Seit 2013 gibt es sie. Die Kleinigkeit auf der Stromrechnung, die kaum auffällt. Doch die Offshore-Haftungsumlage, die wir Letztverbraucher bezahlen haben sich ganz nett summiert. Und die Gelder werden schön verteilt.

Die vier Übertragungsnetzbetreiber kassieren als Aufschlag auf die Netzentgelte von den Endkunden die Offshore-Haftungsumlage und verwalten die so eingenommenen Beträge.


Schafft es ein Übertragungsnetzbetreiber nicht, einen OffShore-Windpark fristgerecht an das Stromnetz anzuschließen, so wird das Unternehmen im allgemeinen auf Schadenersatz verklagt – und zwar vom Bauträger des Windparks. Der hat einfach so diesen Park in die Landschaft gebaut und erwartet natürlich mit Fertigstellung auch einen Netzanschluss. Fehlt dieser, dann entgehen Gewinne. Deshalb auch die Klage.

Damit jetzt der Netzbetreiber nicht Insolvenz anmelden muss, weil er die Kohle für den Schadenersatz nicht zahlen kann, wird der Bürger verpflichtet, dieses Kapital aufzubringen. Das nennt man dann Energiepolitik.

Eine ähnlich Meinung vertrat auch Prof. Claudia Kemfert schon im Januar 2013 in einen Interview mit unserer Redaktion:

Die Offshore Haftungsumlage ist erfolgreicher Lobbyismus pur. Statt die Energiewende vernünftig zu managen und dafür zu sorgen, dass erst die Netze, dann die Windanlagen gebaut werden, überlässt man alles den Unternehmen. Der Netzbetreiber hat offensichtlich die technischen und finanziellen Anforderungen unterschätzt. Dass nun aber in erster Linie Privathaushalte für Managementfehler haften sollen, ist unbegreiflich.

Die Bundesnetzagentur teilte auf eine Anfrage in Bezug auf die eingenommenen Gelder mit:

So wurden für das Jahr 2013 von den Netzbetreibern 762,3 Mio. Euro mit der Offshore-Haftungsumlage erhoben. Die tatsächlich im Jahr 2013 an die Betreiber von Offshore-Anlagen ausgezahlten Entschädigungszahlungen beliefen sich auf 294,5 Mio. Euro. Die sich daraus ergebende Differenz von 467,8 Mio. Euro ist entlastend in die Ermittlung der Offshore-Haftungsumlage für das Jahr 2015 eingegangen.

Da sieht man mal, welche Summen wir Bürger aufbringen, damit die großen Unternehmen überleben können.

Weitere Informationen zur Umlage finden sich auch netztransparenz.de.

Autor: Björn-Lars Kuhn

Björn-Lars Kuhn

Journalist bdfjBjörn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.
Er ist zudem Gründungsmitglied der Energieblogger.

 

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