Versorgungs-Sicherheits-Nachricht für den 26.12.2014

Am zweiten Weihnachtsfeiertag 2014 kam es zu einer ungeplanten Erzeugungsunterbrechung im Block C des Westfalen Kraftwerks in Hamm. Laut Angaben des Betreibers RWE hatte ein technischer Defekt bei der Anlage zu einer Leistungsreduktion von 240 MW in der Zeit von 08:45 bis 09:38 des 26.12.2014 geführt. Eine entsprechende Urgent-Market-Message wurde an die Marktteilnehmer übermittelt

Das Kraftwerk im westfälischen Datteln/Hamm wird von der RWE betrieben und ist auf die alleinige Befeuerung mit Steinkohle ausgelegt. Erbaut wurde das Kraftwerk im Jahre 1968.

VSN - Netzreaktion
VSN – Netzreaktion

In der Folge des Ausfalls wurde für 08:48 Uhr ein negativer Frequenzsprung von 0,01 Hz festgestellt, welche innerhalb von 30 Sekunden wieder angehoben werden konnte.  (Detail Grafik – Grid Recovery Momentum / Incident Snapshot)

Fällt ein Kraftwerk wegen eines technischen Defekts ungeplant aus, so fehlt elektrische Energie im Stromnetz, wodurch die Netzfrequenz zunächst zurück geht. Es kommt zum Abruf von teurer Primärregelleistung (PRL) welche zunächst die Frequenz stützt, bevor diese mittels der sogenannte Sekundärregelleistung (SRL) wieder auf den Sollwert eingestellt wird. Parallel werden automatisiert Schaltvorgänge in der Netzsteuerrung ausgelöst, die eine Veränderung des Lastflusses bewirken.

Beim Technischen Defekt im Block C des Kraftwerkes Datteln stabilisierte die SRL innerhalb von 30 Sekunden die Frequenz. Die Abrufwerte von negativer Minutenreserve in der Zeit vor dem Ausfall durch den zuständigen Übertragungsnetzbetreiber Amprion, deuten darauf hin, dass eine latente Überdeckung vorlag (=höhere Erzeugung elektrischer Energie, als Verbrauch).

Zum Zeitpunkt des Ausfalls lag die Netzfrequenz im Mittel sehr nahe um den Sollwert von 50 Hz, was auf gut ausgesteuertes Europäisches Verbundnetz hindeutet.

Nach Angaben von ENTSOe rechneten die Netzbetreiber für die Stunde von 08:00 Uhr bis 09:00 Uhr mit einer Netzlast von 51.502 MW, wobei es tatsächlich nur zu einer Netzlast von 39.629 MW kam. Diese mehr als 10 GW Abweichung in den Prognosen der Bilanzkreise sorgte dafür, dass keiner der an diesem Tage protokollierten Redispatch-Maßnahmen ursächlich dem Ausfall in Hamm zuzuordnen ist.

Frühere Ausfälle im
Westfalen Kraftwerk Datteln/Hamm (Block C)

Datum Grund
05.06.2014 Sonstiges
30.09.2014 Technischer Defekt
13.10.2014 Technischer Defekt
17.10.2014 Technischer Defekt
23.10.2014 Technischer Defekt
25.10.2014 Technischer Defekt
26.10.2014 Technischer Defekt
09.11.2014 Revision
21.11.2014 Technischer Defekt
07.12.2014 Revision
09.12.2014 Technischer Defekt
13.12.2014 Technischer Defekt

(Quelle: RWE / Es werden nur die neusten 12 Ereignisse angezeigt)

(Beitragsbild: Tim Reckmann (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons )

Den Beitrag "VSN: Westfalen Kraftwerk Hamm (Steinkohle) offline Lesen:

3 Gedanken zu “VSN: Westfalen Kraftwerk Hamm (Steinkohle)

  1. Hallo Herr Zoerner,

    mir ist aus Ihrem Beitrag nicht klar geworden, was jetzt so besonders Berichtenswertes am Ausfall des Kraftwerkes Westfalen in Hamm gewesen ist.

    Viel interessanter finde ich, dass es zwischen dem 25.12. um 11.00 Uhr und dem 26.12. um 10 Uhr einen Leistungsabfall aller deutschen WKA von 22400 MW auf 1 MW gegeben hat (s. Daten auf EEX Transparency) d.h. um 95 % in 23 h, den die konventionellen Kraftwerke zur Stabilhaltung des Stromnetzes dann ausgleichen durften. Soviel zu den bei EE-Akivisten so beliebten Mythen WKA ersetzen ausgefallene konventionelle Kraftwerke und der Wind weht immer irgendwo in Deutschland. Wenn konventionelle Kraftwerke vergleichbare Leistungseinbrüche hätten, wäre der Betrieb eines Stromnetzes unmöglich.

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