Inhaltlich nähert sich der Beitrag im PV-Magazin an bekannte Zeitungen mit vielen Bildern und großen Buchstaben an. Es verwundert, dass Forscher sich für einen solchen Bericht tatsächlich zur Verfügung stellen.

SmartMeter sollen Stromausfälle auslösen können. Diesen Plot kennen wir  aus dem Buch Blackout, doch die Ursache die von den Forschern aus Bremen gefunden wurde, ist nicht die Fernabschaltung (wie im Roman), sondern der intelligente Stromhandel. Also SmartMeter knipst das  Netz aus durch SmartTrading.  Oder in anderen Worten: Wenn jeder Stromkunde immer 100% passend handeln würde, dann würde die das Stromnetz kollabieren. Wer will einen großflächigen Stromausfall riskieren, nur um den nicht-privilegierten Stromkunden ein paar Cent Profit zu ermöglichen.

Der Energiewirtschaftsexperte Kuhn macht in seiner Kommentierung einen entscheidenden Einwand:

Selbst wenn also alle Haushalte intelligente Geräte installiert haben, die auf dynamische Stromtarife zugreifen können, so werden sich die Anforderungen an die benötigte Strommenge kaum synchron bewegen. Zu unterschiedlich werden die Tarifstrukturen der Kunden sein oder eben zeitlich versetzt. Außerdem könnten sich Angebot und Nachfrage in recht kurzer Zeit einpendeln da z.B. der Strompreis sinkt, wenn es ein hohes Maß an erneuerbarer Energie gibt. Ein einfacher Regelkreis also, der sich wohl ähnlich verhalten könnte, wie das Abklingen einer Schwingung.

In diesem Punkt besteht der größte Unterschied zwischen Realität und Labor der Forscher (oder Roman). In der Praxis orientiert sich jegliche Optimierung an sehr vielen Faktoren. Ein ganzes Bündel an Parametern, die bestimmen, wann der Kunde Strom haben will und wann nicht. Man darf die Frage stellen, wie viel verschiebbare Last existiert überhaupt in jedem einzelnen Haushalt? Welche Ausgangsbedingungen sind vorhanden?

Am einfachsten lässt sich dies an einer Heizungssteuerrung erklären.  Wann soll warmes Wasser vorhanden sein? Ein Haushalt, bei dem jemand im Schichtdienst beschäftigt ist, wird diese Frage unabhängig vom Preis für die Herstellung beantworten. Etwas verschieben kann auch dieser Haushalt – ist aber nicht in der gleichen Art flexibel, wie ein Haushalt mit Rentnern (theoretisch…).

Ein Schuh wird aus dem Geschreibsel, wenn man tatsächlich auf den Stromhandel schaut. Damit ein Stromhändler – nicht Verbraucher ! – seinen Gewinn steigern kann, muss er den Bedarf seiner Kunden kennen. Erhöht man die Flexibilität bei den Letztverbrauchern, dann fällt es dem Stromhändler schwerer einer „Bestrafung“ (Pönalisierung)  durch Fehleinkäufe (=Unterdeckung/Überdeckung) zu vermeiden. Genau ein Tag vor der Meldung im PV-Magazin wurde bei blog.stromhaltig auf diesen Umstand hingewiesen.

Mathematisch haben es sich die Forscher recht einfach gemacht, denn sobald man die Anzahl der Parameter reduziert, kann man lokale Extremas (Minimum/Maximum) finden. An diesem Punkt wird bei Verwendung des entsprechenden Multiplikators die Veränderung einer Eingangsvariable immer zu einem kritischen Wert führen.

Zusammenfassung

Stromausfälle durch SmartMeter kann es im Labor oder in fiktiven Romanen geben. In der Praxis gibt es  durch die Vielzahl von Faktoren beim Stromverbrauch keine einzelne Komponente die Zeitgleich bei allen Marktteilnehmern zur gleichen Reaktion führt.

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5 Gedanken zu “Blackout durch SmartMeter – jetzt nicht wirklich…

  1. Der Artikel hat mich auch verwundert.
    Warum sollte ein Versorger das Signal „Strom ist ab jetzt billig“ geben wenn damit der Zusammenbruch des Netzes einhergehen wuerde?
    Er wuerde dann ja nichts verkaufen und die Kunden waeren auch nicht zufrieden.

    Unabhaengig davon ist der Eingriff ins Stromnetz der einen Stoerung verursacht strafbar.

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  2. Nun, der Eingriff ins Netz ist stafbar wenn er eine Stoerung verursacht.

    Frequenzspruenge sind innerhalb der Rahmenbedigungungen zu tollerieren – und im Preis inbegriffen. Den Preis bestimmt der der die Regeln macht, o.k…

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  3. Ein „Roman“ ist allenfalls ein Abbild der Wirklichkeit. Das fiktive Geschehen in „BLACKOUT – Morgen ist es zu spät: Roman 17. Juni 2013 von Marc Elsberg“ muss ja nicht zeilengleich so eintreten.

    Realistisch ist jedoch die Gefahr eines „Eingriffs“ aus meiner Sicht durchaus. Sobald ein System Schwachstellen hat, kann jemand, der genug davon versteht diese auch in seinem Sinn nutzen. Ein Smartmeter über Mobilfunk „fernzusteuern“ – auch wenn die eigentliche Absicht nur das Fernablesen sein soll, ist dann mit Risiken behaftete, wenn das Smartmeter z.B. einen Abschaltbefehl akzeptiert. Auch wenn ich das nun nicht in allen Einzelheiten begründen kann, es wäre eine völlig neue Entwicklung, das es da KEINE „Interessenten“ mit eigenen „Interessen“ gibt. Und mit den für solchen Manipulation notwendigen Kenntnissen und Hardware.

