Im Sommer 2014 wurde für das Vereinigte Königreich ein Kapazitätsmarkt beschlossen. Ein Vorhaben, welches allerdings weniger auf schwankende Erzeugung aus Ökostrom zurück zu führen ist, als auf eine marode Infrastruktur, die zu Versorgungsengpässen bereits im Herbst des Jahres geführt hatte.

Vorläufiges Ergebnis (Stand 19.12.2014):
24.77 € je KW / Jahr

Überträgt man diese ersten Ergebnisse auf Deutschland, so würde eine jährliche Mehrbelastung von etwas mehr als 100€ anfallen.

In Deutschland sind vor allem die Vertreter der Industrie, Gewerkschaften und Stromwirtschaft Befürworter, dass es auch hierzulande einen Kapazitätsmechanismus gibt. Im Gegensatz zu UK unterscheidet sich allerdings die Ausgangslage, wodurch bei gleichem Auktionsverfahren niedrigere Preise erreicht werden könnten.

Bei einem Kapazitätsmarkt/Mechanismus sollen Erzeugungsausfälle, wie sie zum Beispiel durch Wartungen oder Störungen auftreten abgesichert werden. Aktuell sind etwa 30% der Steinkohle-Kraftwerke ungeplant nicht verfügbar – ein Ausfall der im Dezember vor allem durch Windstrom kompensiert werden kann.

Der Bund der Deutschen Elektrizitäts und Wasserwirtschaft (BDEW) sieht in seinem Modell des Dezentralen Leistungsmarktes sogenannte Versorgungsicherheits Nachweise (VSN) vor, welche Kraftwerksbetreiber bei stabiler Erzeugung erhalten können. Ein Ähnlicher Mechanismus hatte man auch für UK eingeführt und damit eine Gesamtabsicherung für 49.3 GW in einer Auktion vermarktet.

Experten der Energiewirtschaft sehen als Alternative zum Verfahren in UK die Einführung eines Hybridstrommarktes als mögliches Szenario. Hierbei erhält der Stromkunde mehr Eigenverantwortung, was zu einer Ersparnis von etwa 100€ pro Jahr und Haushalt führen würde.

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9 Gedanken zu “UK: Erste Ergebnisse der Kapazitätsmarkt-Auktion – Private Haushalte: Mehrkosten 100€/Jahr

  1. Hallo Herr Zoerner,

    die EE-Betreiber wollen sich ihre Pfründe auch über einen Kapazitätsmarkt sichern. Agora beginnt bereits fleißig zu arbeiten. In ihrem Impulspapier “Erneuerbare-Energien-Gesetz 3.0 Konzept einer strukturellen EEG-Reform auf dem Weg zu einem neuen Strommarktdesign (Langfassung)” vom Oktober 2014 wird bereits die Einführung eine Kapazitätsmarktes für EE-Anlagen im nächsten EEG vorgeschlagen.
    Zitat:
    “Im EEG 2016 sollte daher die Finanzierung von EE-Anlagen auf die Zahlung von Kapazitätsprämien für systemdienliche Kapazität umgestellt werden. Diese Umstellung bedeutet zwar, dass EE-Anlagenbetreiber das Strompreis-Risiko übernehmen müssen, gleichzeitig reduziert es jedoch ihr Wetterrisiko. Ein Risikobandbreitenmechanismus kann zudem das Strompreis-Risiko begrenzen.”

    Man versucht auch als EE-Anlagenbetreiber alles den Stromhunden zu melken und Herr Baake als früherer Agora-Chef wird das sicher wohlwollend berücksichtigen.

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  2. @ Herrn Robel:

    Offensichtlich haben Sie nicht verstanden um was es geht.
    Kapazitaetsmaerkte beziehen sich auf schnell zuschaltbare Erzeugungskapazitaeten die (natuerlicherweise) sonst nichts produzieren.
    Im UK – darum geht es – sind dabei Atomkraftwerke zum Zuge gekommen, Kohlekraftwerke mit Biomasseanteil und Gaskraftwerke.
    PV und Wind kamen nicht zum Zuge.

    Die Details:

    http://www.carbonbrief.org/blog/2014/12/capacity-market-secures-some-new-gas-while-providing-stay-of-execution-to-old-coal-%281%29/

    Das ein Kapazitaetsmarkt ueberfluessig ist zeigt der Preismechanismus, bei der ersten Ausschreibung kam praktisch der komplette Strombedarf des UK ins Angebot – zu fast normalem Boersenpreis. Naeheres dazu unter:

    „Solution to a non-problem?“

    Hier ein Video in schoenem Englisch dazu:

    http://www.platts.com/videos/2014/october/europe-renewable-power

    Die vorlaeufigen Resultate der Ausschreibung:

    https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/389832/Provisional_Results_Report-Ammendment.pdf

    Wie Sie sehen und hoeren dient der Kapazitaetsmarkt dazu Besitzern von Altkraftwerken den Abriss zu ersparen und deren Finanzierungssicherheiten (zum Schuldenmachen) zu verlaengern.
    Dinos wird die Kreditwuerdigkeit verlaengert, so die allg. Aussagen.

