Die Einigung von Rat, Kommission und EU Parlament zur Biokraftstoff-Richtlinie zementiert in der Wirkung die hohe klimaschädliche Nutzung von Erdöl. Nur 10% der Treibstoffe sollen bis 2020 aus erneuerbaren Energien kommen, davon etwa 3% Ökostrom und 7% Biokraftstoffe.

Damit werden 90% des Kraftstoffmarktes der EU für Erdölkraftstoffe gesichert. Eine Vermeidung der verheerenden Zerstörungen der Erdölnutzung und -förderung mit lokalen Zerstörungen wie großflächige Waldabholzungen und Naturzerstörungen z.B. im Regenwald Amazoniens oder in Kanada, sowie die Frackingförderung in den USA und Kanada spielten in der Entscheidungsfindung auf der EU-Ebene offensichtlich ebenso wenig eine Rolle wie die vielen Ölverschmutzungen z.B. aktuell auf den kanarischen Inseln. Auch die kriegerischen Spannungen um Erdöl, die Menschenrechtsverletzungen in den Erdölfördergebieten und seine verheerende klimazerstörende Wirkung waren den EU-Politikern nicht Argument genug, endlich Wege zu finden, um die hohe Abhängigkeit der EU vom Erdöl zu reduzieren.

Entscheidungsgründe für diese Einigung waren ausschließlich die negative Entwicklung wie Urwaldabholzung und Landgrabbing beim Anbau von Biokraftstoffen. Die gleichen Negativentwicklungen beim Erdöl spielten keine Rolle. Anders als beim Erdöl kann man Biokraftstoffe sehr wohl durch politische Maßnahmen ökologisieren. Entsprechende Vorschläge hatte ich selbst versucht, in den politischen Prozess einzuspeisen.

Damit haben die europäischen Umweltverbände, sowie die Fraktionen der Grünen, Linken und Sozialdemokraten im EU Parlament dem globalen Umweltschutz, dem Klimaschutz und der Friedenspolitik einen schweren Schlag versetzt. Sie alle setzen sich zwar für die Divest-Kampagne ein, die den Rückzug der Finanzwirtschaft aus dem Erdöl zum Ziel hat, aber gleichzeitig verhindern sie, dass der Ersatz des Erdöles in der EU gelingen kann. 

Ausbaden wird es die europäische Wirtschaft. Sie wird ausgebremst, eigene Aktivitäten für den großvolumigen Ersatz von Erdöl unternehmerisch anzugehen, vor allem mit nachhaltig erzeugten Biokraftstoffen. Gleichzeitig wird die in hohem Maße vom Erdöl abhängige europäische Wirtschaft weiter unter Druck kommen, da sich abzeichnet, dass immer mehr Investoren sich aus der Finanzierung von neuen umweltschädlichen Erdölförderungen zurückziehen. Damit kommt weltweit die Erdölförderung unter Druck. Verknappungen werden die Ölpreise und damit die finanzielle Belastungen der europäischen Ökonomie wieder steigen lassen.

Den ökologischen Ersatz des Erdöles mit nachhaltigen Biokraftstoffen haben die EU-Politiker aber nun verhindert, mit verheerenden Folgen.

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5 Gedanken zu “Fell: EU sichert Mineralöl 90 Prozent Marktanteil im Verkehr bis 2020

  1. Stehe Biokraftstoffen sehr kritisch gegenüber. Das Potential nachhaltiger Biokraftstoffe reicht nicht mal aus, um 10% der Treibstoffe zu ersetzen, was in den letzten paar Jahren eindrücklich negativ belegt wurde.
    Im vergleich dazu war die Effizienzsteigerung bei den Fahrzeugen, bezogen auf den Verbrauch je gefahrenen Kilometer, sogar erheblich großer.

    Aber egal welche Massnahmen man ergreift, Jevon’s Paradox schlägt hier gnadenlos zu. Die Rebound-Effekte machen jeglichen Versuch Treibstoff einzusparen zunichte, auch das beweisen die letzten paar Jahre eindrücklich, die Fahrzeuganzahl und die Kilometerleistung nehmen immer noch mehr zu.

    Man sollte erkennen, wann man auf verlorenem Posten kämpft und dieser Posten „Individualverkehr“ ist verloren, ohne „Wunderwaffe“ wie ein grundlegend neue und überlegene Antriebstechnik, ist hier absolut nichts auszurichten. Tesla zeigt, dass diese Technologie verfügbar ist… für die Oberschicht, also für einen viel zu hohen Preis, denn 80000 Mücken für eine Karre sind eben einfach 60000-70000 Mücken Protz und nur der kleine Rest der Nutzwert. Elon Musks Gigafabrik hat das Potential den Preis entscheidend zu reduzieren, aber man wird einmal immer noch viel zu weit davon entfernt sein, Akkufahrzeuge für jeden erschwinglich zu machen und ein andermal ist bis 2020 allenfalls die Produktion aufgenommen, aber sicher noch keine Marktdurchdringung geschafft.

    Damit ist bis 2020 eben nichts anderes drin, als wenige Elektrofahrzeuge, etwas mehr Hybridantriebe und bei den Biokraftstoffen wird man sich selbst für die 7% schon ordentlich ins Zeug hängen müssen, dass die unterm Strich weniger Schaden anrichtenm als das dreckige Erdöl.
    Bleibt allenfalls Verzicht oder Umstieg auf ÖPNV… mein Wort zum Sonntag, äh, dem GDL-Streik der kommenden Woche.

    Tut mir leid Herr Fell, Ihr Versprechen vom „sauberen“ Biokraftstoff, ist ein leeres Versprechen, die Welt macht da leider nicht so mit, wie Sie das gerne hätten. Seien Sie mal froh,dass ich nicht gleich den Vergleich zu sauberen Atomkraft nicht ziehe ich würde dabei nicht ein Wort über einen Grau verlieren, sondern nur von verwüsteten Landstrichen reden… :-)

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    • Betr. Tesla-Luxuskarre:

      Naechstes oder uebernaechstes Jahr kommt die Mittelklasseversion fur die Haelfte auf den Markt.
      „Tesla3“ oder so aehnlich.

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  2. Airbus gibt die erste Serie von el. Flugzeugen in Auftrag:

    http://www.flyingmag.com/news/airbus-build-electric-plane-factory-france

    und lagert den militaerischen Arm nach Indien aus:

    http://aviationweek.com/awin-only/airbus-increase-civil-military-co-production-india

    Vor 50 oder 60 Jahren wurden pedalbetriebene Naehmaschinen nach Indien als Entwicklungshilfe verschifft.

    ———————

    Ich denke der Biokraftstoffmarkt wird sich nicht viel weiter entwickeln. Technisch betrachtet ist er ueberfluessig.

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  3. @hein Überflüssig wurde ich nicht sagen, es wird sicher Bereiche geben, die sich anders schwerlich mit Energie versorgen lassen. Landwirtschaftliche Maschienen, z.B. die großen Akkus die man bräuchte bringen viel Zusatzgewicht, wo man ohnehin schon damit kämpft, den Boden nicht zu sehr zu verdichten.
    Da man Bioenergie nicht beliebig hoch skalieren kann, ohne bei der Nachhaltigkeit unerwünschte Nebenwirkungen zu haben, wird es da durchaus Weiterentwicklung geben, einfach weil ein flüssiger Energieträger mit hoher Energiedichte viele Vorzüge hat.

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