In den letzten Tagen erreichte die Pressemitteilung des Bundesverbandes Erneuerbare Energie eine sehr hohe Verbreitung,   in der eine Studie über den Nutzen von Batterie-Speicher für den Strommarkt vorgestellt wird.

„Dezentrale Batterien tragen künftig zu einem stabilen Stromnetz bei. Sie ergänzen den Wind- und Solarstrom und helfen konventionelle Must-run Kraftwerke abzulösen“, so Dr. Hermann Falk, Geschäftsführer des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE).

Die Kurz-Studie hat sehr viel Wichtiges und Richtiges in ihrer Ausarbeitung. Kunden mögen besonders das praktische Verzeichnis der „wichtigsten Anbieter“ im Markt freuen, die im Kapitel 7 des Dokumentes genannt sind. In alphabetische Reihenfolge werden Anbieter im Batteriemarkt für Batterien und verwandte Produkte sowie ihre Dienstleistungen aufgeführt und laden den geneigten Leser zum Shoppingerlebnis ein.

Aktuell befindet sich blog.stromhaltig in einem Umbau der Stromversorgung im Casa Stromhaltig. Der Dienstleister hat sich sehr viel Mühe gemacht ein geeignetes System zusammenzutragen, welches hinsichtlich der Komponenten an den Anforderungen orientiert, die gestellt wurden. Die Anbieter finden sich leider nicht in der Liste der wichtigsten Anbieter. Grund zur Beunruhigung? Wahrscheinlich nicht, denn auch in anderen Punkten zeigt die BEE Kurz-Studie ein Bild, welches noch nicht in den Strommarkt von heute passt.

„Batteriekraftwerke stellen bereits heute Regelleistung bereit, die bisher maßgeblich von konventionellen Kraftwerken erbracht wurde. Auch dezentrale Batteriespeicher sind in Kürze soweit und können einzeln oder im Verbund Verantwortung für einen stabilen Netzbetrieb übernehmen. Um das vorhandene Potenzial vollständig zu erschließen, sind die Rahmenbedingungen entsprechend anzupassen“, betont der Autor der Studie, Prof. Dr.-Ing. Michael Sterner, Professor an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg (OTH Regensburg).

Bereits im November 2014 berichtete blog.stromhaltig über den Einsatz einer großen Batterie zur Frequenzstützung in Brandenburg. Mittels einer 2 MWh Batterie wird dort immer dann Energie aus dem Stromnetz genommen, wenn es zuviel gibt – und abgegeben, wenn es zu wenig gibt. Damals hatten wurde allerdings auch bereits angesprochen, dass allein für diesen Dienst man sich den Solarpark von 68 MWp hätte sparen können. Da er vorhanden ist, bietet ein großer elektrischer Speicher die Möglichkeit sowohl sehr kurzfristige Schwankungen auszugleichen, als auch langfristig eine Glättung des Erzeugungsprofils zu bewerkstelligen. Dies hilft einem Direktvermarkter im Falle eines Wolkendurchzuges die Falle der Ausgleichenergie zu umgehen. Welches Szenario auch man verwendet, wir sprechen über eine enge Kommunikation zwischen Netzbetreibern,  Händlern und Anlagenbetreibern. Bei einem privaten Haushalt ist keine dieser Voraussetzungen gegeben.

Die stark fallenden Preise  von modernen Batteriespeichern machen Hausbatteriespeicher für viele Photovoltaik-Anlagenbetreiber zunehmend interessant. „Eigenverbrauch und netzdienliches Speichern von Solarstrom passen zusammen. Die im Batterieförderprogramm der Bundesregierung festgelegte Netzdienlichkeit sollte fortgeschrieben und weiterentwickelt werden“, sagt Prof. Dr.-Ing. Bernd Engel, Sprecher der Arbeitsgruppe Netzfragen im Bundesverband Solarwirtschaft (BSW).

Hybridstrommarkt - für die Energiewende in Bürgerhand
Hybridstrommarkt – für die Energiewende in Bürgerhand

Ein Nutzen für die Netzdienlichkeit und dem Strommarktes wird in der Studie vermittelt. In den Niederspannungsnetzen gibt es keine Schnittstellen zum Strommarkt, so dass über einen Speicher auch Cash-Backs erzeugt werden können. Das vom BEE favorisierte Modell des Grünstrom-Marktes sieht eine weitere Abschirmung der Klein-Stromanschlüsse hinter Bilanzkreisen vor, wie auch von Daniel Hölder (CLENS) im Interview bestätigt wurde. Im Klartext bedeutet dies, dass es von Seiten des Marktes keine Anreize zur Netzintegration gibt. Ohne Netzintegration der Speicher gibt es auch keinen Nutzen für andere Stromkunden, weshalb das Werbelied einige schiefe Töne erhält.

Die Zielgruppe der Studie wird klar, wenn man das Fazit selbst betrachtet:

Batteriespeicher zur reinen Eigenverbrauchsoptimierung sind derzeit nicht wirtschaftlich. Durch die Erbringung von Systemdienstleistungen kann diese Situation verbessert werden (s. Abschn. 4.2 bis 4.6). Ein zentraler Markt für Systemdienstleistungen ist der Regelleistungsmarkt, den es für Batteriespeicher weiter zu öffnen gilt. Dafür sind die Präqualifikationsbedingungen anzupassen und technologieoffen zu gestalten. Batteriespeicher können schneller als konventionelle Kraftwerke Regel- und Reserveleistung bereitstellen (Toenges 2015).

Es geht hier im Großinvestoren und Großspeicher der Mega-Watt-Klasse. Es geht hier um die Bedienung des bestehenden Geflechts aus industrieller Stromerzeugung und privatem Stromkonsum. Es geht dem BEE nicht um die Prosumer, oder um die Bürgerenergiewende.

Bei den heute geltenden Regelungen nutzen Batterien im Strommarkt nur den Netzbetreibern (als Kunden), den Herstellern und Dienstleistern. Nachdem sehr viele Unternehmen der PV-Branche im Speichergeschäft eine neue Heimat gefunden haben, bietet die Pressemeldung des BEE eigentlich nur einen Einblick in einen Strukturwandel der EE-Branche und keine Handlungsempfehlung.

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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