Am 21.05. findet in Paris der Dialog zum Thema Stromversorgungssicherheit in Deutschland und Frankreich statt. Von Deutscher Seite wird man Stimmen vom BMWi hören, aus Frankreich kommt unter anderem der Übertragungsnetzbetreiber RTE zu Wort. Auf der Agenda findet man unter anderem die Rolle der Übertragungsnetzbetreiber in Bezug auf die Versorgungssicherheit auf beiden Seiten des Rheins sowie die zukünftige Rolle der erneuerbaren Energien im Strommarkt und ihre Bedeutung für die Versorgungssicherheit.

Versorgungssicherheit und Strommarkt – Wie viel haben diese beiden Welten überhaupt miteinander zu tun?

Der Strommarkt – genauer gesagt der Stromhandel – ist die fiskalische Gestaltung einer physikalischen Lieferbeziehung. Geht im Handel etwas schief, dann fällt weder in Frankreich noch in Deutschland der Strom aus. Zumindest nicht unmittelbar. Dennoch muss es oberstes Ziel des Strommarktes sein, eine Balance zwischen Erzeugung und Verbrauch zu jedem Zeitpunkt herzustellen. Nur wenn dies gelingt, dann kann der Bedarf an teurer Regelenergie minimiert werden und somit der Markt als ein Werkzeug angesehen werden, welches sich positiv auf die Effizienz auswirkt. Stimmt die Balance aus Erzeugung und Verbrauch nicht, so weicht die Netzfrequenz ab – und die Übertragungsnetzbetreiber müssen zur Stabilisierung des Netzes sogenannte Regelenergie einkaufen.

Tatsächlich gab es im Februar 2012 einen Vorfall, bei dem beinahe der Strommarkt für eine Beieinträchtigung in der Stromversorgung gesorgt hatte. Einige wenige Akteure hatten an einem Dienstag Morgen den Strombedarf ihrer Kunden latent zu gering eingeschätzt (so die Wortwahl des Untersuchungsberichtes), wodurch die Balance vom Markt nicht hergestellt wurde – somit vom Netz (=>Der Physik) aufgebaut wurde.

Versorgungssicherheit und Strommarkt gehen Hand-in-Hand. Sie arbeiten synchron und müssen gegenseitig stabilisierend sein. Bei der Stromerzeugung aus Erneuerbaren Quellen geht man von kurzfristigen Schwankungen aus, die den Bedarf verändern sollen. Möglich wird dies nur über den Preis. Funktionieren kann dies aber nur, wenn sehr viele Akteure am Markt vertreten sind. Dies ist heute weder in Frankreich noch in Deutschland gegeben. Nicht selten wird im untertägigen Handel  der Strompreis von unter einem Duzend Händler bestimmt. In Szenarien kann man sehen, dass dies eine Gefahr für die Effizienz des Handels ist.

Beeinträchtigt wird die Versorgungssicherheit aber auch durch die Liquidität der einzelnen Märkte. Von Devisen oder anderen Rohstoffmärkten kennt man „Panikkäufe“ – ein Zustand, der bei der Stromversorgung sofort zu einem Blackout führen würde. Im Zusammenwirken zwischen Deutschland und Frankreich besteht die Chance, dass man kurzfristige Extremas durch Marktregeln verhindert. Beim Hybridstrommarkt wurde daher der Mietanteil entwickelt, mit dem stabile Beziehungen zwischen Erzeugung und Verbrauch elektrischer Energie aufgebaut werden. Die Bedarfsermittlung  für Ausgleichenergie wird stärker an den Verbraucher gerückt und entfernt die Unsicherheit aus dem Marktgeschehen.  In einer Simulation konnte gezeigt werden, dass dieses Design zu einer stabilen Basis für eine strategisch ausgelegte Versorgungssicherheit dienlich ist.

Vielleicht sollte man auch Vertreter aus den Niederlanden zum Dialog laden. Dort wird der Hybridstrommarkt in Teilen bereits verwendet – was zu Erfahrungen geführt hat, die man auch in Frankreich und Deutschland gut gebrauchen könnte.

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5 Gedanken zu “Stromversorgungssicherheit und der Strommarkt

  1. Nach dem heute in den deutschen Medien die Meldung kam dass Leute die sich um die Versorgungssicherheit sorgen bereits 38.000 Bestellungen bei Tesla aufgaben

    http://www.n-tv.de/mediathek/videos/wirtschaft/Tesla-Anleger-verzeihen-Elon-Musk-alles-article15055036.html

    kellerte der Peak Load Future fuer 2016 an der EEX um 0.9% auf Allzeittief.
    Alle Strompreisfutures fielen nach dieser Nachricht, der 2016er aber am meisten.

