Wer mich kennt, der weiß was  man unter Schwellenpädagoge versteht. Ein paar Notizen auf einem Zettel müssen reichen. Da ich aktuell in Berlin bin, ist jetzt doch ein ganzer Text entstanden – Stammleser werden vieles wieder erkennen. Leider auf dem Smartphone getippselt, weshalb nicht nur die Formatierung grottig ist.

Schaut man sich die 20 Maßnahmen des Weißbuchs an, so kommt man schnell zur ernüchternden Erkenntnis, dass die Geldgeber – auch als Stromkunden bekannt – vergessen wurden. Strommarkt bedeutet nichts anderes als die Berechtigung zum zeitsynchronen Weiterdrehen zweier Stromzähler in einer fiskalen Welt abzubilden. Solange dies in einer Art und Form geschieht, die von den Letztverbraucher toleriert wird, können wir uns in Gremien und Ausschüssen über Bilanzkreise, Stromtrassen, Braunkohle ja oder nein und europäische Dimensionen der Energiewende unterhalten.

Alternativen – und keine Weiterentwicklung der bestehenden Gefüge – erscheinen längst am Horizont. Der Hybridstrommarkt ist nur eine Entwicklung von vielen…

Vertrauen verlieren ist einfach. Sicherheit schafft Vertrauen, aber wie kann man von Versorgungssicherheit sprechen, wenn dem Kraftwerk Boxberg an 3 Sonntagen in Folge die Puste ausgeht und eine ungeplante Nichtverfügbarkeit gemeldet wird? Es fällt leichter sich auf das Wetter zu verlassen, als auf nebulöse Firmeninternas, die In Fahrpläne eingreifen.Beim Wetter weiss man wenigstens, woher der Wind weht.

Es sind Ereignisse, wie in der letzten Woche in Mannheim, die Verbraucher irritieren. Irgendwo scheint etwas im System schief zu laufen, aber mit plönalisieren der Bilanzkreis(un)treue oder reduzierten Netzausbaukosten durch Spirtzenkappung der EE-Anlagen, hat dies wenig zu tun.

Das „Uber“ oder „Airbnb“ der Stromwirtschaft ist eine technische Lösung für die Absicherung das zeitsynchrone Weiterdrehen zweier Stromzähler zu finden. Das sind keine einfachen Algorithmen, die hinter Konstrukten, wie der Blockchain stecken, aber man muss auch kein Computerlinguist sein, um den Ergebnissen der Google Suche zu vertrauen. Peer-2-Peer Stromhandel, weil es „schicker“ ist. Wer will da noch ein Standardlastprofil oder Einspeisevergütung?

Einspeisevergütung ist ein schönes Stichwort. Kurz nachdem in Deutschland das letzte AKW vom Netz gegangen ist, werden die ersten EEG-Anlagen aus ihrer garantierten Vergütung entlassen. Es passiert genau dann, wenn Offshore-Windkraft einen großen Anteil der EEG-Umlage erhält. Ist der im Weißbuch skizzierte Markt genügend vertrauensweckend, dass diese Anlagen sowohl weiter betrieben werden, als auch profitabel sind? Hier entsteht ein Angebot aus abgeschriebenen, brennstoffkosten freien Erzeugungseinrichtungen, die bestimmt einige Letztverbraucher gerne für Wärmestrom oder Mobilität nutzen. Ich denke, da wird keiner versuchen Algorithmen zu verstehen, wenn er das Ergebnis ohne Kostenaufwand nutzen kann.

Zum Abschluss noch ein grundlegendes Problemchen. Strommarkt bedeutet Stromhandel. Wir sehen in der Netzfrequenz, dass zunehmend die physikalischen Lastflüsse durch den Handel verändert werden. Die entstehenden Redispatchkosten sind ärgerlich – aber da von allen nichtprivilegierten getragen – verschmerzbar. Die Frequenzsprünge an den Produktgrenzen, lassen jedoch den Schluss zu, dass just in diesem Augenblicken die Balance aus Erzeugung und Verbrauch nicht ganz gehalten wird. Welche Gefahren entstehen dadurch und was bedeutet dies in der Konsequenz?

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3 Gedanken zu “Memorandum Strommarkt 2.0

  1. Wozu sollte man sich überhaupt mit denjenigen „Letztverbrauchern“ beschäftigen, die nur im Bereich einstelliger Megawattstunden im Jahr benötigen? Technisch haben die noch nie wirklich interessiert, werden auch nicht interessieren und sollen nur durch das Abliefern von überdurchschnittlich viel Geld das Rückgrat dieser Stromversorgung bilden.

