Im Rahmen der öffentlichen Diskussion zum Strommarkt 2.0 werden bei blog.stromhaltig die einzelnen Maßnahmen vorgestellt. Hintergründe zur Serie finden sich im Übersichtsartikel. Zur Teilnahme an der Diskussion wird gebeten, die Kommtarfunktion des Blogs zu verwenden.

Bislang wird noch zu oft mit deutlich größeren Spannen als 15 Minuten gerechnet. Erfolgt keine zeitnahe Abrechnung, so entsteht eine Differenz zwischen der fiskalischen und der physikalischen Wirklichkeit. Das Stromnetz und der Strommarkt gleiten auseinander, was nur sehr schwierig wieder zu synchronisieren ist.  Am Spot-Markt existieren daher bereits 15 Minuten Verträge,  die entsprechende Verträge erleichtern abzubilden.

Im Weißbuch steht hierzu:

Das Bilanzkreis- und Ausgleichsenergiesystem ist das zentrale Instrument für die Synchronisierung von Erzeugung und Verbrauch. Bilanzkreisverantwortliche müssen für jede Viertelstunde ihre Lieferverpflichtung absichern. Dass Übertragungsnetzbetreiber auch dann die Bilanzkreise abrechnen müssen, wenn sie aufgrund der Systemstabilität in das Stromsystem kurzfristig eingreifen müssen oder künftig auf die Kapazitätsreserve zurückgreifen, ist jedoch nicht klar geregelt. Es wird daher gesetzlich klargestellt, dass Bilanzkreise in jedem Fall abgerechnet werden.

Konsequent würde diese Maßnahme dadurch umgesetzt werden, wenn die im Hybridstrommarkt vorgeschlagenen Micro-Bilanzkreise eingeführt werden. Individuelle Lastprofile für jeden Netzanschluss – unabhängig von der Größe – würden Marktschieflagen, wie diese gerade im Jahre 2015 an fast jedem Sonntag vorkommen, vermeiden.

Durch die Verwendung von sogenannten Standardlastprofilen, ist es möglich den Bedarf/Nachfrage der Bilanzkreise exakt vorauszuberechnen. Genauso ist es für die Gesamtheit aller einspeisevergüteten EE-Anlagen möglich das Angebot klar zu beziffern. Die Abrechnung der Bilanzkreise hat im Markt somit keine Flexibilität, die allerdings benötigt wird um ungeplante Nichtverfügbarkeiten oder schwankende Realnachfrage elastisch im Handel abzubilden. Wie bereits in der Maßnahme 2 (Kartellrechtliche Aufsicht) angedeutet, kann eine fehlende Berücksichtigung der Letztverbraucher in der Bilanzkreisabrechnung zu einer marktbeherschenden Stellung einzelner Akteure führen.

Aus der Überwachung der Netzfrequenz ist des weiteren bekannt geworden, dass Handelstätigkeit (und damit auch die Bilanzkreisabrechnung) zu häufigen Wechsel der Lastflüsse führt. Die Folge sind Frequenzsprünge, die bislang zwar noch überschaubar sind – langfristig aber beobachtet werden müssen (vergl. Beitrag „Wahrscheinlichkeit, dass das Stromnetz aus dem Takt kommt„).

Ideal würde ein System sein, welches eine Mischung aus festen Lieferbeziehungen mit einem kurzfristigen Ausgleichsanteil verbindet. Contracting & Spotmarkt – oder Mietmodelle und Micro-Ausgleichsenergie, wie es beim Hybridstrommarkt vorgeschlagen wird. Dies würde die Anzahl der Schaltvorgänge im Stromnetz und damit die Fahrplanunsicherheiten minimieren, was letztendlich zu einer höheren Versorgungssicherheit führt.

Dem Stromkunden muss klar sein, dass jede Unschärfe in der Bilanzkreisabrechnung letztendlich ein Kostenfaktor darstellt. Unschärfen führen zu Unsicherheiten, welche durch Risikoaufschläge bezahlt werden müssen, was meist die teuerste Alternative ist.

Forderungen

  • Einführung von Micro-Bilanzkreisen bis zum Letztverbaucher/Kleinerzeuger
  • Verstetigung der Handelsverträge über Mietmodelle für die Erzeugung
  • Durchgehende Flexibilisierung entlang der gesamten Wertschöpfungskette zwischen Erzeugung und Verbrauch

 

 

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