    Lt. Musk/Tesla kommen auf jede Order mehrere Auslieferungen, also jede Bestellung beinhaltet im Schnitt mehr als eine Batterie:

    http://cleantechnica.com/2015/05/07/38000-tesla-powerwall-reservations-in-under-a-week-tesla-elon-musk-transcript/

    Man liest zwischen den Zeilen dass die groessere Masse aus Deutschland angefordert wurde.
    Ich denke die Konferenz in Paris kann man sich schenken :)

    Christoph Suess vom BR hat aufgepasst und richtig geschaltet:

    http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/quer/150507-quer-themen-100.html

    Die teuren Trassen waeren jetzt hinfaellig, bei den guenstigen Batteriepreisen und den Moeglichkeiten zur Schwarmintelligenz sind sie nicht mehr noetig.

    Antworten
    • Bislang hatte ich mich ja noch mit einem Beitrag zu Tesla und der Powerwall etwas zurück gehalten. Man wird aber sehen, dass der eigentliche Reiz darin besteht, dass gerade die privaten Haushalte von der staatlich regulierten Entnahme mit Offshore-Haftung und Co. aussteigen wollen. Vielleicht sollte wirklich einmal darüber nachgedacht werden, warum der Erfolg aus Deutschland kommt. Warum die Bürger mehr Selbstbestimmung haben möchten. Finden sie sich im „Produkt Strom“ des Tarifanbieters nach 15 Jahren Liberalisierung nicht gut aufgehoben?

      Antworten
      • Die meisten privaten Stromkunden haben seit der Liberalisierung des Marktes noch nicht den Anbieter gewechselt.
        Auch viele oeffentliche Kunden sind nur von einem Tarif in den anderen gewechselt und beim selben Anbieter geblieben.

        Die Frage ob die (Durchschnitts-) Kunden sich gut aufgehoben fuehlen kann man man also bejahen.
        Doch die Entscheider, die die alten Vertraege weiter halten oder erneuern wechseln mit der Zeit, irgendwann ist die Dornenkrone nicht mehr weiter zu reichen.

        Was die Liberalisierung erreicht hat ist dass die Kunden mit Innovationsfaehigkeiten sich mehr trauen. Der Stromkunde hat das Laufen gelernt.
        Die Anzahl der Wechsler und Selbstversorger nimmt staendig zu, die oekonomisch-kritische Masse ist laengst erreicht (siehe Strompreise an der EEX).

        In Deutschland sind 16.000 Batterien installiert, die meisten davon ohne viel Tamtam und Subventionen.
        Die Leute machen das einfach. Sollte jetzt noch Teslas Preisknick auf die Konkurenz durchwirken dann ist das Netz auf Dauer nur noch was fuer Sozialhilfeempfaenger.

        —————-

        OT

        Airbus baut jetzt erste Elektroflugzeuge, lagert die Ruestungssparte zumindest teilweise nach Indien aus.
        Das haette sich Atom- und Verteidigungsminister FJ Strauss nicht mal im Vollrausch ausdenken koennen!

        http://www.iwr.de/news.php?id=28766

        Die Brueder Lilienthal – selbst als Schuetzen im deutsch-franzoesischen(!) Krieg traumatisiert – traeumten von einem Flugaparat mit dem man den Feinden einfach davonfliegt.
        Und in Frankreich(!) wird jetzt so etwas gebaut,150 Jahre spaeter. Die Waffensparte so wie alte Naehmaschinen in die dritte Welt verkloppt, Rafale, Airbus …weg damit.
        Was muss man noch um Oel und Kerosin kaempfen wenn der Sonnenflieger mal bereitsteht …..

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  2. @hein

    Die Frage ist, ob diese Akkus tatsächlich so günstig produziert werden können oder ob Elon Musk mit seiner „Giga-Fabrik“ nicht eben auch das Problem zu geringer (Anfangs-)Auslastung eben auch mit Dumpingpreisen angeht.

    Tatsache ist, dass Elon Musk mit 3-4 Mrd. an Investitionen in die Giga-Fabrik geht und weitere 1,3 Mrd. an Steuererleichterungen dem Bundesstaat Nevada für sein Projekt abgerungen hat. Diese Steuererleichterungen mal als nicht dauerhafter und nicht längerfristig aufrecht zu erhaltender „Sondereffekt“ betrachtet, kann man Mutmaßen, dass der Preis den er für die Akkusysteme ausgerufen hat eben etwa um 30% niedriger ist, als er eigentlich sein müsste.
    Ich will dabei das Vorhaben von Elon Musk nicht klein reden oder schlecht machen, immerhin wird der Preis für sein System etwa 70% unter den Kosten vergleichbaree Systeme heute liegen. Das heißt wenn der Ausgerufene Preis ca. 1/3 unter den tatsächlichen Kosten liegt, so erreicht er mit der Giga-Fabrik immer noch eine reale Kostenreduktion von etwa 1/3 gegenüber heutigen Akkusystemen und ist damit auch ohne Förderung/Subvention sehr nahe an der Rentabilitätsgrenze.

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