Benötigt eine Stahlhütte oder ein großer Industriepark mehr Strom, als gerade verfügbar ist, könnte es rein von der Theorie knapp werden. Damit dies verhindert wird, wurden in den letzten Jahren die sogenannten Kuppelkapazitäten zu den Nachbarländern ausgebaut. Wirklich benötigt wurden diese bislang noch nie als Reserve, sondern konnten zur Vermarktung des inländischen Stroms im Ausland lukrativ genutzt werden (wir erhalten mehr Euro für exportierten Strom, als wir für importierten zahlen).

Nach Aussage des Handelsblatts  plant die Bundesregierung die Anmietung von 4 GW Kraftwerksreserven. Ein Kapazitätsmarkt durch die Hintertür – wenn auch winzig, vergleicht man die Netzkopplung mit dem Ausland. Das Schockierende ist, dass dieses Vorhaben vor der Grundsatzentscheidung zum Grünbuch „Strommarkt der Energiewende“ kommt.  Die über 500 Eingaben aus der Konsultation werden von der Bundesregierung damit übergangen.

Auch beim Hybridstrommarkt existiert das Konzept einer Anmietung von Stromerzeugungskapazitäten. Jedoch hat jeder Stromkunde die Möglichkeit seine benötigten Kapazitäten zu bestimmen. Im heutigen Eckpunktepapier werden die Kosten für das Risiko verallgemeinert. Das Handelblatt schreibt:

Dafür sollen die Versorger einen Ausgleich für die Vorhaltekosten bekommen, der voraussichtlich auf die Stromrechnungen der Verbraucher umgelegt wird.

Die Bereitstellung eines Kraftwerkes, ohne dass dieses Strom erzeugt, kostet Geld. Wer es benötigt, der kann für diesen Notfall auch die Kosten tragen, die in der übrigen Zeit anfallen. Nicht so der Plan der Bundesregierung, die anstelle von höheren Stromkosten der Verursache lieber die Bürger zur Kasse bitten will.

hsm_coverDie privaten Haushalte wurden bislang noch nicht auf ihr Potential zur Lastverschiebung überprüft. Von den Energieversorgern fehlen scheinbar die Konzepte, dabei kostet es gerade einmal 4,95€, um sich hierüber zu informieren. Im Buch zum Hybridstrommarkt steht beschrieben, wie Letztverbraucher in einen neuen Strommarkt integriert werden können. Der Einsatz von Reservekraftwerken wird damit obsolet und eine Anmietung von Kraftwerken könnte damit der zukünftigen Stromrechnung erspart bleiben.

Das heutige Einknicken ist leider ein Zeichen dafür, dass die Bundesregierung aus ihren bisherigen Fehlern bei der Energiewende nicht gelernt hat. Nach dem Hartz IV für Kraftwerke, welches nun durch die Hintertür eingeführt wird, kommt als nächstes die Infrastrukturumlage – eine Bestrafung für das Stromsparen.

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