Landau in der Pfalz ist in diesem Jahr Veranstalter der Landesgartenschau Rheinland-Pfalz. Mitten in das Gelände integriert ist das bereits vor 16 Monaten stillgelegte Geothermiekraftwerk Landau. Im Jahre 2009 gab es ein Erdbeben, welches auf das Kraftwerk zurück geführt wird und zeigt, dass es sich um einen Eingriff in die Natur handelt, welcher auch den Unmut der Anwohner mit sich bringt. In Trebur (Hessen) entsteht gerade ein weiteres Geothermie-Kraftwerk, welches ab dem Jahre 2017 Energie aus dem Boden ziehen soll. Die Fehler von Landau werden im Bürgerdialog adressiert, wie Susanne von Umspannen ausführt.

geothermie_und_fracking

Aktuell gibt es  8 Geothermie-Kraftwerke verteilt auf die Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz. Keines dieser Kraftwerke erreicht eine elektrische Leistung von mehr als 10 MW.

Mit teilweise 7600 Volllaststunden ist die Geothermie eigentlich eine Form der Energiegewinnung, die zur wichtigen Grundlastversorgung genutzt werden kann. Wasser, welches als Dampf mit einer Temperatur von über 150 Grad aus dem Boden kommt, lässt sich sehr leicht in Wärme und Strom verwandeln. Schwimmbäder, wie das Miramar in Weinheim, nutzen diese natürliche Quelle, doch der Weg zur Erschließung ist nicht nur steinig, sondern auch lang. Über 3.000 Meter tief ist die Bohrung in Landau zur Förderung, welche zunächst die Energie in etwa 40 Meter Tiefe bringt, wo sie dann mittels Organic-Rankine-Cycle Verfahren (s.h. Wikipedia) zunächst an die Oberfläche und dann in Heizwärme oder Strom verwandelt wird.

Auf der Soll-Seite stehen zwei Probleme, die heute zwar günstig – aber nicht unbedingt nachhaltig – gelöst werden können. Wegen der geringeren Temperatur, die in wirtschaftlicher Tiefe der Bohrungen vorhanden ist, muss dem Energieträger Zusatzstoffe zugemischt werden. Es handelt sich damit um keinen reinen Wasserdampf, der genutzt wird, sondern um ein verändertes Gemisch, welches die Siedetemperatur (Zeitpunkt des Übergangs von Flüssig in Dampf) verändert.  Wegen der Zusatzstoffe ist ein Kontakt mit dem Grundwasser oder auch dem Gestein zu vermeiden, denn einmal in den Boden eingebrachte Stoffe bekommt man dort nicht wieder raus. Da das Arbeitsmedium seinen Aggregatzustand verändert, wird auch das benötigte Volumen verändert, wodurch der Druck auf Gesteinsmassen wechselt. „Erdbeben“ können die Folge sein, so geschehen an einigen Geothermiekraftwerken – auch in Landau.

Auf der Haben-Seite sind es nicht nur die hohen Volllaststunden, die ein solches GKW interessant machen. Dampfkraftwerke haben generell die Möglichkeit innerhalb von sehr kurzer Zeit (Minuten) ihre Leistung zu regulieren. Eine solche Anlage eignet sich daher sehr gut als Reservekraftwerk im Bereitschaftsmodus. Die Kosten für einen Stillstand sind relativ gering, da sie fast vollständig auf die Leckagen-Überwachung beschränkt sind, welche fortlaufend durchgeführt werden muss. Dies ist nach der Betriebsaufnahme allerdings eine reine Drucküberwachung, welche zur Not auch per Fernwirktechnik realisiert werden kann.

Werden neue Geothermiekraftwerke gebaut, dann kommt ein Wissen zum Einsatz, welches aus der Öl/Gas-Förderung bereits vorhanden ist. Leider scheint es bislang nur bedingt zu gelingen, dieses Wissen im Sinne der Nachhaltigkeit einzusetzen. Die relativ geringe elektrische Leistung sind ein Problem, welches hoffentlich schnell gelöst werden kann, da es sonst für Geothermie keine Zukunft in der Energiewende gibt.

