Im Einzelhandel hat die Zeit des Endspurts begonnen. Wer am vergangenen Wochenende eine Einkaufsmeile besucht hat, wird feststellen, dass sehr viele Tüten prall gefüllt im Umlauf sind. Doch wie viele Stromtüten sind vorhanden? Richtig: Strom verschenkt man nicht. Weil es ein Grundbedürfnis ist, für den Betrieb der anderen Tüteninhalte, darf man sich schon etwas Gedanken machen, wie wir morgen den Stromhunger befriedigen. Rational, über einen Zweipunkteplan:

  1. Sichere Versorgung
  2. Billig

Den Rest werden schon die Experten richten. Könnte man annehmen…

Wie kommt man eigentlich auf die glorreiche Idee, dass die Experten der Stromanbieter einen billigen Strom für den Endkunden wünschen? Von RWE über Extra Energie, EWS, MVV und Greenpeace Energy haben sich die Stromanbieter bereits lange vor der Weihnachtszeit auf den Weg gemacht, in das gelobte Land bei Berlin zu ziehen, um Stromtüten für den geliebten Kunden vorzupacken.

Im Alltagsgeschäft sind die Stromanbieter Feinde – kämpfen um das Zehntel Cent im Preis. Gut für den Kunden, wenn dadurch ein Wettbewerb über den niedrigsten Strompreis entsteht. Schlecht, wenn alle Stromanbieter in Verbänden wie dem BDEW mit einer Stimme sprechen sollen.  Spätestens beim Thema Strommarktdesign müssen die Stromanbieter mit einer Stimme sprechen.

In der besinnlichen Zeit rund um Weihnachten rational zu denken, scheint schwierig, was kommt aber raus, wenn man jedem Anbieter eine faire Chance geben will? Man muss die Messlatte  rauf setzen. Oder den Strompreis…

Rückenwind kommt vom Grünbuch des Bundes-Wirtschaftsministeriums zum „Strommarktdesign der Energiewende“.

…Lasst und froh und lustig sein…

In die Tüte rein muss ganz viel „Sichere Versorgung“, warum? Da Energiewende. verpackt mit einer Beschallung, die man sonst nur auf RTL findet, nun mal unsicher ist.

Ein Stromnetz, welches am 12.11.2014 um 16:00 Uhr in der Lage gewesen ist 73 GW zu transportieren – reicht am 12.12.2014 nicht mehr aus, um weniger als 30 GW Windstrom zu transportieren? Wie verwetzelt ist die Welt?

Was ist, wenn die Verbraucher zu Weihnachten nicht mehr die Tüten füllen lassen, sondern selbst basteln? Ein Entwurf ist der Hybridstrommarkt. Auch in der besinnlichen Zeit darf darüber diskutiert werden. Es reicht den Telefonhörer in die Hand zu nehmen und anzurufen. Gerne werden auch Kontakte geknüpft.

(Beitragsbild: PublicDomainPictures @ Pixabay)

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6 Gedanken zu “Stromwirtschaft rückt immer weiter vom Kunden ab

  1. Stelle mir immer öfter die Frage, ob wir tatsächlich ein neues Strommarkdesign benötigen oder in Wahrheit schon längst haben.
    Man kann sich PV Anlagen und Windräder in diversen Größen kaufen, dabei etwaiige Überschüsse einspeisen, abregeln oder auch in Akkus oder thermisch speichern, wie man es gerade möchte (und sich leisten/umsetzen kann.)
    Da es auch schon Anbieter man Markt gibt, mit denen man mit einer kleinen Anlage im Einfamilienhaus Teil eines „Regelenergie-Schwarms“ werden kann und dabei noch die überschüssige Regelarbeit zum Nulltarif bekommt, ist in diesem Land doch in diesem bereich letztlich alles schon möglich.
    Ich muss auch gar nicht mal einen Netzanschluss haben, wenn ich das will kann ich dem Netbetreiber in meinem Gebiet anschreiben uind Fordern, dass er den Anschluß und die Messeinrichtungen abbaut … macht er dann auch!

