Deutschland als Land der Dichter und Denker? Richtig, aber auch der Ingenieure, Tüfftler, Macher und Schrauber.  Ein Potential, welches die Energiewende retten und vielleicht sogar auf ein ganz neues Niveau heben würde.  Man muss sie nur machen lassen…

Doch warum sollte jemand Innovative Produkte für Kunden entwickeln? Gedanken an cleverer Stromnutzung verschwenden, wenn er dafür vielleicht sogar finanziell bestraft wird?

Am Beispiel eines Klein-Unternehmens (Taxibetrieb) soll gezeigt werden, welche Steine den kleineren Stromverbrauchern in den Weg gelegt werden.

Das Unternehmen

Nach dem Studium wollte der Gründer M.  richtig durchstarten. In den vergangenen Jahren ist er Taxi gefahren und hat so Einblicke in diese Branche gewonnen. Er kennt das Geschäft, die Kunden und fühlt sich mit seinem BWL-Studium dem unternehmerischen Risiko gewachsen.

In einer Metropolregion soll das Startup mit 2 Elektroautos starten. Es wird ein Büro angemietet und eine Garage. Einige Kommilitonen haben bereits bekundet, dass sie auch als Fahrer zur Verfügung stehen würden.   Es sollen Stoßzeiten abgedeckt werden, nicht immer, aber wenn es sich rechnet. Der Businessplan steht und die Bank gibt das Geld für die Fahrzeuganschaffung frei.

Der Strom

Mit Hilfe des Grünstromindex kann M. seine Flotte immer dann laden, wenn besonders viel Strom aus Sonnenkraft und Windkraft vorhanden ist. Er rechnet sogar damit, dass er einige Tage im Jahr überhaupt nicht tankt. 100% CO2 neutrales Taxi verspricht ein Aufkleber auf dem Heck des Fahrzeugs. Ein Alleinstellungsmerkmal für das junge Unternehmen.

Bei der Suche nach einem Stromanbieter wird M. mit seiner Flotte, Garage und Büro auf 90.000 KWh/Jahr eingestuft. Er fällt unter das StandardlastprofilG3“ (=durchlaufender Gewerbebetrieb). Die Einrichtung eines sogenannten RLM-Zählers wird untersagt – ein individuelles Profil wird dem Stromanbieter durch den zuständigen Verteilnetzbetreiber untersagt.

Wind- und Sonne fallen aus

Noch in der Planungszeit hatte sich der Unternehmer einige PV-Anlagen angesehen. Er hat Windparks besucht und Erkundigungen über die erzeugten Strommengen zu bestimmten Tages-/Jahreszeiten eingeholt. Es passte eigentlich alles sehr gut mit den Aufladungen der Taxis zusammen. Dachte er…

Ein Lastgangfolgebetrieb ist in Deutschland nur für Wasserkraft möglich. Stromanbieter müssen dem synthetischen Profil des Kunden folgen, egal ob dieser tatsächlich den Strom zu den Zeiten braucht, wo er geliefert wird. Es freut sich der Verteilnetzbetreiber, der im sogenannten Differenzbilanzkreis diese offensichtliche Unstimmigkeit ausgleichen muss.

Wasserkraft kann in Deutschland nur noch in geringen Mengen ausgebaut werden. Desto wichtiger müsste sein, auf intelligente Verbraucher zu setzen. Der Gründer M. ist ein Paradebeispiel für den Stromkunden der Zukunft.

Die Zukunft

Das Taxi-Startup kann seine Ziele im aktuellen Strommarkt-Design auf Basis der BDEW-Lastprofile nicht erreichen. Es bietet sich die Chance, dass ein zukünftiges Marktmodell hier Abhilfe schaffen könnte. Kommt der sogenannte dezentrale Leistungsmarkt, so wird M. auch in Zukunft kein Unternehmen gründen.

Die eigentlich clevere Idee des Business-Plans von M. besteht in der Tatsache, dass für den Fahrbetrieb keine Brennstoffkosten anfallen. Ein entscheidender Vorteil zu den Wettbewerbern mit Verbrennungsmotoren. Der „Fahrten-Mix“, der ansonsten entscheidend für die Rentabilität eines Taxi-Unternehmens ist, verliert an Bedeutung.

End-Up

Aus dem Start-Up wurde nach dem Gutachten der Bank ein End-Up. Die Gefahr, dass in Zukunft deutlich höhere Kosten für die Bereitstellung von elektrischem Stroms anfallen, wird als sehr hoch eingestuft. Der Stromanbieter sei auch bei einer netzdienlichen Stromnutzung durch M. verpflichtet sogenannte Versorgungs-Sicherheits-Nachweise gegen Geld einzukaufen und die Kosten dafür an den Verbraucher weiterzugeben. Am Beispiel des Kapazitätsmarktes in Großbritannien  werden für den Fall von M. eine jährliche Mehrbelastung von 20.000€ vorgerechnet. Ferner wird die  Aussage des 100% CO2 neutralen Taxis als kritisch angesehen, da im Falle einer Nutzung der Versorgungs-Sicherheits-Nachweise eine CO2 Emission ensteht.

Ende der Geschichte

Der Unternehmer M. hat sich mittlerweile entschlossen sein Glück im Ausland zu versuchen. Nach einem Jahr Aufbauarbeit will er dort mit seinem Unternehmen durchstarten. In Deutschland engagiert er sich jetzt für den Hybridstrommarkt, mit dem er in der Heimat hätte bleiben können.

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3 Gedanken zu “Strom für intelligente Gewerbekunden

  1. Gründer M. hat einen entscheidenden Fehler im Businesplan, er hätte wohl irgendwie einen Notstromdiesel aus dem Hause VW einplanen müssen und seinen Kreditantrag bei der Audibank stellen sollen…
    So ähnlich wie die Firma GFE mit den Pflanzenöl-BHKW, noch irgendeine Art von Beteiligungs-Schneballsystem daraus machen, dann passt die Laube…
    Und Berlin geht ja schon mal gar nicht, Firmenzentrale mussin Luxemburg sein und da müssen die Lizenzgebühren für die Nutzung dieser Geschäftsidee bezahlt werden, um die Steuerquote zu drücken…

    Oh mann, ich muss mal wieder in die Einöde, den ganzen Reportagensalat aus den Kopf bekommen…

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  2. Unsere Mutti kümmert sich doch rührend um all ihre Kinderlein im stromverbrauchenden Gewerbe.
    Sondertarifabnehmer hatten den höchstem Strompreis in DE im Jahre 2008, heute zählt man da deutlich weniger, die Graphen auf DESTATIS dazu sind mehr als beeindrckend.

    Bei Mutti kommt einfach genug auf den Tisch, damit alle satt werden, Stromsparen oder intelligent nutzen sind keine Konzepte die unserer Atomstrommuddl mit endloser Restlaufzeitverlängerung geläufig wären.

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