Die Energiewende in Deutschland steckt in einem Dilemma. Seit Anfang des Jahres kommen die ersten Anzeichen eines Rückgangs der Strompreise bei den Verbrauchern an, doch schon drohen neue Belastungen die Kosten für elektrische Energie nach oben zu schießen.

In der vergangen Woche votierte nun auch der Stromkonzern RWE für den dezentralen Leistungsmarkt, der ursprünglich von den Lobbygruppen BDEW und VKU aufgelegt wurden. Ein Modell, welches die Stromanbieter von Ökostrom zukünftig verpflichten soll sogenannte Versorgungs Sicherheits Nachweise (VSN) zusätzlich zu den Strommengen einzukaufen. Entweder diese Ware hat keinen Wert, oder der Kunde muss dafür zahlen.

RWE unterstützt ausdrücklich das von BDEW und VKU entwickelte Modell des Dezentralen Leistungsmarktes. Dieses Modell gewährleistet das gesellschaftlich gewünschte Maß an Versorgungssicherheit, ohne überflüssige Kapazitäten am Netz zu halten.  (Quelle)

Aus Frankreich und dem Vereinigten Königreich ist bekannt geworden, welche Kosten auf die Stromkunden zusätzlich hinzukommen. Ärgerlich, da in den vergangenen Jahren die Stromkunden in Deutschland eine sehr hohe Investition in eine günstige Stromversorgung getätigt haben, die sich jetzt auszahlen könnte.

Betriebswirte reden von einer Investition, wenn man bewusst auf einen Vorteil in der Gegenwart verzichtet, um einen möglichen größeren Vorteil in der Zukunft zu erzielen. Die EEG-Umlage ist eine solche Investition, die aus dem möglichen Vorteil zu einem sicheren Vorteil erwachsen ist. Bei einer Beibehaltung des rechtlichen Status-Quo wird der Strompreis weiter zurück gehen.

Die RWE geht mit dem Mandat ihrer Kunden weiter und entwickelt eine Weg bis zur Umsetzung des Dezentralen Leistungsmarktes:

Aus Sicht von RWE ist dafür die vom BDEW entwickelte strategische Reserve am besten geeignet. Diese kann dann vom Dezentralen Leistungsmarkt abgelöst werden.

Was strategische Reserve genau bedeutet, kann man recht gut am Kraftwerk Hamm erkennen:

Insgesamt 10 mal musste das Kraftwerk Hamm innerhalb von 3 Monaten wegen eines technischen Defekts ungeplant vom Netz genommen werden (blog.stromhaltig berichtete). Im April geht das Kraftwerk für ein Jahr in die Kaltreserve über. (Quelle)

Ähnlich des ADAC spricht auch die RWE mit der Überzeugung, dass sie im Sinne ihrer Kunden spricht. Auf einem freien Markt ist kein Stromkunde dazu verpflichtet die Entscheidungen des Unternehmens zu tragen, wenn sie der ideologischen Einstellung widersprechen. Dies ist aber leider nur bedingt richtig, denn die RWE hat tatsächlich durch die Liberalisierung des Endkundenmarktes viele private Stromkunden verloren, dennoch ist sie (und ihre Tochterunternehmen) Betreiber vieler Netzgebiete in Deutschland.

In der Einreichung zum Strommarkt der Energiewende im Grünbuch des BMWi spricht sich die RWE ferner gegen eine  Flexibilisierung auf der Nachfrageseite aus:

Wenn die Nachfrageseite deutlich stärkere Flexibilitätsanreize bekommt, als die Angebotsseite, kommt es zu einer Verdrängung von günstiger Flexibilität auf der Angebotsseite durch teurere auf der Nachfrageseite: Letztlich bekommen Nachfrager und Anbieter unterschiedliche Preissignale. Dies muss zu ineffizienten Verzerrungen führen. Diese künstliche Verzerrung der Nachfrage wird kaum zur besseren Funktionsfähigkeit des Strommarktes beitragen…

Von den Analysten und Beratern des Bundes Wirtschaftsministeriums wird nun erwartet, dass sie erkennen, welches Bild vom Stromkunden geprägt wird.

Stromkunde ist ein Zählwerk ohne eigenen Willen und Wünsche. Stromkunde ist der Quell der Umsätze – heute und in Zukunft. Unser Kunde ist auch, wer sich aktiv gegen uns entschieden hat.

Bislang sind bei keiner der Einreichungen zum dezentralen Leistungsmarkt ein Ansatz oder Mechanismus erkennbar, der kurzfristig, mittelfristig oder langfristig eine preissenkende Wirkung haben könnte. Es werden zusätzliche Elemente im Strommarkt eingeführt, die mit einem Preis behaftet sind. Eine Gegenfinanzierung aus anderen Bereichen besteht nicht.

Es bleiben noch wenige Tage, um ein Strommarkt für die  Energiewende in Bürgerhand zu mehr Gehör zu verleiten. Dem Hybridstrommarkt kann man mit einem Tweet/Facebook Status oder im Crowdfunding helfen.

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3 Gedanken zu “Dezentraler Leistungsmarkt und die Strompreisbremse

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