    Wie sagte doch erst kürzlich eine bekannte Politikerin (nicht zu allerersten mal) „Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg“ oder so ähnlich. Was könnte für einen ambitionierten Cracker „schöner“ sein, als einer ganzen Stadt oder „darüber hinaus“ den Strom abzudrehen ?

    Fall Du – Smartmeter über Mobilfunk „fernzusteuern“ – ähm „nur“ Ablesen – für unwahrscheinlich hältst, solltest Du mal die Stadt Worms fragen, was und warum sie das gerade „eben“ in all ihren Liegenschaften montieren lässt.

    Das auch andere diese ach so bequeme Art etwas zu manipulieren „aufgreifen“ werden, würde mich nur dann wundern wenn das nicht geschieht. In einigen europäischen Ländern wurde das „Rollout“ von Smartmetern längst abgeschlossen. Wie (im positiven Sinn) „manipulieren“ die in diesen Staaten „ihre“ Smartmeter? Wie sicher ist der Zugriff vor „Dritten“ in der Realität ? Eine Realität die beinahe wöchentliche Eingriffe in ach so sicher geglaubte Netzwerke vermelden muss.

    Wenn möglich – wie viele Lasten muss ich gleichzeitig abwerfen, um das System nachhaltig aus den Tritt zu bringen ??

    Unabhängig von Deinen Hauptargumenten, wo ich Dir als nachgewiesener Datenversteher voll vertraue, das Du den „Blackout“ – kurz „Roman“ in den selben Topf wirfst, halte ich für eine Untertreibung von Möglichkeiten an deren Anfang wir gerade erst stehen.

    Es gibt immer Leute die später behaupten – daran habe niemand auch nur im Entfernsten gedacht (bevor es dann sehr real geschah) Ein recht prominentes Beispiel „Flugzeuge, die von Selbstmördern in Gebäude gesteuert werden“ – a) gab es in Paris einen lediglich missglückten Versuch eine Passagiermaschine in ein Gebäude zu fliegen – den Eiffelturm und b) ein Roman „Debt of Honor (1994) is a novel by Tom Clancy“ passiert allerlei u.a.

    ZITAT
    However, an embittered Japan Air Lines pilot who is driven mad by the deaths of his son (who is almost incinerated when his fighter lands on a unexploded munition) and brother-in-law (who is sunk) during the Pacific conflict, stabs his co pilot with a steak knife and flies a Boeing 747 directly into the U.S. Capitol building during the proceedings. Nearly the entire United States presidential line of succession is eliminated, including the President, most of Congress, nearly all of the Cabinet, the Joint Chiefs of Staff, and all nine Supreme Court Justices.
    ZITAT\

    Ich kann mich noch gut daran erinnern, „wie erstaunt“ alle waren, das „so was“ passieren kann, woran „niemand je gedacht habe“ usw. usf.

    c) sehr, sehr real am 9.11.2001 – wenn auch nicht jeder glaubt das sei tatsächlich geschehen…

    Was sich jemand zunächst nur ausdenkt, passiert u.U. nur zeitverzögert aber dann sehr real…

    Nein Thorsten in diesem Punkt bin ich wesentlich „beunruhigter“….

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  4. Ganz so einfach ist die Sache leider nicht, ebenso wie ein Mikrofon, ein Verstärker und ein Lautsprecher in einem Saal ganz leicht eine unangenehme Rückkopplung verursachen können, kann dies theoretisch auch in jedwedem Regelkreis zur synchronisierung von Erzeugung und Verbrauch im Stromnetz passieren, statt einem gellenden Pfeiffen kommt es dort aber dann zum letzten Rettungsversuch mittel Lastabwurf/Netztrennung in Umspannwerken, was bis hin zu grossflächigen Blackout geht.
    Ich hatte hier in einem Kommentar zum Artikel über die Ausrichtung von ENTSOe „Consumer Centric Energy System“ schon darauf hingewiesen…
    Mit dem Themaenkomplex beschäftigen sich nicht umsonst eine ganze Reihe renomierter Wissenschaftler…
    Anhand der mehrere hunderte Jahre lang gut dokumentierten „Erfahrungen“ mit Märkten, Spekulation, Blasen und daraus resultierenden diversen Crashes muss einem doch schon der gesunde Menschenverstand sagen, dass „Marktversagen“ systemimmanent ist… und bei direkter Kopplung des Stromnetzes an Märkte muss man befürchten, dass das Versagen des Marktes (Crash/Zusammbruch/Platzende Blasen) dann auch das Stromnetz an oder eben auch über seine Blastungsgrenzen bringt.

    Da gibt es durchaus fragwürdige gegenläufige Effekte, die Kritische Situationen hervorrufen. Sinken die Preise, schalten die Verbraucher ein, aber gleichzeitig schalten (nicht flukuierende, Wasserkraft, Biomasse, Gas) Erzeuger aus. Dumm gelaufen, wenn am selben Schwellwert beides in zu grossem Umfang gleichzeitig passiert.

    Hier mehr darüber

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