„Zusätzliche Kapazitätsmechanismen braucht es nicht.“ EEX-Vorstandschef Peter Reitz verwies auf die bestehenden Überkapazitäten auf dem Stromerzeugungsmarkt, die sich deutlich auch in den Strombörsenpreisen zeigten.  (Quelle)

Kommenden Montag ist blog.stromhaltig auf einen Kaffee bei der EPEXSpot in Paris eingeladen und wird auch dieses Thema beleuchten.  Ein Börsenplatzbetreiber, kann aus leicht nachvollziehbaren Gründen einem Kapazitätsmarkt nur skeptisch gegenüber stehen. Der dezentrale Leistungsmarkt der von Branchenverbänden und Gewerkschaften favorisiert wird, ist ein solcher Kapazitätsmarkt. Schade, dass die EEX und EPEXSpot keine Eingabe bislang zum Grünbuch „Strommarkt der Energiewende“ gemacht hat.

Gerade in den letzten Monaten ist das Volumen im kurzfristigen Handel extrem angestiegen. Auf dem sogenannten SPOT-Markt wird fast vollständig die Erzeugung aus regenerativen Quellen gehandelt. Die Spotbörse wird daher auch gerne als Integrationsmarkt für Strom aus Erneuerbaren Quellen genannt.

Es handelt sich bei der EpexSpot um einen sogenannten Energy-Only-Marktplatz, da für gehandelte Volumen ein Preis aus Angebot und Nachfrage entsteht. Durch eine hohe Handelsfrequenz und der sogenannten Preisfunktion lässt sich in einem solchen Modell ein Abgleich zwischen der finanziellen und der physischen Welt herstellen (vergl. Kapitel „Stromnetz: Synchron durch Markdesign“ im Buch zum Hybridstrommarkt). Gerade bei der Stromversorgung ist dies von elementarer Bedeutung, da zu jedem Zeitpunkt soviel Strom erzeugt werden muss, wie zum gleichen Zeitpunkt verbraucht wird.

Ist an einem Spotmarkt das Angebot größer als die Nachfrage, dann gehen die Preise zurück. Im umgekehrten Falle steigt der Preis, wenn ein zu kleines Angebot vorhanden ist. Betreiber von Speichern erzielen ihren Profit damit, dass sie zum Zeitpunkt von niedrigen Preisen einkaufen – und zu hohen Preisen verkaufen. Man spricht vom sogenannten Hedging.

Die Schaffung eines Kapazitätsmarktes in Deutschland würde daher zu einem Abwürgen des Aufbaus von Stromspeichern führen. Gaskraftwerke, aber auch Wasserkraftwerke rechnen bekommen allerdings ebenfalls wichtige Investitionsimpulse aus Preisspitzen.

Da die Lobby gegen kurzfristige Preisspitzen sehr stark ist, schlägt der Börsenbetreiber einen finanziellen Trick vor:

Zum einen ist die Absicherung von Intraday-Preisspitzen über ein „Cap Future“ geplant. Einspeiser von Erneuerbaren sollen sich so gegen Preisspitzen am Strommarkt versichern können, und Erzeuger mit flexiblen Kapazitäten können sich zugleich die Preisspitzen zur Kostendeckung sichern.

Klingt leider etwas nach den Versorgungs-Sicherheits-Nachweisen, die von BDEW/VKU vorgeschlagen werden. Hier besteht die Kritig, dass flexible Kapazitäten ihre Verfügbarkeit nicht garantieren können, da es auch hier zu technischen Ausfällen kommen kann.

Der zweite Vorschlag klingt hingegen sehr spannend:

Zugleich will die EEX Wetterderivate an den Markt bringen zur Absicherung der steigenden Risiken am Strommarkt durch Wettereinflüsse. Dies seien „Energiewendeprodukte“, die helfen könnten, den Strommarkt in Deutschland weiter voranzubringen, sagte Paulun.

Natürlich ist die Frage, über welches Gebiet man hier spricht, da ein Sturm in Norddeutschland noch keinen Sturm an den Alpen macht. Dennoch ist scheint ein fallbasiertes Absicherungsmodell zunächst sinnvoll, da es dem Letztverbraucher die Möglichkeit gibt diese Fälle zu vermeiden (=Lastverzicht).

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3 Gedanken zu “EEX spricht sich gegen Kapazitätsmärkte wie den dezentralen Leistungsmarkt aus

  1. Geil, mit dem Zaster der Stromkunden auf das Wetter wetten. :-)
    Und gleich anschliessend bei den Chinesen das Wetterumgestaltungs-Know-How einkaufen, um diesen Markt zu manipulieren.

    Das ist ja noch lustiger, als die Windausfall- oder heisse Luft-Versicherungen.

    Warum eigentlich reichen die Preisschwankungen nicht aus, um ausreichend Investitionsanreize für Speicher und andere Backups zu liefern? Was sollte besser werden mit neuen Finanzprodukten, ausser dass noch mehr Taugennichtse sich im Spielcasino auf kosten anderer vergügen können?

    Antworten
    • Die Preisschwankungen werden – so wie etwa bei vorindustriellen Handelswaren – vom Wetter und von den Haendlern bestimmt.

      Heutzutage haben sich 2 wesentliche Punkte geandert bzw. sind noch dabei :

      Das Wetter bleibt zwar veraenderlich aber die Erzeugung des wetterbedingten Stroms hat sich global ausgeweitet.
      Wer frueher Bordeauxwein trinken wollte hoffte auf gutes Wetter am Suedwest-Atlantik …..

      Die internationale Verdrahtung hat stark zugenommen.
      Wer frueher Bordeauxwein trinken wollte hoffte auf zahlreiche Schiffe ….

      Heutzutage sind Erzeuger weit verstreut und untereinander verbunden.

      Die Preisspanne zwischen Anbieter und Abnehmer wird heute durch Technik reduziert. Das ist die (kapitalistische) Wirtschaft – wo ein Markt sich bietet wird ein Geschaeft gemacht.

      Statkraft, ein staatseigener Stromkonzern aus Norwegen, ist ziemlich aus den Socken. Zwar werden durch internationale Kabelanbindungen die Absatzchancen fuer gruenen Hydrostrom enorm vergroessert aber der heimische Markt in Norwegen bringt kaum noch die alten Margen:

      http://renews.biz/83652/statkraft-rides-out-rough-quarter/

      Die Schiffe fahren nicht leer, die Faesser werden in beide Richtungen genutzt. Wodka oder Wein, da passt alles rein :)

      Iss zwar voll daneben aber Sie wissen wie ich es meine .

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  2. @Hain
    An Deiner Analogie ist nur eines blöd… :)

    Die Frachtschiffe werden nicht marktwirtschaftlich für den Transport gechartert, sondern planwirtschaftlich auf dem Reißbrett entworfen und von den großen Spielern mit den großen Kraftwerken werden die Preise für die Schiffe mit der zuständigen Planungsbehörde ausgekartelt. Ist das Schiff dann mal da, werden die Treibstoffkosten auch noch zwischen deisen beiden ausgekartelt und das Schiff fährt andauernd und keiner fragt mehr, ob der Wein nur im Kreis herumgesprochen wird oder ob der Trollinger aus Baden nicht günstiger wäre als der Bordeaux, wenn man den Transport mit einrechnet.

    Das Stromcasino in Leipzig ist so weit von einem Markt entfernt wie der Andromeda-Nebel von der Erde, die Entfernung zur Realität der Stromerzeugung und -verteilung ist nochmal etwas größer.

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