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2 Gedanken zu “Geothermiekraftwerke – Fluch und Segen

  1. Geothermieprojekte scheitern augenscheinlich mit erschreckender Regelmäßigkeit. Ein Paradebeispiel aus eigener Erfahrng/Anschauung: Die Fernwärmeversorgung der Stadt Fürstenfeld (Österreich) aus Geothermie.

    Aufgrund der Zusammensetzung des Untergrundes ließ sich das mit Thermalsalzen, Schwefel und Erdölprodukten verunreinigte Wasser nicht wie geplant reinjizieren. Die Anlage war zum Zeitpunkt dieser Feststellung natürlich schon vollständig errichtet.

    Als Lösung lieferte das Land Steiermark die Genehmigung, täglich 70 Tonnen Salz in den benachbarten Fluss Feistritz einzuleiten, was auch prompt geschah. In der Heizperiode wurde die Genehmigung ausgeschöpft.

    Aufgeflogen ist die Geschichte eigentlich nur, weil einem Industriebetrieb weiter unten am Fluss plötzlich die Wasserentsalzungsanlage Probleme machte. Die war offensichtlich für normale europäische Süßwasserbedingungen konzipiert, nicht für das tote Meer.

    Der rechtswidrige Genehmigungsbescheid für die Einleitung von Thermalwasser in die Feistritz wurde nach einer Klage aufgehoben. Seit dem steht die Geothermieanlage mehr oder minder nutzlos in der Gegend. Die Stadt hat ein zusätzliches „konventionelles“ Fernwärmekraftwerk errichtet.

    Alles in allem kein sehr gutes Geschäft, weder für die Umwelt noch für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt.

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  2. Der Beitrag weist leider einige sachliche Fehler auf, die ich hier gerne korrigieren möchte.

    1. Die Geothermie-Anlagen in Deutschland haben durchschnittlich 8.300 Volllaststunden, was einer Verfügbarkeit von 94,7% entspricht. Der höchste mir bekannte Wert liegt bei 99,7 %, seit die beiden Anlagen in Grünwald und Unterhaching mit einer Fernwärmeleitung verbunden wurden, das entspricht 8.733,72 Stunden.

    2. Das Wasser kommt nicht als Dampf aus dem Boden, sondern wird unter Druck gehalten und das letzte Stück mit Pumpen nach oben gebracht. Erst an der Oberfläche wird dann ein Teil der Wärme über Wärmetauscher an die ORC-Anlage abgegeben.

    3. Das Thermalwasser bleibt im geschlossenen System und es wird eben NICHT mit irgendwelchen Zusatzstoffen vermischt. NUR die Wärme wird über Wärmetauscher an ein Arbeitsmittel abgegeben, das einen deutlich niedrigeren Siedepunkt aufweist. Auch dort handelt es sich um einen geschlossenen Kreislauf. Deshalb werden keine Zusatzstoffe in den Untergrund eingebracht, sondern lediglich das entnommene Thermalwasser.

    4. Deshalb gibt es auch nur eine minimale Volumenänderung. Diese kommt lediglich durch die unterschiedlichen Temperaturen an Förder- und Reininjektionsbohrung zustande.

    5. In Landau wird das Wasser wieder mit Druck in den Untergrund zurückgepumpt und man geht davon aus, dass dadurch das Erdbeben (Stärke 2,7) entstanden ist. Deshalb wurde die Leistung des Kraftwerks auf etwa die Hälfte und damit auch der Druck reduziert, damit sich so etwas nicht wiederholt.

    6. Der Druck, mit dem hier in Landau gearbeitet wird liegt mit 60 bis 70 bar weit unter den Drücken, die beim Gas-Fracking benutzt werden – nämlich bis zu 1.000 bar.

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