Nach einer aktuellen Meldung des Verband Europäischer Übertragungsnetzbetreiber (ENTSO-E), soll das Stromnetz, der Strommarkt und die Stromkunden näher zusammenrücken.

The European Commission’s Communication on New Retail Energy Markets marks an important step towards a consumer-centric energy system. ENTSO-E particularly welcomes the emphasis placed on enabling consumers to provide system services such as balancing power through distributed generation and Demand Side Response (DSR). We strongly believe that consumers should be able to participate in all markets as this will help achieving EU policy goals more cost-efficiently.

Auf nationaler Ebene versucht man die Stromkunden möglichst weit vom Strommarkt abzuschirmen und hinter Bilanzkreisen zu verstecken. Die (kostenpflichtige) Übernahme von Systemdiensten soll den bestehenden Akteuren vorbehalten bleiben. Bereits im Beitrag „Der Kunde im Strommarkt 2.0“ wurde auf diesen Missstand im laufenden Gesetzgebungsverfahren hingewiesen. Die ENTSOe nennt konkrete Handlungsfelder, die man sich in dieser Form auch für Deutschland wünschen würde. Der BDEW und BEE könnte als Visionsgeber auftreten, wodurch ein Konzens von etwa 30% der Stromerzeugungsunternehmen bereits gegeben sein würde.

This will require intensified collaboration between transmission system operators (TSOs) and distribution system operators (DSOs). It will also require appropriate arrangements for data management, to ensure that TSOs, DSOs, suppliers and other market participants are able to have access to the required data in timely and transparent manner.

Ist die Kommunikation effizient gestaltet, so können Preissignale des Marktes auch physikalisch transportiert werden. Es handelt sich hierbei um hoch-dynamische Daten, die frei von Diskriminierung allen Marktteilnehmern (auch den Stromkunden) zugänglich gemacht werden muss. Akzeptanz für eine nachhaltige Durchführung der Stromwende entsteht, wenn der Kommunikationsprozess – auch bei bestehendem Unbundling – den Spannungsniveaus folgt und Dienstleistungen entlang der Wertschöpfungskette der Stromlogistik entwickelt werden können.

Für den Aufbau eines soliden Rahmenwerkes fordert die ENTSO-E:

TSOs and DSOs need to provide consumers access to participate in all markets. All resources (generation, storage and demand) connected to transmission or distribution grids should be able to participate in energy markets and offer services to the system – especially flexibility services. This will require appropriate market frameworks supported by TSOs and DSOs.

Verteilnetzbetreiber und Übertragungsnetzbetreiber haben aktuell keine Kommunikation mit dem Kunden. Lediglich bei den Stromanbietern existiert ein Konzept für Kunden. Bei dieser Ausklammerung gibt es in Deutschland keinen Unterschied, ob man vom typischen Mittelständler oder den privaten Stromkunden spricht – bei den Netzbetreibern verschwinden sie hinter einer Zählpunktnummer. Soll der Kunde integriert werden, so muss das Marktdesign hierfür den Anfang machen. Der Strommarkt 2.0, wie er bislang favorisiert wird, ändert hier nichts (vergl. Memorandum Strommarkt 2.0).

Resources should be able to value their potential where it is the most efficient for them (balancing and reserves, system services, day-ahead and intraday markets, congestion management, contracts with DSOs or TSOs as an alternative to grid reinforcement, etc.). Creating exclusive, fragmented markets per DSO and per TSO will jeopardize this ability for resources to maximize their economic potential. Furthermore, enabling the market participation of DSR will require removing all barriers to aggregation. This means that consumers should be able to aggregate regardless of their connection points.

Gerade der letzte Satz gibt Hoffnung. Bislang verhindern Markteintrittsbarrieren, dass Stromanbieter aus anderen EU-Ländern in Deutschland aktiv werden können. Lediglich bei der Vergabe der Verteilnetzkonzessionen ist man an europäischen Ausschreibungen gebunden – der Stromkunde ist im nationalen Markt gefesselt.

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Ein Gedanke zu “ENTSOe setzt sich für ein „Consumer-Centric Energy System“ ein

  1. Interessant, dass nun auch bei ENTSOE auf diesen Zug aufgesprungen wird.
    Ich frage mich immer, ob den Befürwortern dieser Konzepte mit den Preissignalen in Echtzeit eigentlich bewusst ist, was denn so ein dynamisches System (im mathematischen Sinne!) alles impliziert.
    Die wichtigste (mathematische) Frage, die ein solches System impliziert wäre, ob ein solches System überhaupt noch vorhersagbar ist oder es ein chaotisches dynamisches System sein wird. Nachdem schon einfachste dynamische Systeme wie ein Doppelpendel ein chaotisches Verhalten an den Tag legen, also nur für sehr kurze Zeiträume vorhersagbar sind, kann man da durchaus die Frage stellen, ob sie denn wirklich wissen, was sie tun und mit Sicherheit ausschließen können, dass es im Stromnetz dadurch nicht alle Nase lang zum Zusammenbruch kommt.

    Auf die Art wie man ENTSOE das Thema angehen will, kann ich mir schon eine Ausgestaltung vorstellen, die stabil ist. Das Übertragungsnetz ist vollständig bekannt, überschaubar und bei der Implementierung eines -wie auch immer gearteten- Regelsystems lassen sich alle Übertragungsfunktionen bestimmen. Damit lässt sich mit dem Nyquist-Kriterium bestimmen, ob das gesamte Regelsystem stabil sein wird oder nicht.
    Im System gibt es auch nur Vergleichsweise selten strukturelle Veränderungen, die dazu führen, dass die Menge der Übertragungsfunktionen sich verändert, womit man in die Lage versetzt wird, bei (geplanter) Veränderung neu zu bestimmen, ob das entstehende System stabil sein wird.

    Werden aber in ein solches Regelsystem laufend neue Stromerzeuger eingebunden oder andere entfernt, erhält man ein System, dessen Übertragungsfunktionen sich so schnell verändern, dass man schlicht nicht mehr überprüfen kann, ob das neue System stabil sein wird.

    Werden dann auch noch die Kunden/Verbraucher eingebunden, ist das Chaos (im mathematischen Sinne von nichtlinearer Dynamik) wohl perfekt, denn *individuelle* Kunden und Verbraucher lassen sich nicht mal als Übertragungsfunktionen beschreiben.

    Es mag seltsame erscheinen, aber erst wenn man eine größere Menge „Kunden“ oder „Verbraucher“ zusammen fasst und statistisch Charakterisiert (wie z.b. mit Profilen) kommt man zu entsprechenden Übertragungsfunktionen, die sich berechnen lassen.
    Der einzelne Kunde bleibt *unberechenbar*, auch wenn er mit dem Smartmeter gläsern gemacht wird und wir wissen, dass „Hans Wurscht“ jeden Morgen um halb sieben seine Kaffemaschine für 10 Minuten einschaltet, wird der eine Tag an dem er schlicht verpennt, ein Regelsystem, das auf der Annahme beruht er wäre deterministisch, möglicherweise aus dem Tritt kommen.

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