Zuviel für Strom bezahlt?

„Deutschlands Stromkunden zahlen jedes Jahr viele Millionen Euro zu viel, weil Unternehmen von Netzkosten befreit werden, obwohl die damit verbundenen Hoffnungen auf eine Stabilisierung des Stromnetzes gar nicht in Erfüllung gehen. Zu dem Fazit kommt ein unter Verschluss gehaltener Bericht der Bundesnetzagentur an das Bundeswirtschaftsministerium.“ (Quelle: FAZ Ausgabe vom 30.06.2015)

Im Hinblick auf ein neues Strommarkt-Design, welches in den kommenden Monaten in die Gesetzgebung gehen soll, ist es mehr als ärgerlich, wenn ein Bericht unter Verschluss gehalten wird. Es geht um typischen (Max Musterverbraucher) und atypischen (irgendwie anders), wobei letztere durch günstigere Netzentgelte belohnt werden, weil sie besser sein sollten, doch das sind sie nicht.

Da es bei thermischen Kraftwerken mit Kosten verbunden ist, wenn diese ihre Leistung erhöhen oder senken sollen, hatte man die letzten Jahre die Verbraucher belohnt, die konstant Strom aus dem Netz gezogen haben. Kleinkunden, die bei einem Jahresverbrauch von zum Beispiel 3.600 KWh/Jahr ebenfalls eine Bandlast (=konstanter Verbrauch an mehr als 7.000 Stunden im Jahr)  von 180 Watt aufzeigten schauten in die Röhre und mussten für Industriekunden zahlen.  In der Kritik steht nun, dass durch die Vergünstigung bei den Netzentgelten die falschen Anreize geschaffen werden.

Tatsächlich benötigt werden Verbraucher, die netzdienlich ihren Verbrauch anpassen können. Ist für wenige Stunden ein Kraftwerk nicht verfügbar,  dann ist ein netzdienliches Verhalten gegeben, wenn der Verbrauch entsprechend reduziert werden kann. Nur so können Marktverfälschungen durch ungeplante Ereignisse vermieden werden, da der Markt entsprechend der ausgefallenen Last auch verkleinert wird.

Die Incentivierung über Netzgentgelte zu gestalten, wie dies bislang der Fall ist, scheint jedoch sehr marktfremd. Bei allen Stromlieferverträgen wird eine Punkt-zu-Punkt Abrechnung realisiert, wobei zur Erfüllung eines Vertrages der Erzeuger für einen Ersatz sorgen muss – oder sich genügend Ressourcen sichern muss, die abschaltbar sind. Da es eine vertragliche Freiheit gibt, kann dies bilateral zwischen den Vertragsparteien ausgehandelt werden und bedarf weder einer politischen Weichenstellung noch einer Kontrolle durch eine Behörde.

 

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