Bei Ökostrom denkt man an Sonne und Wind – zur Absicherung vielleicht noch etwas Wasserkraft. Tatsächlich müssen die Stromanbieter sehr viel unternehmen, damit sie Ökostrom an ihre Kunden ausliefern dürfen. Trotz Zertifikate und Labels sorgen heutige Ökostromkunden jedoch kurzfristig für einen schmutzigeren Strom der restlichen Stromkunden.

Sonne und Wind folgen keinem Standard. Dies schreit nach mehr Dynamik bei den Tarifen, oder sogar zu individuellen Tarifen, mit denen ein spezieller Verbrauch erzeugt werden kann. Verwunderlich, dass sich weder Naturstrom, Lichtblick, Greenpeace Energy oder EWS für die Abschaffung der sogenannten Standard Lastprofile einsetzt (oder man hört einfach nichts davon?).

Dynamische-Stromtarife-AppellNatürlich würden einige Leser hier im Blog auch gerne mal wieder etwas anderes lesen, als das Thema Marktdesign. Eine Facette wurde aber bislang noch nicht besprochen: Die Standard Lastprofile.

Eigentlich als Vereinfachung für die Abrechnung gedacht, haben sie sich zum quasi Recht der Verteilnetzbetreiber etabliert. Man kann den Stromanbieter dank der Liberalisierung frei wählen, aber eine Wahl des Lastprofils besteht nicht. Damit können Stromanbieter auch keine reinen Windkrafttarife anbieten, bei denen der Strom besonders günstig ist, wenn der Wind stark weht. Ein reiner Solartarif, den man zum Beispiel in einer Gartenlaube nutzen könnte… Freie Vertragsgestaltung zwischen Stromanbieter und Stromkunden gibt es in Deutschland nicht. Schuld daran sind die Netzbetreiber, die als Auflage machen, dass die meisten Stromkunden mit dem sogenannten Standard Lastprofil (H0=Privater Haushalt / G0-7=Gewerbe) versorgt werden müssen. Mit einem solchen Profil wird vorgeschrieben, welcher Stromverbrauch zum Beispiel in der Nacht in der Gartenlaube sein sollte (und eingespeist werden muss).

Bei der ganzen Diskussion um den neuen Strommarkt fällt auf, dass bislang lediglich der BNE und der Hybridstrommarkt eine Abschaffung der Standardlastprofile fordern. Das Grünmarkt-Modell ist bislang nicht eingereicht, hat aber zumindest in den verfügbaren Quellen keinen Hinweis auf eine solche Forderung.

Politik funktioniert nur mit Forderungen, die man ausdiskutieren kann und entweder dann erfüllt werden – oder auch nicht. Von daher ist es verwunderlich, dass die ganzen Ökostromanbieter die wirklich einfache Forderung endlich Standard-Lastprofile abzuschaffen nicht stellen.

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9 Gedanken zu “Kampf dem Standard Lastprofil – Oder ein Problem mit Ökostrom

  1. Die Standardlastprofile abschaffen? Und dann? Auf welcher Basis sollen Bilanzkreisverantwortliche dann Verbrauchsprognosen machen? Die Energieversorger würden sehr schnell sehr hohe Abweichungen zwischen Prognose und Einspeisung beobachten – und die höheren Regelenergiekosten schließlich an die Endverbraucher weitergeben. Solange es keinen sinnvollen Ersatz gibt, wäre eine Reform der SLP und TLP angebracht – die am meisten genutzten BDEW-Profile stammen noch aus den Neunzigern, also aus einer Zeit mit gesetzlichen Ladenöffnungszeiten, Beleuchtung mit Glühbirnen und wenig flexiblen Arbeitszeiten. Ganz nebenbei: Sind Haushaltsverbraucher tatsächlich in der Nutzung von Wasch-/Wasch-/Spülmaschine so flexibel? Ich habe Zweifel …