    Was aber bei anhaltendem Preisverfall der fossilen Brennstoffe auch ein Schuss in den Ofen fuer die Anbieter sein kann, ineffiziente Anlagen die als Kapazitaet unter Vertrag stehen koennten bei niedrigen Generationskosten sehr wohl mit effizienten Anlagen an der Boerse konkurieren.
    Doch den Stromern geht es mitlerweile so schlecht dass nicht mehr spekuliert wird: Bargeld muss in die Kasse und so schnell wie moeglich.
    EDF – der Atombetreiber der in Hinkley Point ang. bauen will – wuerde zZ. alles unterschreiben.

    —————–

    Das die Versorgung mit EE keines Kapazitaetsmarktes bedarf ist bei ausreichender Vernetzung und entsprechenden Baumassnahmen klar.

    http://www.theguardian.com/environment/2014/dec/19/green-light-for-worlds-largest-planned-tidal-energy-project-in-scotland

    Antworten
  3. „…sollen Erzeugungsausfälle,..abgesichert werden. Aktuell sind etwa 30% der Steinkohle-Kraftwerke ungeplant nicht verfügbar – ein Ausfall der im Dezember vor allem durch Windstrom kompensiert werden kann.“

    Nach meinem Verständnis in meinen Worten: Für den Fall, daß Kohlekraftwerke ungeplant ausfallen, können Windräder vorgehalten werden, die dann einspringen.

    ???

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    • @ Herrn Jurke,OT:

      „Für den Fall, daß Kohlekraftwerke ungeplant ausfallen, können Windräder vorgehalten werden, die dann einspringen.???“

      Ja, das tun sie, morgen zB..
      Die internationale Energiepresse hat das zum Anlass genommen darueber zu berichten:

      http://af.reuters.com/article/commoditiesNews/idAFL6N0U32IH20141219

      Es steht Ihnen frei die Situation mit den Analysten von Thomson Reuters Point Carbon bzw. Reuters- Afrika zu diskutieren.
      Sie koennen aber auch auf der EEX homepage und bei Transparency die Situation life beobachten und geniessen.
      Viel Spass und ein frohes Fest!

      Antworten
    • @Jurke:

      Wer (stochastisch) rechnen kann ist klar im Vorteil. Alles was man braucht sind einige Messwerte.

      Ein (einzelnes) Windrad liefert während mehr als 7000 Stunden im Jahr Strom. auch wenn es sehr oft nur relativ wenig Strom ist (5% der Nennleistung) so ist dennoch die Erzeugung verfügbar.
      Und nun die Stochastik, wenn 10% der WEA in Deutschland ungeplant ausfallen, dann bleiben dennoch mehr als 22000 WEA am Netz. Wenn eine WEA am Einschaltpunk (geringste Windgeschwindigkeit an der Strom erzeugt werden kann) 5% der Nennleistung abgibt, dann sind das in ganz DE immer noch 1,8 GW. Die Wettervorhersage müsste also schon eine ganz DE überdeckende Flaute prognostizieren, damit die WEA nicht Backup für Kohleblöcke sein können!

      Das Gesetz der grossen Zahlen aus der Stochastik gilt auch für WEA und der Wind ist zwar unstetig, aber dennoch fast immer vorhanden.
      Einfach mal zu den „Leistungsdauerlinien“ vom Fraunhofer-Institut durchklicken und sich ein wenig Mühe beim Verstehen der Grafiken geben!

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      • Zunächst bitte ich um Entschuldigung, daß ich erst jetzt weder hier vorbeisehe.

        -Wetter ist sehr groß, der aktuelle Schneefall reichte von England bis zu den Alpen. Die Ereignisse an jedem Windrad, die die Stromproduktion bestimmen, sind nicht voneinander unabhängig, auch bei kleinerem Wetter nicht. „Wer (stochastisch) rechnen kann…“ sollte da ein Problem drin sehen.

        -Auch Ihre 1,8 GW sind nicht gesichert, letzten Dezember waren es auch mal 0,8 GW, Screenshot von der EEX-Seite: http://abload.de/img/stromt7uey.png
        Ich verfolge die Produktion nicht mehr regelmäßig, um den 5.Dezember soll aber auch dieses Jahr schlecht gewesen sein.

        -Trotz guter Wettervorhersagen haben wir zur Zeit laut EEX 30% Abweichung bei der Windstromproduktion. Heute zum Guten, es sind aber auch mal 50% Minderleistung im Vergleich zur Vorhersage drin, z.B. 28.12.2013 20:00.

        -Persönlich würde ich weniger als 50% der kurzfristigen Vorhersage von 24h als Sicher akzeptieren. Ich würde es dennoch für eine sehr dumme Idee halten, die zu einem Backup umzudeklarieren und als Kapazität anzubieten.

        -Windanlagen haben Einspeise-Vorrang. Wenn ein Kohlekraftwerk ungeplant ausfällt, dann sind die Windanlagen, die als Backup dienen könnten, bereits „planmäßig“ in Betrieb.

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  4. Hallo Jonny Rotten,

    welch eine super Leistung der WKA mit 33 GW installierter Leistung mickrige 1,8 GW zu ersetzen. Das ist betriebswirtschaftlicher Schwachsinn zur 22.000 Potenz bzw. die neue EE-Mathematik, die dieses Land mit Sicherheit wirtschaftlich ruiniert.

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    • @Robel

      seit 2012 wird weltweit mehr erneuerbare Leistung zugebaut, als Konventionelle. Ein Geisterfahrer? Hunderte, Tausende…
      Klar, für den grössten ökonomischen Schwachkopf macht der Rest der Welt frelich betriebswirtschaftlichen Schwachsinn.

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