Ein unscheinbarer Eingang, ohne erkennbares Firmenschild, im Herzen von Paris führt an den Handelsplatz für Strom aus Windkraft und Solarenergie.  Wer mit seiner eigenen Anlage eine Einspeisevergütung bekommt, kann sicher sein, dass auch seine Stromerzeugung hier gehandelt wird.

Am heutigen Abend durfte blog.stromhaltig auf Einladung des Pressesprechers die Räumlichkeiten besuchen. Einen Blick in den Handelsraum werfen, aber vor allem die Fragen stellen, die man nicht per Mail stellen kann. Dialog mit zum Verstehen, anstelle Thesen aufstellen, wie es an anderer Stelle in der Welt geschieht.

Die kleinste handelbare Losgröße sind 0,1 MWh (100 KWh), eine Strommenge die bereits durch einen Straßenzug erfüllt wird. Gehandelt werden in Deutschland und Frankreich Stundenkontrakte, wobei es zusätzlich in Deutschland die 15 Minuten-Blöcke gibt. Der Spotmarkt, für den der EEX Ableger EPEXSpot zuständig ist, hat die Brücke zwischen den Ländern zu schlagen. Fokussiert man in Deutschland gerne auf ein nationales Handelsproblem mit Ökostrom, so bekommt man 300km von der Landesgrenze entfernt eher ein Gespür von einer europäischen Integrationsaufgabe. Zu unterschiedlich sind die Ausgangssituationen der einzelnen Spotmärkte.

Auf einen Kaffee bei der EPEXSpot
Auf einen Kaffee bei der EPEXSpot

Einige Stunden vor dem Kaffee ging es mit Tempo 310 nach Paris. Angetrieben von 73,3% Atomstrom, aber auch 13,7% Wasserkraft (Quelle). Größer könnte der Unterschied zu Deutschland nicht sein. Sorgen hierzulande der Wind und Sonnenstrom zu einem eher ruhigen Kursverlauf, so gibt es am Spotmarkt in Frankreich hektische Ausschläge, mit oft gegenläufigem Trend zu Deutschland. Strom aus Atomkraftwerken findet man an einer Spotbörse nur selten.

Aussicht von der EPEXSpot Lounge
Aussicht von der EPEXSpot Lounge

Die Mutter der EPEXSpot, die EEX, betreibt hauptsächlich den Terminmarkt an ihrem Sitz in Leipzig. Der MDR-Turm, auch als Uni-Riese bekannt, bietet einen sehr weiten Blick, wie er für den Handel mit Futures notwendig ist. Nicht ganz soweit, dafür ebenfalls sehr beeindruckend der Blick von der obersten Etage an der EPEXSpot. Verbunden sind beide Handelsplätze übrigens mit einer ständigen Videoverbindung. Ernstfall bedeutet hier eine Abkopplung von einem Markt, oder auch eine technische Störung, wie zuletzt am 26. Oktober 2011, die zu einem Ausfall des Handelssystems führte.

Mit Hinblick auf den Hybridstrommarkt stellt sich natürlich auch die Frage, wie sich die EPEXSpot zum Strommarkt der Zukunft stellt. Wahrscheinlich wird es eine Einreichung zum Grünbuch geben, die eine Optimierung des bestehenden Energy-Only-Marktes favorisiert.

Zumindest mir war vor dem Gespräch nicht bewusst, wie wenige Händler eigentlich an der Strombörse Handel betreiben. Hinter jedem Börsengeschäft steht eine individuelle Entscheidung, welche entweder richtig – oder falsch – sein kann. Die Auswirkungen einer einzelnen Fehlprognose ist  dann kein Problem, wenn diese in der Masse von richtigen Entscheidungen untergeht. Wie auch aus der Einreichung zum Grünbuch des Übertragungsnetzbetreibers Tennet zu lesen ist, funktioniert Versorgungssicherheit, wenn von der Börse entsprechende Verknappungssignale über den Preis gesendet werden können.  Schade, wenn einige Designvorschläge zum Strommarkt eine absichtliche Empfangsstörung für Marktsignale vorsehen.

Den Beitrag "Gegenüber vom Hard Rock Cafe kommt der Ökostrom unter den Hammer offline Lesen:

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