RWE und EON mit unterschiedlichen Markterwartungen

Wie weit im Voraus ein Stromkonzern seine Erzeugung verkaufen kann, ist einer der wichtigsten Indikatoren für die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens.  Am Freitag hatte der Wirtschaftsdienst Bloomberg die Zahlen von EON und RWE einmal näher betrachtet.

EON SE hedged 100 percent of its 2016 power production as of September, while RWE AG, the country’s biggest generator, hedged only about 40 percent, according to company data compiled by Bloomberg Intelligence.

RWE Finanzvorstand Guenther sagte dazu im Interview am Mittwoch der Woche, dass es offensichtlich sei, dass eine höhere Quote besser für den Konzern sei. Termingeschäfte mit einer Fälligkeit von 12 Monaten notieren zur Zeit entlang des 4-Jahres Tiefststandes von 31,25€/MWh (3,125 Cent€/KWh).

Die großen Stromkonzerne haben ein Problem, denn die Finazwelt erwartet von ihnen alles andere als die Energiewende.

Fast genau vor einem Jahr hatte blog.stromhaltig den Beitragstitel Hedging ist EEG finanzierte Heißreserve tatsächlich bieten langfristige Lieferverträge mit der Chance von Vergünstigung im kurzfristigen Handel (Spotmarkt) eine lukrative Einnahmequelle. Erzeuger, wie EON oder RWE, können spekulieren, dass der Preis an der Strombörse weiter zurück geht. Jeder Terminmarkt hat diese Möglichkeit. Selbstverständlich geht dies im umgekehrten Vorzeichen auch auf der Käuferseite.

Eigentlich ist das Verfahren recht schick, denn es garantiert eine 100%ige Versorgungssicherheit. Stromkäufer, die zulange warten, müssen nehmen was übrig bleibt zum Preis, der dann gilt. Entsprechend anfällig ist die Kalkulation dieser Stromanbieter auf real existierende Verknappungen. Die Vergangenheit lehrt allerdings, dass es in Deutschland nicht zu einer Verknappung kommt. Extremer ausgedrückt, benötigt es keine Reserve Kraftwerksverordnung, wenn alle ihre Hausarbeiten richtig machen und nicht bei der Eindeckung bis zum letzten Cent zocken.

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Beim Design des Hybridstrommarktes wurde daher die Erkenntnis gezogen, dass der Käufer von Strom mehr Verantwortung bei der Definition der Versorgungssicherheit bekommen muss. Gerade auf der Seite der Käufer (Händler der Stromanbieter/Netzbetreiber) ist wenig transparent, wie diese im Sinne ihrer Kunden agieren. Der Preis als einziges Element? Manche Stromanbieter zeigen schon heute, dass der Kunde mehr wünscht, als nur billig.

Wie man am Beitrag von Bloomberg sehr schön erkennen kann, ist die Hedging-Quote der wichtigste “Key-Performance-Indicator” für den Vergleich der Unternehmen untereinander. Ein Ziel hierauf zu definieren ist kritisch, da es einen entscheidenden Nachteil des Terminmarktes vollständig ignoriert. Terminmärkte schaffen es bislang nicht die Erzeugung aus Photovoltaik oder Windkraft vernünftig zu integrieren. Gerade auf dem Strommarkt in Deutschland bedeutet dies für RWE und EON, dass sie mit einer ziemlichen Sicherheit davon ausgehen können, dass zusätzliche Erzeugungsmengen zu einem späteren Zeitpunkt auf dem Spot-Markt  zur Konkurrenz werden. Den Börsenbetreiber EPEXSpot freut dies, denn es beschert ein 10,4% Plus im Jahre 2014.

Das Problem der fehlenden Integration des Wind/Sonnenstroms in den Terminmarkt lässt sich recht einfach durch den Ansatz der Kapazitätsmiete lösen, wie er im Hybridstrommarkt vorgesehen ist.  Doch warum sollten Stromanbieter und Netzbetreiber etwas ändern, wenn ihr Handeln von den Stromkunden nicht hinterfragt wird?


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Kommentare

5 Antworten zu „RWE und EON mit unterschiedlichen Markterwartungen“

  1. Avatar von Robert
    Robert

    Sehr interessant, Thorsten! Ich hoffe, dass Dein Modell Gehör findet. Wenn ich Dich unterstützen kann, lass es mich wissen!

  2. Avatar von heinbloed
    heinbloed

    RWE ist also am Arsch 🙂

    Dazu Ruth Brown mit ” If I can’t sell it I’ll sit on it ”

    https://www.youtube.com/watch?v=KPll4sQDssU

    Proglio pfiff das Liedchen schon letztes Jahr im Wald :

    http://www.manager-magazin.de/unternehmen/energie/edf-chef-henri-proglio-holzt-gegen-rwe-und-eon-a-996330.html

  3. Avatar von heinbloed
    heinbloed

    Interessant die Position EoNs, in einem Bericht aus Norwegen betr. des deutschen Marktes

    ( http://www.tu.no/kraft/2015/01/19/dette-er-eon-direktorens-visjoner-for-fremtidens-kraftmarked)

    geht Kildahl davon aus dass die ‘unteren Netze’ nicht mehr zentral beherschbar sein werden, also in Verbraucher- und Prosumentenhaende uebergehen.

    (uebersetzt mit Google-translate)

    ” Ich glaube, niemand wird die zentrale Kontrolle über den unteren Netze haben. Die Denkweise ist bereits passé. Es ist ein selbstregulierender Mechanismus. Der Kunde wird zu interagieren und Kunden und Verbraucher austauschbar. Dies wird sehr viel von Datenmöglichkeiten getrieben, wobei die Sensoren und Halbleiter sind billiger. Man kann sich völlig neue Lösungen zu bauen und zu entwickeln Merkmale von neuen Industrien , wie Google und Nest, die ihre Fachkenntnisse in unserem Bereich zu verwenden.”

  4. Avatar von Thorsten Zoerner

    Danke für den Link! Das entspricht auch meinen Beobachtungen, dass die Veteilnetze (DSOs) im Augenblick gegen einen schleichenden Bedeutungsverlust kämpfen.

  5. Avatar von heinbloed
    heinbloed

    Kein deutscher Kapazitaetsmarkt ? RWE droht mit Abriss und verschiffung von niederlaendischem Gaskraftwerk:

    http://uk.reuters.com/article/2015/01/20/uk-rwe-coo-powerstation-exclusive-idUKKBN0KT1J820150120

    Vermutlich dieses hier:

    http://www.rwe.com/web/cms/en/1772076/rwe-generation-se/locations/netherlands/moerdijk-power-plant/

    Echt schlimm 🙂

    Vielleicht kann RWE das ja nach Belgien verkaufen … ist dann auch nicht so weit zu fahren.

    Und Plaene zum Aufsplitten des Konzerns wurden letzte Woche noch kategorisch abgestritten ….. wer haette es nun gedacht:

    http://www.bloomberg.com/news/2015-01-19/german-utility-rwe-hasn-t-ruled-out-eon-style-split-cfo-says.html

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