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  2. Ich lese aus dem Artikel von 2013 keine praktikable Alternative für SLP und TLP heraus. In Deutschland gibt es vier Übertragungsnetze und über 900 Verteilnetze. Manche dieser Verteilnetze gaben nur wenige tausend Annahmestellen. Denen nutzen die Vorteile einer millionenfachen Endverbraucherbündelung herzlich wenig. Die deutsche Energiewirtschaft besteht eben auch aus kleinen Stadtwerken, die weder große IT-Abteilungen noch Mitarbeiter haben, die sich groß mit komplexen Modellen für Verbrauchsprognosen beschäftigen können. Den auf den ersten Blick so großen Ökostrom-Lieferanten geht es nicht viel besser: kleine Teams, geringes IT-Budget, dafür sind die Kunden auf ganz Deutschland verteilt (wieder jeweils keine Millionen). Nicht zu vergessen: die in Deutschland geringe Smart-Meter-Quote von unter zehn Prozent. Es gibt noch immer keinen Standard für einen flächendeckenden Smart-Meter-Rollout – welches Stadtwerke soll sich da in ein Geschäftsmodell mit Tarif-Abenteuern stürzen?

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    • Ich bekomme Mitleid. Die Praxis zeigt doch, dass man gerade bei den kleineren Unternehmen eine IT-Lösung deutlich günstiger ausrollen kann, als bei einem Großunternehmen. Allein um den Meldepflichten genüge zu tragen, wird es jemanden im Unternehmen geben, der die Wertschöpfungskette auch in der IT-Infrastruktur sucht. Auf Schreibmaschinen wird wohl kaum noch eine Stromrechnung geschrieben? – Es ist eine Ausrede, wenn davon ausgegangen wird, dass man ein großes Rechenzentrum benötigt. Die meisten Analyse, Statistik und Reporting-Werkzeuge schaffen es nicht einmal einen handelsübliches Notebook zum Schwitzen zu bringen.

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  3. Kleinere Energieunternehmen sind eben immer noch Energieunternehmen. Und die Energiewirtschaft ist die Welt der sich permanent ändernden Regularien wie MaBiS, GABi Gas, KOV, … Mit einmal Software ausrollen und dann jahrelang den handelsüblichen Notebook arbeiten lassen ist es nicht getan. Die Prozesse in der Energiewirtschaft sind viel zu komplex, um ihr mal fix eine Arbeitsgrundlage zu entziehen.

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  4. Hallo Herr Zoerner,

    ich muss Ihnen recht geben, dass H0 sicher nicht der Weisheit letzter Schluss sind, aber bis zur Zählerstandsgangbilanzierung ist es noch ein weiter Weg und das heutige Verfahren hat auch Vorteile. Es ist einfach, für ein großes Portfolio gute Prognosen zu machen, aber wie sieht das denn bei kleinen Portfolien aus? Bei dem heutigen SLP basierten Verfahren ist das kein Problem, kleine Versorger haben die gleichen spezifischen Ausgleichsenergiekosten wie große Versorger.

    Gut finde ich, dass Sie mal die Netzbetreiber erwähnt haben. Dieser regulierte Bereich mit seinen festen Renditen ist aus meiner Sicht nicht unbedingt ein Innovationsmotor. Denn selbst wenn man bei den SLPs bleiben möchte, ist es kein Problem, bessere Profile zu erzeugen und z. B. (was bei Gewerbekunden ja Standard ist) bei Haushaltskunden zwischen verschiedenen Verbrauchstypen zu unterscheiden. Aber das macht natürlich etwas mehr Aufwand …

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  5. Hallo Herr Zoerner, die Rhetorik, mit der Sie hier fachlich fundierten Argumenten begegnen, gefällt mir überhaupt nicht. Mit Sarkasmus und Unterstellungen gewinnen Sie argumentativ keinen Blumentopf. Ich habe bisher eine aktivierte Kommentarfunktion immer als Einladung zu einer (Fach-)Diskussion gehalten. So kann man sich täuschen …

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    • Mit über 10 Jahren in der Datenanalyse Erfahrung, finde ich faszinierend, wie eine Branche es schafft mit Wehemenz „gibt’s nicht geht nicht“ zu positionieren. Wobei es mit Sicherheit viele nennenswerte Ausnahmen gibt (groß und klein).

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