In Wertschöpfungsketten ist man mittlerweile in allen Branchen gewohnt. Vom Autobau bis zum Gesundheitswesen, ist bekannt, was Wert und Kein-Wert besitzt. Optimierung und Effizienz hangelt sich an der gesamten Wertschöpfungskette und baut einen hoffentlich positiven Kapitalstrom auf.  Im Gegensatz zu den anderen Branchen, hat die Stromwirtschaft dieses Kapitel der Industrialisierung noch nicht abschließend realisiert, was zu Handlungsempfehlungen und vorgeschlagenen Maßnahmen führt, die es letztendlich dem Kunden teuer machen, da auf die falschen Aspekte wert  gelegt wurde. Den Kunden in einer Strommarkt Diskussion nicht einzubeziehen, fördert den Wert-verfall.

Hat elektrische Energie immer den gleichen Wert? Wer selbst eine PV-Anlage mit Eigenstromnutzung hat, der kennt die Antwort. Sobald die Sonne scheint, läuft der Nucleus Accumbens (Belohnungszentrum im Vorderhin) zur Hochform auf.  Mit dem Blick auf den Geldbeutel, werden die Pflichten des Haushaltes (Staubsaugen, Wäschewaschen, Geschirrspülen,…) mit einem kleinen Endorphine-Ausstoß in ein schöneres Ambiente gerückt.Wie wenig empathisch wirken da die TV-Spots der Stromanbieter. Selbst Vergleichsportale schaffen es nicht zwischen Preis und Wert zu unterscheiden.

Leitungswasser ist ein Nahrungsmittel. Wer einmal bei der Feuerwehr eine Ausbildung gemacht hat, der kennt diesen Satz. Wir zahlen dafür allerdings nur ein Bruchteil dessen, was für ein Tafelwasser zu bezahlen ist. Ein Wertgefühl, welches an den Konsumenten vermittelt wurde und auf Akzeptanz stößt. Bei der Stromversorgung wurde ebenfalls versucht Leitungswasser zum Tafelwasser zu machen. Die Quelle musste als Markenzeichen herhalten, da es vor der Liberalisierung das einzige war, was die Kunden im Blick hatten.

Zwischen Einspeisung in der Stromnetz und Entnahme beim Verbraucher liegt (scheinbar) kein Wert. Es fließt allerdings ein hoher Geldbetrag in diesen Bereich. Versickert in den Weiten des Leitungsnetzes, wie man bei der neusten Schätzung von 1 Milliarden Euro Re-Dispatch-Kosten in 2015 erkennen kann. Für den Heidelberger ist es egal, was in der Lausitz in das Strommeer gelehrt wird – er geht auf den Königstuhl und sieht das Großkraftwerk in Mannheim, das AKW Biblis und das AKW Philippsburg. Es ist nicht greifbar, was den Strom hier teuer machen soll und letztendlich keinen Wert hat.

In der Stromwirtschaft der 1990er Jahre gab es keine Kunden, sondern nur Anschlußpunkte und Zähler. In den 2000er Jahre sollte dies sich eigentlich durch die Öffnung des Strommarktes für private Stromkunden ändern, aber das war und ist bis heute eine Mogelpackung. Die Anbieter von Stromtarifen sind keine Energieversorger, es sind Handelsunternehmen für ein Generika mit dem Namen „Strom“. Regulatorische Klimmzüge wie sie in Energiewirtschaftsgesetz, Stromnetz-Zugangsverordnung, AusgleichMechanismusverordnung und vielen weiteren Gesetzten und Erlassen geregelt sind, verhindern das Entstehung eines Gefühles für Wert.

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