Wir erinnern uns, dass sich die EEG-Umlage im Jahre 2015 ganz, ganz leicht verringert hatte. Für 0,07 Cent bekommt man als Einzelner nichts, sammelt aber im Kollektiv ein Vermögen an. Ein Haben von 3,5 Milliarden Euro steht auf dem Gemeinschaftskonto der Deutschen Stromkunden, wie das PV-Magazine mitteilt. Dafür bekommt man 76 TWh Strom an der Börse – oder  etwa 14% des Jahresverbrauchs von Deutschland. Da auch diese Zahl schwer verständlich ist: Man hätte mit dem Guthaben soviel Strom kaufen können, wie die Deutschen seit dem 1.1.2015 verbraucht haben (und etwas mehr…).

Am 15. Oktober 2014 war es wieder soweit, die EEG-Umlage wurde auf Basis von vielen Glaskugeln, etwas Kaffeesatz und wahrscheinlich unter Einfluss halluzinogener Algorithmen berechnet. Es hatten sich einige Fragezeichen ergeben,   die zuständige Bundes Netzagentur hatte daraufhin im Rahmen ihrer Möglichkeiten geantwortet. Auf den immer höher ansteigenden Kontostand meinte die Agentur im November:

Dieser Kontostand geht in die Berechnung der nächsten EEG-Umlage ein, korrigiert also letztlich die Prognoseungenauigkeiten. Sollte also eine “falsche” Prognose zu einer zu hohen EEG-Umlage geführt haben, so entsteht ein positives Saldo im EEG-Konto. Dieses positive Saldo wird den Umlagebetrag für das Folgejahr entsprechend senken und damit zu einer geringeren EEG-Umlage im Folgejahr führen.

Da hier viel gerechnet wird, und man in die Berechnung der anderen nicht schauen kann, hatte blog.stromhaltig eine Bewerbung zur Teilnahme am Losverfahren der EEG-Berechnung abgesendet.

Banner-HSM-Crowdfunding-200-350Es stellt sich nach dem jüngsten Rekordstand allerdings die Frage, wem gehört dieses Geld eigentlich? Es gehört den Stromkunden und ist eine Rücklage für die Zahlungen an Stromerzeuger. Das EEG-Umlagenkonto besitzt somit eine Zweckbindung.

Wer schon einmal eine Wohnung gekauft hat (oder ein Flugzeug), der weiß, wie man mit Rücklagen umgeht. Man nimmt den Kaufpreis und kann bei der Finanzierung erst einmal die vorhandenen Rücklagen bei der Wertbestimmung abziehen.

Das Zahlungsversprechen, welches an die Anlagenbetreiber gegeben wurde, reduziert sich bei einer Ablösung um diesen Kontostand. Was wie eine unnütze Hirnspielerei klingt, könnte beim Thema Strommarktdesign plötzlich zur Kriegskasse werden.

Gesetzt der Fall, dass das Grünstrom-Markt-Modell umgesetzt wird, so würde zum heutigen Stichtag die Anlagen aus der EEG-Umlage herausgekauft werden die Zahlungsverpflichtung entfällt, damit die Zweckbindung. Es bleibt ein Konto mit 3,5 Mrd. Euro Guthaben im luftleeren Finanzraum .

Eigentlich eine schöne Entschädigungssumme – oder?

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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