Im Rahmen der öffentlichen Diskussion zum Strommarkt 2.0 werden bei blog.stromhaltig die einzelnen Maßnahmen vorgestellt. Hintergründe zur Serie finden sich im Übersichtsartikel. Zur Teilnahme an der Diskussion wird gebeten, die Kommtarfunktion des Blogs zu verwenden.

Freie Preisbildung ist bislang nicht selbstverständlich im Strommarkt. Zum einen gibt es Einschränkungen bei den verwendeten Handelsplattformen, zum anderen kann der Preis nur begrenzt als Signalgeber für Knappheit gesehen werden.

Das BMWi schreibt hierzu:

Strompreise senden wichtige Signale an die Marktakteure. An der Strombörse gibt es heute keine regulatorischen Preisobergrenzen, sondern nur sehr hohe technische Limits. Diese kann die Börse bei Bedarf anpassen. Innerhalb der technischen Limits können die Preise am Spotmarkt bereits heute auf mehrere tausend Euro ansteigen. Außerbörslich und im Ausgleichsenergiesystem gibt es keine Preisgrenzen. Eine freie Preisbildung ist im Strommarkt 2.0 wichtig, da sich knappe Kapazitäten in Preisspitzen widerspiegeln. Diese Preisspitzen und ihre Erwartung setzen Anreize für Erzeuger und Verbraucher, in Kapazitäten zu investieren.

Im Strommarkt 2.0 bleibt daher die Preisbildung frei. Damit zukünftige Preisspitzen Investitionen in Kapazitäten anreizen können, müssen Investoren darauf vertrauen können, dass die Politik bei hohen Preisspitzen nicht in den Markt eingreift. Baustein 1 des Strommarktes 2.0 sorgt dafür, dass die Preisbildung wettbewerblich erfolgt und auch Preisspitzen auftreten können (siehe Kapitel 4). Damit entsteht für zukünftige Investitionen Planungssicherheit. Bei freier Preisbildung sind in der Regel moderate Preisspitzen zu erwarten. Die im Auftrag des BMWi erstellten Strommarktgutachten zeigen, dass Preisspitzen in einem flexiblen Markt beispielsweise durch den Einsatz von Lastmanagement und Netzersatzanlagen in der Regel nur in moderater Höhe zu erwarten sind.

Dieser Ausführung kann 1:1 gefolgt werden. Angreifbar wird diese Argumentation, wenn Interessengruppen dies als Indiz für steigende Strompreise nehmen. Ein Blick auf den freien Handel an der Börse und besonders die direkten Stromgeschäfte (=OTC Handel) zeigt, dass sich die Preise für den Käufer in den letzten Jahren deutlich reduziert haben. Das Vorhandensein eines breiten Spektrums von Erzeugungsarten auf der Angebotsseite lässt erkennen, dass durchaus mit dem Verkauf von Strommengen Geld zu verdienen ist.

Besonders für den privaten Letztverbraucher sind die Strompreise aktuell zu stark reglementiert, als dass eine freie Preisbildung zu einer aktiven Rolle in den Markt führen würde. Die Großhandelspreise verlagern heute einen großen Teil der Stromlogistikkosten in Kostenbestandteile, die dem Handel nachgelagert sind und in weiten Teilen verallgemeinert werden. Bei einer freien Preisbildung ist daher auf jeden Fall sicherzustellen, dass die Gesamtkosten eines Stromliefervertrages verursachergerecht umgelegt werden.

 Forderungen:

  1. Handelspreise müssen alle Kostenbestandteile enthalten
  2. Möglichkeit den Letztverbrauchern durch Konsum oder Verzicht ein Signal senden zu können

 

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2 Gedanken zu “Maßnahme 1 Freie Preisbildung am Strommarkt garantieren

  1. Wie bringt man das Ganze mit der Wettersituation zusammen? Es wäre fatal, wenn eines Tages die Börsenpreise den erneuerbaren Energien die Planungssicherheit nehmen. Gibt es viel Windstrom, dann müsste weniger Kohle verbrannt werden. Gibt es viel Solarstrom, dann das Gleiche. Wo findet sich dies im Weißbuch wieder? Oder soll dafür immer ein Fördermechanismus herhalten? Das kann es ja nicht sein, wenn das Ganze Weißbuch so großartig langfristig funktionieren soll, wie es die Ausbauziele der Bundesregierung erfordern.

    By the way: Diese hier angefangene Artikelserie finde ich ziemlich großartig!

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