In den letzten Jahren ist ein Trend ungebrochen:
Die elektrische Arbeit, die in Kilo-Watt-Stunden auf der Stromrechnung auftaucht verliert zunehmend an Wert. Der Erzeugung von Strom kann kein Geldbetrag gegenübergestellt werden, der als Entschädigung für eine geleistete Arbeit dient.

Die Entwicklung des Strompreises an den Börsen zeigt es eigentlich ganz deutlich. Angeheizt von zunehmenden Überkapazitäten, kann an 24 Stunden des Tages und 7 Tage der Woche mehr Strom in das Netz eingespeist werden, als die Bundesbürger überhaupt verbrauchen können.   Da es es kein Lager gibt, an der man die geleistete Arbeit parken kann, entstand ein Szenario, welches zum vorzeitigen Aus von dezentralen, thermischen Großkraftwerken führt.

Anhänger von wetterfühliger Stromerzeugung dürfte es freuen, dass trotz eines Atomausstiegs die konventionelle Stromerzeugung zunehmend der Selbstauflösung folgt. Eine vielleicht auch gewollte Konkurrenz auf dem „Arbeitsmarkt“ sollte das Produkt Strom, welches nach geleisteter Arbeit abgerechnet wird, weit in das 21. Jahrhundert tragen. Der Gegenteil ist der Fall – die Stromwirtschaft ist in die Commodity-Falle getappt.

Bereits im Jahre 2008 schrieb der damalige CEO von General Electric Jeffrey Immelt:

Kontinuierliche Erneuerung ist von zentraler Bedeutung […] Wir sind alle nur einen Wimpernschlag von der Commodity-Falle entfernt.

In einem Beitrag über die Commodity-Falle erklärt Impulse für Innovation:

Immelt spricht hier über die Commodity-Falle als eine Gefahr für marktführende Unternehmen. In seinen Augen hilft kontinuierliche Erneuerung, diese Falle zu vermeiden und so langfristig die Unternehmenszukunft zu sichern. Wer sich dagegen auf seinen einstigen Erfolgen ausruht, gerät schnell in die Commodity-Falle.

Der einstige Erfolg der Stromwirtschaft war die clevere Umwandlung des Energiespeichers „Brennstoff“ zum richtigen Zeitpunkt in „elektrische Arbeit“. Diese Grundlage eines Geschäftsmodells ist bis heute tief in die vermeintliche Wertschöpfung der einstigen Energieversorger verankert. Funktionieren konnte die Vergoldung dieser Umwandlung, da selbst wenn kein Strom benötigt wurde – die Kunden dennoch bereit waren dafür den gleichen Preis zu zahlen. Die Grundlast in der Nacht wird der gleiche Wert beigerechnet, wie dem Spitzenverbrauch beim Kochen. Eine Vereinfachung, die zwar den Spitzverbrauch etwas günstiger macht – die sogenannte Grundlast aber auch teuer.

Kleine Speicher in privaten Haushalten sind der Wimpernschlag für die Branche. Spitzen, werden abgefedert – weshalb im Umkehrschluss auch der Wert der Grundlast zurück gehen muss. Die Commodity-Falle schlägt zu, die auch durch die Einbeziehung themenfremder Sachgebiete nicht final wegdiskutiert werden kann.

Das konservative Lager der Stromwirtschaft versucht durch Rationalisierung und Optimierung der Commodity-Falle zu entgehen. Im Rahmen der Neuausrichtung der E.ON im Spätjahr 2014 wurde bei Utopia kommentiert:

Vor allem Atomkraft erzeugt enorme Folgekosten, die nur einfach jahrelang aus der öffentlichen Diskussion der angeblich „billigen“ Kernenergie herausgehalten wurden: die Abschaltung der Atomkraftwerke, die sichere Verwahrung vom Müll, der für Jahrtausende strahlt. Wer soll die Kosten tragen, wenn sie in einem nicht zukunftsfähigen „bad E.ON“ abgespalten sind? Vermutlich der Staat. Vermutlich die Steuerzahler. Also wir.

Die Commodity-Falle in der Stromwirtschaft sorgt dafür, dass die hässliche Fratze der Endlichkeitskosten zum Vorschein kommt. Verwüstete Landschaften, die renaturiert werden müssen. Endlager, die nicht vorhanden sind – und die CO2 Rechnung darf man erst gar nicht aufmachen. Die Falle ist bereits zugeschnappt – der Wimpernschlag liegt in der Vergangenheit.

Heraufbeschworen wurde das Verhängnis, indem systematisch die elektrische Arbeit aus Windkraft und Photovoltaik für „unwertig“ verkauft wurde. Nun unterscheidet sich der Strom in der Steckdose nicht – hat keine Farbe und kann nicht eindeutig einer Quelle zugeordnet werden. Die Selbstauflösung hat in dem Moment begonnen, als man erkennen musste, dass man eine Rechnung schreiben muss. Wert wurde vernichtet.

Den Beitrag "Strom andersherum denken offline Lesen:

2 Gedanken zu “Strom andersherum denken

  1. “ Die Selbstauflösung hat in dem Moment begonnen, als man erkennen musste, dass man eine Rechnung schreiben muss.“

    Gut gesagt!

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