganzen Station durch einen handelsüblichen Notstromcontainer eine Versorgung auch über mehrere Tage sichergestellt werden. Der Nachteil ist, dass es noch einmal zu einem Stromausfall kommen wird, sobald die Regelversorgung über den Trafo wieder hergestellt werden soll. In welcher Anzahl solche Container in Mannheim vorhanden sind – und ob diese zum Einsatz kamen, ist aus den Medienmeldungen bislang nicht ersichtlich.

Auf Platz 2 der häufigsten Ursachen finden sich Zerstörungen von Leitungen bei Bauarbeiten. Durch einen sogenannten Baggerbiss werden Leitungen zu einem Straßenzug oder zwischen zwei Trafostationen durchtrennt. Ein solcher Stromausfall kann meist sehr schnell behoben werden und betrifft auch nur die unmittelbare Umgebung des Baggerbisses.

Der SWR meldete diese Woche aus dem Studio Mannheim:

 In einem Fall waren unsachgemäße Baggerarbeiten der Grund für die Störung

Theoretisch gehören Baggerbisse in die Kategorie des menschlichen Versagens. Vom Stapellauf der Norwegien Pearl  ist bekannt, dass damals eine Fehlschaltung zu einem Stromausfall in weiten Teilen Europas geführt hatte. Nach der Auswertung von über 200 Meldungen über Stromausfälle in ganz Deutschland, ist erstaunlich, dass kein einziger aus menschliches Versagen zurück führbar ist.  Die Kontrollmechanismen in den SCADA-Systemen für den Netzbetrieb scheinen trotz Stuxnet zu funktionieren.

Das sommerliche Wetter verursacht auf Platz 3 die häufigsten Ausfälle in Verteilnetzen. Anlagen und Kabel werden generell durch Widerstände erwärmt, wodurch sich über die Dauer auch Materialermüdungen einstellen. Jedes Kabel hat daher bei einer gegebenen Temperatur eine maximale Strommenge, die es leiten kann, bevor es zu stark der Erwärmung ausgesetzt ist.

Die Rhein-Neckar Zeitung schreibt:

Eine Rolle spielten aber offensichtlich die sehr hohen Temperaturen der vergangenen Tage und die extreme Trockenheit der Böden, in denen die Stromkabel verlegt sind. Es sei jedoch nicht so, dass Kabel in der Sonne schmelzen, betonte der Sprecher. Eine Überlastung des Netzes durch zu hohen Stromverbrauch oder durch zu hohe Einspeisung von Photovoltaik könne man ebenfalls sicher ausschließen.

Um dem Versorgungsauftrag gerecht zu werden, kontrollieren Verteilnetzbetreiber regelmäßig den Zustand ihrer Infrastruktur. Von der Temperatur abhängige Materialermüdungen sind damit zwar nicht 100% zu verhindern, können aber verringert werden. Bei einem sogenannten Predictive Maintenance (Vorausschauende Wartung) werden Teile vorsorglich ausgetauscht, bevor es zu einer Ermüdung kommt.  Ursprünglich kommt diese sichere – aber auch kostspielige – Wartungsmethode aus der Luftfahrt, bei der für jedes Flugzeug die Starts/Landungen und wichtige Parameter, die auf die Struktur wirken protokolliert werden und so die faktische Ermüdung berechnet – und kurz vor dem Defekt getauscht wird.

Unklare Ursache, Brände, Baggerbisse und thermische Probleme lassen das eigentliche Problem der Gefahren von Versorgungssicherheit erkennen. Netzbetreiber haben keine Kunden. Nach dem Unbundling sind sie der Betreiber der Netze, für das sie bei einer Konzenssionsvergabe den Zuschlag bekommen haben. Finanziert werden sie durch die Netzentgelte der nicht-privilegierten Stromkunden. Netzengtgelte sind sehr stark reglementiert und bedürfen einer Genehmigung der Bundesnetzagentur. Zwar existiert ein Quasi-Markt während der Ausschreibung der Konzession alle 20 Jahre, jedoch im regulären Betrieb nicht. Eine Wertschöpfungskette, die man aus keiner anderen Branche kennt – fern von Stückkosten. Den Ertrag optimieren, bedeutet man muss sparen. Erwarten Geldgeber einen Zins von 5%, so müssen diese 5% entweder beim Personal oder der Infrastruktur gespart werden.

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