Der BDEW als größter Verband der Energiewirtschaft ist eine durchaus dominierende Marktmacht.

Damit es an den heimischen Stromversorgern nicht zu viel Kritik gibt, muss das Marketing des Verbandes jedoch immer am Ball bleiben und sich die Zukunft selbst schönreden …

Beispiel dafür sind die heute in einer Pressemitteilungveröffentlichten Ergebnisse der Verbraucherumfrage, die durch das Marktforschungsinstitut prolytics durchgeführt wurden. In der aktuellen Mitteilung heißt es:

Die Befragten schätzen vor allem die vielfältigen Tarif- und Beratungsangebote sowie die kompetente Kundenbetreuung. Zudem halten mehr als 70 Prozent der Befragten ihr Energieunternehmen für vertrauenswürdig. […]
Gut 93 Prozent der Befragten sind insbesondere mit der Sicherheit und Zuverlässigkeit der Stromversorgung entweder sehr zufrieden oder in höchstem Maß zufrieden.
Quelle: BDEW


Zu einer ähnlichen Einschätzung gelangte auch die Unternehmensberatung PUTZ & PARTNER im Januar:

«Dr. Thomas Kuprat, Mitglied der Geschäftsleitung bei der PUTZ & PARTNER Unternehmensberatung AG: „Die Kunden erwarten von ihrem Versorger heute, dass dieser sich auf ihre Bedürfnisse und Wünsche einstellt und ihnen maßgeschneiderte Dienstleistungen anbietet.“»
Quelle: PM Putz & Partner

Der BDEW erwähnt diese gewünschten «maßgeschneiderten Dienstleistungen»allerdings nicht.

In der aktuellen Umfrage des CSC hingegen heißt es:

43 Prozent der Bundesbürger wünschen sich individuelle Kundenangebote von Energieversorgern.
[…]
Neue Technologien und Geschäftsmodelle prägen zunehmend das Versorgungsgeschäft. Allerdings fühlen sich die Verbraucher in Deutschland von den Versorgern noch nicht ausreichend abgeholt.
Quelle: CSC Umfrage

Binsenweisheit als Pressemitteilung?

So ergibt sich schon eine gewisse Abweichung der Aussagen. Vor allem kommt es darauf an, wie die Fragen in solchen Erhebungen gestellt werden und was überhaupt gefragt wird. Durch geschickte Suggestivfragen kommen so unter Umständen die gewünschten Ergebnisse raus.

Außerdem sind Fragen über die grundlegende Kernkompetenz eigentlich eher obsolet. Natürlich schätzt es jeder Kunde, dass Strom fast immer in der Steckdose verfügbar ist. Da könnte man auch bei einer Schwimmbad-Umfrage zu dem Ergebnis gelangen, dass die Kunden es schätzen, dass immer Wasser im Becken ist.

Damit Redaktionen so etwas prüfen und sich ein eigenes Bild machen können, ist es üblich, dass Studienergebnisse (bei einfachen Umfragen) ebenfalls – ggf. auf Anfrage – veröffentlicht bzw. zur Verfügung gestellt werden. Im Falle des BDEW teilte die Pressestelle allerdings mit, dass die Umfrageergebnisse nur Mitgliedsunternehmen vorbehalten sei.

Da drängt sich der Verdacht zwangsläufig auf, dass hier etwas schöngeredet wird.

Beitrag: Björn-Lars Kuhn

Björn-Lars Kuhn ist einer der Inhaber der Proteus Solutions GbR, Buchautor, Fachjournalist (bdfj) in den Bereichen Netzpolitik und Erneuerbare Energien und Redakteur dieser Nachrichtenseite.

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