Gehen einem die Argumente aus, so schwenkt man gerne mit der Arbeitsplatzfahne.

„…Strommarkt gefährdet Arbeitsplätze in der Lausitz…“

titulieren die Unternehmensverbände in Berlin-Brandenburg in einer aktuellen Pressemitteilung. Es geht um das Eckpunktepapier des BMWi aus der letzten Woche, welches nicht unbedingt eine rosige Zukunft bei der Braunkohle vorsieht.  Die Verbände sprechen gar von:

„…einseitigen Belastung des Energieträgers…“

Leider sprechen die Verbände nur für einen kleinen Teil der Mitgliedbeitrag zahlenden Unternehmen in Berlin-Brandenburg. Die Kleine Anzahl von 36.865 EE-Anlagenbetreiber wurde überhaupt nicht gefragt.

Mit 1161 kg Kohlendioxid je MWh und Nummer zwei im Ranking der  fossilen Energieträger in Deutschland, passt Braunkohle nicht zu Nachhaltigkeit. Lieber den Strukturwandel planen, als die Arbeitsplatzfahne schwingen…

Als unmittelbare Folge müsste die Hälfte des Kraftwerksparks in der Lausitz sofort stillgelegt werden. „Das würde fatale Konsequenzen für die 8.000 direkt Beschäftigten in der Branche bedeuten. Ebenso würde tausenden indirekt Beschäftigten die Perspektive genommen. Das kann keine Option für die Lausitz sein“, fügte Amsinck hinzu. Die Braunkohle müsse ein wichtiger Baustein im Energiemix bleiben und sei für die Wirtschaftsstruktur der Region unverzichtbar.

Mit dem Tunnelblick auf die Region gerichtet, kann man diese Aussage nachvollziehen. Im Solidarprinzip sollen die knapp 37.000 Unternehmen der EE-Branche in die Insolvenz getrieben werden, als 8.000 direkte Beschäftigte zu riskieren. Vor dem Grundgesetz sind alle gleich, denkt man. Die 100.000 bereits verloren gegangenen Jobs in der Solarbranche – genauso wie die 100.000 Kumpels im rheinischen Bergbau.

Am Montag dieser Woche wurden 507.246 Tonnen CO2 allein durch die Braunkohleverstromung in die Atomsphäre geblasen. 11.885 Tonnen konnten durch Windkraft eingespart werden – 63.898 Tonnen durch Solarenergie.  Durch die Verbrennung von Braunkohle wurde am gleichen Tag 436.904 MWh erzeugt – Wind und Sonne speisten zusammen 138.797 MWh ein.

Isoliert man den Strommarkt auf Wind, Sonne und Braunkohle, so erkennt man, wie wenig bislang überhaupt erreicht wurde. Damit die Erneuerbaren die Braunkohle aus dem Markt drängen können, muss der heutige Ausbaustand vervierfacht werden. Erst bei einer Verdopplung des heutigen Ausbaustandes werden die Klimaschäden durch die Braunkohleverstromung durch Wind&Sonnenenergie kompensiert.

Von einem Unternehmesverband kann eigentlich erwartet werden, dass er Konzepte vorlegt, wie man einen neuen Heizer auf der E-Lok verhindert. Vorausschauende Empfehlungen für einen Strukturwandel, die es in jeder Branche gibt. Das Fräulein vom Amt hatte keine Lobby, die Schallplatten-Pressen auch nicht. Die Region Berlin-Brandenburg macht zwar keinen Flughafen, dafür aber einen gewaltigen Schritt in die Vergangenheit.

Der heutige Strommarkt wird überflutet mit Billigstrom aus der Lausitz, welcher zunehmend Kraftwerke in unmittelbarer Nähe zu den Ballungsgebieten in Bedrängnis bringt (s.h. Redispatch Karte).  Die Stromnetze geben nicht genügend Kapazitäten, um diesen Strom über weite Strecken zu produzieren, denn in der Lausitz wird der Strom nicht benötigt. Es folgt eine Zwangsdrosselung der Kraftwerke oder der Stromverkauf zum Schnäpchenpreis nach Polen.

Die Unternehmensverbände in Berlin-Brandenburg sollten  sich heute Gedanken machen, wie man die Infrastruktur (=Stromleitungen) in der Region bauen kann. Das sichert Arbeitsplätze über Jahre und hilft den Standortnachteil zu minimieren.

(Beitragsbild: RoDobby @ Pixabay)

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