    Solange die Eigenheimquote unter 50% liegt, kann man die Herde des Zahlviehs gut beisammen halten. Insbesondere wenn auch von denjenigen die in den eigenen 4 Wänden leben schlappe 75% nur eine Wohnung und gar kein eigenes Haus haben, ist der Zugang zu Alternativen durch die Mehrheitsfindung in der Eigentümergemeinschaft blockiert. Zu unterschiedlich ist das verfügbare Kapital und die Interessen dieses verfügbare Kapital einzusetzen.
    Mit „Toleranz“ seitens der Letztverbraucher hat das eigentlich sehr wenig zu tun, als vielmehr mit beschränktem Gestaltungsmöglichkeiten. Du oder ich oder der da drüben die Politik gestalten? Wäre ja was ganz neues, Du darfst zwar Deine Stimme abgeben, aber die zählt nur für eines, dem Erhalt des Gegenwärtigen! Selbst dann wenn Du nicht für die Konservativen stimmen wirst, Deine Stimme ist per Definitionem schon Erzkonservativ!
    Und dann willst Du auch noch den Bogen von der Politik bis hinein in die Stromwirtschaft spannen? Jener Wirtschaftszweig der zum Spannen einiger Strippen sogar Jahrzehnte benötigt und daher so unflexibel wie ein Besenstiel ist?

    Die Konsequenz? Die Graswurzeln um das System zu verändern könnten sind nur Hausbesitzer und kleine Unternehmen *mit eigenem* Firmendach. Erstere haben zusammen allenfalls einen Anteil von weniger als 5% am gesamten Stromverbrauch und zweitere sind so wenige an der Zahl, dass sie gut zu kontrollieren sind und werden mit saftiger Sonnensteuer belegt, damit das Abhängigkeitssystem intakt bleiben kann.

    Nebenbei, die ersten EEG-Anlagen werden ab 01.01.2021 aus der garantierten Vergütung fallen, die letzten drei AKW werden aber spätestens zum 31.12.2022 abgeschaltet. Das heißt die ältesten EEG-Vergütungen werden wohl schon bis zu zwei Jahre vor dem letzten AKW „abgestellt“ sein. (Für „Altanlagen“ mit Errichtungsdatum vor dem 1.4.2000 gilt als Inbetriebnahmejahr das Jahr 2000 und die Vergütungen wurden im ersten EEG auf 20 Jahre ohne Berücksichtigung des Inbetriebnahmenjahres garantiert.)
    Schon sehr bezeichnend …

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  2. Naja, man braucht kein eigenes Dach für „Eigenen“Strom. Miete geht ja auch und mit dem Verkauf von Swaps kann man auch aus dem Standardlastprofil heraus in einem VK „Stromerzeuger“ werden (ok unter dem Strich ist man eher ein monetärer Geldspeicher)

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  3. Klar, man kann auch Aktien von E.ON und RWE kaufen und darauf hoffen, dass daraus eine feindliche Übernahme wird …
    Oder man erwirbt Genossenschaftsanteile von EWS und fühlt sich damit als „echter“ Stromrebell …

    All diesen Modellen ist aber gemein, dass sie real eher nichts verändern, allenfalls ohnehin Vorhandenes irgendwo anders hin verschieben und das auch mehr in einer fiktiven Welt der Eigentumsverhältnisse statt der physikalischen Realität die den kirchhoffschen Regeln folgt.
    Klingt nicht nur so, als würde ich das „runter machen“, ist tatsächlich auch so! 😉

    Mit „monetären Wettrüsten“ sind allenfalls Schlachten auf Nebenkriegsschauplätzen zu gewinnen, dazu muss man nur mal einen Blick auf die Einkommens- (oder Eigentums-) Verhältnisse werfen. Wenn die „Oberen 10%“ schlappe 90% des Vermögens kontrollieren, dann wächst da kein Gras, das diese „Oberen 10%“ da gar nicht haben wollen.

    Und wenn Du Millionen irgendwohin verschiebst, dann kommt der Sigi und bläst der alten Kohlewirtschaft nochmal Milliarden für nix und den Erhalt von Kohlekraftwerken(!) in den Arsch.

    Ich schaue mir „den ganzen Mist“ nun schon ca. drei Jahrzehnte an und bin immer wieder erstaunt, mit welchen Mitteln und Winkelzügen die etablierte Stromwirtschaft sich ihre Position als Platzhirsch sichert. Wenn es sein muss, werden sie sogar die Netzentgelte und alle anderen „Stromkosten“ noch wie die Rundfunkgebühren über einen mit Staatsvertrag geregeltem Versorgungsauftrag und einer Haushaltsabgabe eintreiben. Willst Du wetten? 😉

    Sie lassen allen anderen Akteuren gerade genug Spielraum, damit die sich halbwegs wohl fühlen und nicht den Aufstand proben, mehr aber auf gar keinen Fall.

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