Insgesamt 10 mal musste das Kraftwerk Hamm innerhalb von 3 Monaten wegen eines technischen Defekts ungeplant vom Netz genommen werden (blog.stormhaltig berichtete). Im April geht das Kraftwerk für ein Jahr in die Kaltreserve über (s.h. Flatterstrom zu Weihnachten).

Nachgefragt bei der Bundesnetzagentur:

Erfolgen Zahlungen an den Kraftwerksbetreiber im Falle einer „Kaltreserve“? Erfolgen Zahlungen an den Betreiber im Falle einer „konservierten Stilllegung“? Wenn ja, in welcher Höhe und aus welchen Mitteln erfolgen diese Zahlungen?

Mittlerweile ist die Antwort der Bundesnetzagentur eingegangen. Vielen Dank hierfür!

Kraftwerksbetreiber, deren Anlagen zur Sicherung der Versorgungssicherheit durch einen systemverantwortlichen Netzbetreiber im Rahmen der sog. Netzreserve herangezogen werden, erhalten eine Vergütung. Der Umfang der Vergütung wird durch § 6 Reservekraftwerksverordnung (ResKV) in Verbindung mit § 12 ResKV bestimmt und begrenzt. Unter Netzreserve sind in diesem Zusammenhang geplante oder behördlich verhinderte endgültige Stilllegungen (§ 13a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG), § 12 ResKV) bzw. auf Grundlage der Reservebedarfsfeststellung kontrahierte Reservekraftwerke (§§ 3 bis 5 ResKV) zu verstehen.

In dieser Weise in Anspruch genommene Kraftwerksbetreiber erhalten die ihnen entstehenden Erzeugungs- und Betriebsbereitschaftsauslagen vom anweisenden Übertragungsnetzbetreiber erstattet. Die dem Übertragungsnetzbetreiber dadurch entstehenden Kosten kann dieser wiederum in die Netznutzungsentgelte wälzen, sodass schliesslich die Netznutzer die Kosten für die notwendigen Vorhaltungen und Heranziehungen der systemrelevanten Erzeugungsanlagen zahlen.

Der Umfang der Kostenerstattung wird in den jeweiligen Netzreserveverträgen auf Grundlage der Kostenstruktur der konkreten Anlage nach Abstimmung mit der Bundesnetzagentur festgelegt.

Eine Kostenregelung berücksichtigt folgenden Aspekte:

  1. im Rahmen der Erzeugungsauslagen wird ein Arbeitspreis in Form der notwendigen Auslagen für eine konkrete Einspeisung der Anlage gewährt;
  2. im Rahmen der Betriebsbereitschaftsauslagen werden die einmaligen Kosten für die Herstellung der Betriebsbereitschaft der Anlage berücksichtigt; Kosten im Sinne von Satz 1 sind auch die Kosten erforderlicher immissionsschutzrechtlicher Prüfungen sowie die Kosten der Reparatur außergewöhnlicher Schäden;
  3.  im Rahmen der Betriebsbereitschaftsauslagen wird zudem ein Leistungspreis für die Bereithaltung der betreffenden Anlage gewährt. Hierbei werden die Kosten berücksichtigt, welche dem Betreiber zusätzlich und fortlaufend auf Grund der Vorhaltung der Anlage für die Netzreserve entstehen. Der Leistungspreis kann als pauschalierter Betrag (Euro je Megawatt) zu Vertragsbeginn auf Grundlage von im konkreten Fall ermittelten Erfahrungswerten der jeweiligen Anlage festgelegt werden. Die Bundesnetzagentur kann die der Anlage zurechenbaren Gemeinkosten eines Betreibers bis zu einer Höhe von 5 Prozent der übrigen Kosten dieser Nummer pauschal anerkennen. Der Nachweis höherer Gemeinkosten durch den Betreiber ist möglich.

(Beitragsbild: Tim Reckmann (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons )

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