Mühsam quält sich die Springermaschine auf etwa 3.500 Meter Höhe. Die Nervosität steigt, denn den Springern wird klar, dass es kein Zurück mehr gibt, sobald sie die Maschine verlassen. Jetzt könnten Sie mit dem Piloten noch zurück…

Am Freitag den 30.01.2015 hat ein Privat Unternehmen den Zuschlag zur Ausschreibung I C 4 – 80 14 36/2; Projekt-Nr. 02/15 des Bundes Wirtschaftsministeriums erhalten:

„Ein Strommarkt für die Energiewende – Analyse eines effizienten Marktdesigns für die Stromversorgung mit steigenden Anteilen erneuerbarer Energien (EE) bei unsicheren Rahmenbedingungen.“

Die größte Unsicherheit bei den Rahmenbedingungen liegt dabei weniger bei den Erzeugungsarten, als bei den Einflüssen der einzelnen Marktakteure.

Bis Ende Februar dieses Jahres läuft die öffentliche Konsultation zum Grünbuch „Strommarkt der Energiewende“. Neben dem Hybridstrommarkt werden selbstverständlich auch andere Modelle ins Rennen geworfen. Parallel zu den letzten Einreichungen nimmt der Ausschreibungsgewinner eine beratende Funktion gegenüber dem Wirtschaftsministerium ein.

Das Ziel des Vorhabens ist es, Erkenntnisse über die Robustheit des Strommarktdesigns für steigende Anteile erneuerbarer Energien bei unsicheren Rahmenbedingungen zu gewinnen und in diesem Kontext die Eignung verschiedener Marktdesigns zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit und zur Integration erneuerbarer Energien zu beurteilen. Das Vorhaben soll die Auswirkungen von Unsicherheit auf die Versorgungssicherheit, die Integrationsfähigkeit erneuerbarer Energien und die Kosten der Stromversorgung unter verschiedenen Marktdesigns bewerten und somit auch die Fähigkeit der Marktdesignoptionen beurteilen, die Umstellung der Stromversorgung auf erneuerbare Energien erfolgreich umzusetzen. Der Schwerpunkt des Vorhabens liegt auf der quantitativen Analyse ihrer Leistungsfähigkeit unter Unsicherheit. Auf Basis der Ergebnisse und unter Berücksichtigung aktueller Erkenntnisse sollen Handlungsempfehlungen zur Entwicklung eines effizienten Marktdesigns für steigende Anteile erneuerbarer Energien entwickelt werden.

Bis zum Ende des Jahres hat das BMWi den Auftragnehmer im Rahmen der Ad-Hoc zuarbeitet verpflichtet  zwei Kurzstudien, die jeweils (maximal) 20 Seiten umfassen zu erstellen.  Was wie wenig Arbeit aussieht, hat seine Tücken im Detail. Nach dem Plan des BMWi soll nach dem Grünbuch eine zweite Konsultation für das Weißbuch erfolgen. Auf Anfrage von blog.stromhaltig  teilte das zuständige Referat vor zwei Wochen mit:

„Aus hiesiger Sicht spielt es für die Kalkulation des Angebots keine Rolle, welche Erkenntnisse aus der Konsultation des Weißbuchs zu erwarten sind“

Der Umbau des Strommarktes soll scheinbar wie der Sprung aus dem Flugzeug mit einem Fallschirm erfolgen, nur dass man bislang noch nicht den Fallschirm testen konnte. Der Test ist eine Simulation/Modell, welches der Auftragnehmer in einem Arbeitspaket erstellen muss. Mehr ist es allerdings nicht…

Von Seiten der Politik wird scheinbar davon ausgegangen, dass man mit dem Strommarktdesign ein epochales Werk schafft, welches irreversibel ist. Ähnliche Entscheidungen sind aus der Einführung der Atomkraft bekannt, bei denen man auch nur bedingt in den 1960er und 1970er Jahren wusste, wie man wieder rauskommen könnte. Ein Marktdesign birgt Risiken.

  • Auf welche Zeitdauer ist der Markt konzipiert?
  • Welche Kosten entstehen für eine Rückabwicklung?
  • Wie können die Risiken einer Fehlentscheidung abgesichert werden?

Die Antworten sind dabei weniger in der fachlich/technischen Richtung als in der Volkswirtschaftlichen Richtung zu sehen. Eine plötzliche Veränderung der Parameter könnte ein Kartenhaus zum Einsturz bringen. Gefahren, für die man beim Verband Familienunternehmen ASU e.V. leider blind ist. Gefahren, die bereits im Grundtenor verallgemeinert oder bagatellisiert werden.

Der Stromkonzern Statkraft gibt in seiner Einreichung zum Grünbuch einen Ansatz der Gefahr, die von einer Fehleinschätzung ausgehen könnte. Es wird dabei Bezug auf eine Aussage des Grünbuches genommen:

„Um negative Folgen politischer Unsicherheiten so weit wie möglich zu minimieren, sollte das langfristige Investitionsumfeld allerdings durch klare und stabile – möglichst im gesellschaftlichen Konsens formulierte – politische Leitlinien bestimmt sein.“
Statkraft ist der Ansicht, dass aus Investorensicht das Risiko von Eingriffen mit politischen Leitlinien keineswegs reduziert wird.

Ohne die vorherige Vereinbarung eines Manifestes zum Strommarkt-Design stellt sich die Frage, was die Quelle für eine politische Legitimation über eine Legislaturperiode geschaffen hat.

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Ein Gedanke zu “Fallschirmspringen und Strommarktdesign

  1. Danke für diesen Beitrag. In der Tat stoßen die – ansonsten gut eingespielten – Verfahren der politischen Beteiligung und Willensbildung in solch komplexen Verfahren von sehr weit reichender Wirkung an ihre Grenzen.
    Besonders im Themenfeld der Energiepolitik ist zu beobachten, dass jene die Oberhand behalten, die sowohl über kurze Drähte zu den politischen Entscheidern als auch über den speziellen juristischen Sachverstand verfügen. Am Ende kommt es zu Gesetzen, die a) immer dicker, b) immer weniger zu durchschauen und c) von der Öffentlichkeit zunächst unbemerkt spezielle Gruppeninteressen bedienen, die dem Zweck des Gesetzes zuwider laufen.
    Ben Schlemmermeier hatte bei uns im Blog auf diese Gefahren bei der Energiewende hingewiesen (https://www.dialog-energie-zukunft.de/energiewende-politikfaehig-machen/#inhalt) – leider gibt es dazu keine ernsthafte Diskussion, was, wie, durch wen zu ändern ist.
    Verdienstvoll vom blog.stromhaltig, diese Debatte erneut anzustoßen.

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