Kraftwerk: Nachmieter gesucht für Stromlieferung 1

Kraftwerk: Nachmieter gesucht für Stromlieferung

zu „Staat als Salesforce für Kraftwerker“:

Warum sollte sich Audi oder ein anderer Stromabnehmer ein Gaskraftwerk mieten, dass auf Grund des teuersten Brennstoffs Erdgas den teuersten Strom erzeugt? (Kommentar von B. Robel)

Eine berechtigte Frage, wenn man Stromversorgung nur aus der Sicht von Kleinkunden betrachtet. Industrie Unternehmen mit einem sehr hohen Stromverbrauch haben nicht erst heute einen wirtschaftlichen Vorteil, wenn sie Erzeugungskapazitäten anmieten anstelle Lieferverträge über abgenommene Menge abschließen. Mit dem Hybridstrommarkt wird diese Option auch den Kleinverbrauchern gegeben.

Stromkunden mit einem hohen Bedarf gelten als sogenannten Sondertarifkunden. Im Gegensatz zum Modell, welches bei den Privatkunden bekannt ist, werden nach Stunden und Tage geschlüsselt individuelle Preise bezahlt. Die Preise für Industriestrom orientieren sich dabei an den Börsenstrompreisen sind aber in ihrer Höhe ein Vielfaches.

Der Grund, warum ein Gewerbekunde zum Beispiel 12 Cent die KWh zahlt – der Börsenpreis aber nur bei 3,5 Cent liegt, findet sich bei den Netzdienstleistungen.  Dies ist zum einen der physikalische Transport über Leitungen, aber auch die Bereitstellung von sogenannter Ausgleichenergie. Strommengen, die beschafft oder verkauft werden müssen, wenn der Verbrauch im Unternehmen nicht mit der Prognose übereinstimmt. Damit diese Kosten nicht zu hoch werden, wird zwischen dem Stromlieferant und dem Stromkunde ein Profil vereinbart, welches regelt wann welche Nachfrage bestehen sollte.

Merksätze

  • Börsenstrrompreise entstehen auf Basis von Brennstoffkosten
  • Der Börsenstrompreis zu einem Zeitpunkt entspricht in etwa dem teuersten Kraftwerk, welches zur Bedeckung des Bedarfs notwendig ist
  • Der Börsenstrompreis ist etwa ein Viertel des Preises, der vom Großverbraucher bezahlt werden muss
  • Der Börsenstrompreis enthält keine Dienstleistungen, die durch das Netz erbracht werden, aber vom Kunden ebenfalls zu zahlen sind.

Verkaufsargumente: Gaskraftwerk

Zum Eingang stand die Frage, warum sich manche Industrieunternehmen bei Kraftwerken einmieten, auch wenn die Erzeugung zum Beispiel beim Brennstoff Erdgas zunächst teurere Preise verursacht. Die Antwort liegt in der Kalkulation der Strompreise.  Nicht selten ist die Grundstrommenge sehr günstig zu bekommen. Teuer ist die Ausgleichenergie, die bei Planabweichungen auf beiden Seiten benötigt wird (Erzeugung & Verbrauch). Ein Preis je Erzeugungseinheit im Jahresschnitt kann aufgeteilt werden in 40% Kosten für das Profil sowie 60% Kosten für die Ausgleichenergie. Je nach Art des Unternehmens oder Kraftwerk schwanken diese Zahlen.

Ein Gaskraftwerk kann exakt den benötigten Lastgang eines Großkunden nachfahren. Für den Kunden ergibt sich zunächst der Nachteil, dass er deutlich klarer den Strombedarf seinem Lieferanten mitteilen muss, auf der anderen Seite aber auch einen großen Kostenblock einspart. Dieser Synergieeffekt lässt sich beim Einsatz von Kraft-Wärmekopplung für Prozesswärme verstärken, so unter dem Strich ein Gewinn für alle Seiten entsteht.

Fazit: Kraftwerke vermieten, anstelle Strom verkaufen

Eine aktuelle Greenpeace Studie titelt, dass die Misere der Energiekonzerne selbstgemacht ist. Gerade größere Versorger werden auf ihre Kunden zugehen müssen, indem individuelle Lösungen und Angebote geschmiedet werden.

Kurzfristige Gewinner  sind hier die Stadtwerke, die lokale Industrieunternehmen kennen und schnell adressieren können. Der Kampf um Marktanteile wird zum Kampf um die längsten Mietverträge.

Ein Performance Indikator für Stromerzeuger ist die Aussage, wie viel Prozent der Erzeugung über welchen Zeitraum bereits veräußert wurde. Dieser KPI findet sich in jeder Bilanz der Stromerzeuger.

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