Als Pilot hatte ich mir sehr lange überlegt, ob auch hier im Blog etwas zum German-Wings Absturz stehen soll. Die erste Meldung, die ich hörte war eine Falschmeldung – man hatte die Flugrichtung schlicht verwechselt. Viele Meldungen und Sondersendungen folgten, der Informationsgehalt dürftig – der Spielraum zur Interpretation groß.

„Zu rekonstruieren, wer den Fehler gemacht hat und wer dann ohne genaue Prüfung übernommen hat, bringt doch nichts. Das Thema wird sich auch wieder erledigen.“ (Andreas G., im Stromhandel beschäftigt, aus Montabaur)

Dann kam die Story über den Stromhändler bei RP-Online. In wenigen Worten wurde dieser verwechselt mit dem Co-Piloten, seine Freundin im Café aufgesucht und Bilder von ihm verbreitet. Selbst ARD & ZDF sind beim Verbreiten dabei.

Die Medien (auch Blogs) berichten, was die Kunden lesen wollen. Ein Spiegel der Gesellschaft sollen die Medien sein und zeigen eigentlich, wie von Daten (Fakten) eine Information (Meldung) geschaffen wird.  Bei den Berichten zur Energiewirtschaft ist dies leider nicht anders als bei einem Flugzeugabsturz.  Letzterer hat allerdings eine große Anzahl von Angehörigen, die ein Recht auf Informationen haben.  Aktuell sind die Daten dürftig. Alles, was wir offiziell wissen, ist aus einer Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch, bei der keine Schuldzuweisung vorgenommen wurde und auch nicht spekuliert wurde. Staatsanwalt und eine Stunde später die Lufthansa/German-Wings haben an dieser Stelle sehr gute Arbeit geleistet.

„Ich habe gehört, dass in Frankreich das Gerücht umgeht, die Exfreundin von Andreas L. sei Muslimin“, sagt er. Er habe sich schon gefragt, wie man die Schuldzuweisung an den Islam jetzt noch reinquetschen würde. (taz)

blog.stromhaltig kennt die Situation ganz gut, wenn ein Beitrag nicht vollständig gelesen wird, oder auch eine Meldung schärfer formuliert wird, um durch den Filter zu kommen. Es ist ein tägliches Balancespiel, welches zumindest im Bereich der Stromwirtschaft nach den gleichen Regeln funktioniert. Gewiss, die Öffentlichkeit ist kleiner – dafür aber die Dichte der Gerüchteverbreitung desto höher.  Im Jahre 2014 hatten wir beim Institut Acror Pilum zum Thema Daten und Informationsvernetzung geforscht. Schockierend waren die Zusammenhänge aus offiziellen Prozessen, Kommunikation und Datenlage. Im Zentrum stehen Bundesministerien und ihre Veröffentlichungen, Forschungseinrichtungen und natürlich auch einige Energiekonzerne. Irgendwo am Rande gibt es dann Unternehmen wie Blackstone oder auch die Mohn Familie. Zeichnet man dies alles auf eine große Karte, so ergibt sich eine Kausalkette die zu einer Meldung führen. Viele Meldungen führen zu vermeintlichem Wissen und damit zu einer gefühlten Wahrheit.

Der im Stromhandel tätige Andreas G. aus Montabaur zeigt uns, wie verletzlich wir alle sind, wenn es um das Streben nach Wissen geht.

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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