Das Stadtwerke-Konsortium Trianel empfiehlt in einer aktuellen Pressemitteilung bei der Beschaffung von Strommengen verstärkt auf ein rollierendes Verfahren zu setzen. Fehlende Liquidität bei langfristigen Produkten führt zunehmend zu einem Preisnachteil, weshalb eine stärkere Fristenkongruenz auch ökonomische Vorteile bringt.  Denkt man diese Empfehlung weiter, dann rückt man ein Stück näher an den dynamischen Stromtarif und macht den Bedarf an elektrischer Energie stärker zum bestimmenden Element des Handels.

Allerdings lassen sich sowohl am deutschen OTC-Markt als auch an der EEX lediglich die nächsten drei Monate oder Quartale liquide handeln, weshalb sich die Beschaffung von Monats- oder Vierteljahresprodukten kaum wirtschaftlich auf einer Jahresbasis realisieren lässt. Durch eine rollierende Portfoliostrukturierung, statt einer Strombeschaffung auf einer Jahresbasis, können Stadtwerke dieser mangelnden Liquidität entgegenwirken, erläutert Wittinghofer. So werden offene Positionen, also Differenzen aus geplantem Absatz und der bereits beschafften Menge, zusätzlich verringert und das Risiko entsprechend gemindert. Hierdurch sinke das benötigte Risikokapital und eröffne dem Unternehmen zusätzlich neue Wertschöpfungsmöglichkeiten, betont Wittinghofer.

Für den Letztverbraucher kann man die Beobachtung von Trianel recht einfach nachvollziehen. Elektrische Energie muss für den Zeitpunkt des Verbrauches beschafft werden. Niemand kann allerdings über einen sehr langen Zeitraum prognostizieren, wann ein Stromkunde tatsächlich die Wäsche macht oder den Rasen mäht.   Erst die Bündelung sehr vieler Verbraucher führt zu einer quasi Abfederung einzelner Verbrauchsspitzen. Stromversorger mit sehr vielen Kunden haben daher einen Vorteil im Gegensatz zu den eher kleinen Stadtwerken, da es kaum Veränderungen im Lastgang gibt.

Erste Erfahrungen zeigen, dass ein Stadtwerk mit einem Absatzvolumen von 250 Mio. kWh in der moderat-aktiven Strukturierungsstrategie das Beschaffungsergebnis allein durch eine geringfügige Integration von Quartalsprodukten um 2,34 % steigern kann. Zudem können durch eine ausgeprägte Einbindung von Quartalsprodukten und gezielter Einbindung von Monatsprodukten 2,6 % bzw. 3,1 % der Beschaffungskosten vermieden werden. Bei einem durchschnittlichen Strukturpreis von 36,50 €/MWh entspricht das einem Preisvorteil von 1,13 €/MWh.

Hybridstrommarkt - für die Energiewende in Bürgerhand
Hybridstrommarkt – für die Energiewende in Bürgerhand

Im HybridStrommarkt, einem Marktdesign für die Energiewende, welches dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie vorliegt, wurde ein abweichender Lösungsansatz skizziert.

Der volatile Charakter mancher Primärenergieträger wird entlang der gesamten Wertschöpfungskette für die Stromlogistik bis zum Liefervertrag in einem Mietmodell entkoppelt. Miete ist bei diesem Design durchaus als eine sehr langfristige Vertragsbeziehung zu verstehen, welche sich bis zum vollständigen Lebenszyklus einer Anlage ausdehnen kann.  Die Marktliquidität kann in diesem Modell vollständig in den Spotprodukten gebündelt und abgegriffen werden.

Die Erfahrungen der letzten Monate zeigen, dass eine frühzeitige Integration der Lebenswirklichkeit hinter dem Zählpunkt einen Wandel von Stromversorgern zu Energiemanagern  bringt.

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4 Gedanken zu “Näher an der Lebenswirklichkeit – Trianel Empfehlung zur rollierenden Beschaffung

  1. Platts hat die EEX-Preise untersucht, Trianel scheint nicht der einzige Haendler zu sein der flexibel einkauft.

    http://www.platts.com/latest-news/electric-power/london/german-power-solar-wind-forecasts-keep-prompt-21271580

    An 7 von 9 Tagen lag der peakload-Preis unter dem baseload-Preis!
    Und Strom kostet eh schon fast gar nichts mehr ….

    ——-

    OT

    In Frankreich streikten die AKWler am Donnerstag:

    http://www.platts.com/latest-news/electric-power/london/french-power-plant-availability-cut-by-37-gw-21264502

    Gemerkt hat es aber keiner:

    http://www.bloomberg.com/news/articles/2015-04-09/nuclear-france-s-sun-power-record-leaves-utilities-in-the-shade

    Antworten
      • Es gibt ein Ueberangebot an Strom in Frankreich.
        Fuer den Direktverkaeufer EdF lohnt sich jeder Streik da dann der Strompreis nach oben geht.
        Wenn dann noch die Loehne bei den bestreikten Anlagen gespart werden – um so besser.

        Und die Sonne liefert gratis, die meisten netzgebundenen Anlagen gehoeren nicht EdF.
        Man kann dann immer noch auf die PV-Besitzer zeigen wenn der Strompreis steigt.
        Was zwar absurd ist aber den meisten Medienvertretern und deren Kundschaft doch einleuchtend.

        http://www.rte-france.com/fr/eco2mix/eco2mix-mix-energetique

        Rd. 4 GW PV wurden jeden Tag regelmaessig eingespeist, die haben die 3 komma Ebbes an weggestreikten Kapazitaeten mehr als ersetzt.

        Antworten
  2. OT
    Substitution fuer weggestreikte Atomkraft in Frankreich:

    Aus dem UK (mit vergl. PV-Installationen und Bevoelkerungszahl) hier eine aktuelle Nachricht:

    http://www.pv-magazine.com/news/details/beitrag/solar-to-thank-for-uk-grids-lowest-ever-peak-demand-forecast_100018988/#axzz3X18lkHOA

    Bei 4 GW installierter PV-Kapazitaet sinkt der Spitzenbedarf (vom Netz) um 0.9 GW

    Ich denke dass der fr. Netzbetreiber die Wetterdaten mit den PV-Kapazitaeten vergleicht und entsprechend die AKW-Streiks ersetzt, bei schoenem Wetter also gar nichts macht.

    Hinkley-Point3 haette den aktuellen (!) Zahlen nach schon jetzt nur noch eine halbe Stelle, also im Winter …:)

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