    Also warum brauchen wir ein neues Vermarktungsdesign für „Netzstrom“ überhaupt? Warum nicht einfach dabei bleiben, dass der Strom zu beliebiger Zeit im vorher definierten Umfang (Anschlußauslegung) einfach in kWh verrechnet wird? Der „Jederzeitstrom“ kostet halt aktuell irgendwas um die 27 ¢/kWh, der „nur bei Sonnenscheinstrom“ vom eigenen Hausdach so um die 8 ¢/kWh und der Strom aus negativer Regelleistung kostet nur die Investition in ein Akku-System und ist dann kostenlos.

    Ich denke, es ist gar nicht notwendig, vielleicht sogar auch kontraproduktiv, einfach Alles in den „Netzstrom-Markt“ mit hinein zu verknoten!
    Ich hege manchmal so meine Zweifel, ob das Stromnetz an sich langfristig noch ökonomisch tragbar sein wird. Immer mehr Leitungen kosten auch immer mehr, wenn dann auch noch immer weniger Leute die Leitung in der Umgebung haben wollen, kostet es doppelt, nicht nur den leitungsbau, auch den Wertverlust von Grundstücken/Immobilien in der näheren Umgebung. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, dass auf lange Sicht Generatoren und Speicher für den Consumermarkt kostengünstiger sind und weil dann nur noch Unternehmen/Großverbraucher am Netz hängen und damit die netzkosten auf immer weniger Schultern verteilt werden, holen die Sich dann eben in Form von KWK-Anlagen auch ihre Generatoren in die nähe des Verbrauchs, bleiben nur noch die „Giganten“ beim Stromverbrauch und die können sich dann Ihr Kraftwerk gleich neben den Hochofen/Chemiewerk stellen. Klar, die brauchen dann ein regelfähiges und damit teueres Kraftwerk, aber der Grundlastmeiler in der Lausitz erzeugt auch heute nur den Strom mit 4 ¢/KWh, weil er die Regelungs – und Transportkosten mit >8 ¢/KWh ins Netz externalisiert und damit letztlich nur durch eine gigantische Marktverzerrung wirtschaftlich wird!

    Klar, wie hängen (mental und physisch!) am Stromnetz, ist so schön praktisch für unsere PV-Überschüsse und die Versorgungssicherheit. Wir müssen aber aufpassen bei dem Thema nicht einfach zum Gewohnheitstier zu mutieren und mit konservativen Denken an etwas festzuhalten, das womöglich längst nicht mehr zeitgemäß und ökonomisch ist.

    Versorgungssicherheit gibt es ganz ohne das Stromnetz, Inselanlage ist das Stichwort.
    Ich kann auch gut mit einer PV-Anlage leben, die 50% der Erzeugung abregelt, dann kostet die kWh aus der Anlage eben 16¢ statt 8¢, immer noch weniger als Netzstrom. Und wenn keine Sonne scheint, dann nehm ich eben einen (umgebauten) Generator aus dem Baumarkt und produziere Strom für ~45¢/KWh. Das scheint zwar teurer zu sein als der Netzstrom, ist es aber in der Mischkalkulation dann nicht, wenn der Generatorstrom weniger als die Hälfte meines gesamten Stromverbruachs ausmacht! (Jetzt sagt mir nicht, dass das alles andere als umweltfreundlich sei, besser als der Braunkohlenstrom ist das vermutlich schon noch! 😉

    Warum ein neues Marktmodel, das immernoch zwanghaft auf der ausgeleierten Kupferplatte aufsetzt? Warum nicht einfach neue/beliebige Technologien, die am Markt erhältlich sind?

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    • Das sehe ich auch so, Sie trfeffen den Nagel auf den Kopf.
      Wer Strom braucht kann diesen auch erzeugen.
      Wer Leitungen braucht soll diese auch bezahlen.

      Das ’neue Marktkonzept‘ wird bereits vorbereitet, in Australien sehen die grossen Versorger das auch so. Auch Eon und RWE wollen diesen Weg gehen, individuellen Service anbieten statt 24h Grundversorgung.

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  2. Kann im Prinzip nur zustimmen., wohl wissend, dass es von Seiten der klassischen „Mieter“ hier gewaltige Bedenken gibt. Diese sind (bis auf Balkon-PV) auf das öffentliche Stromnetz angewiesen und haben keinen Möglichkeit eine Insel zu bilden.

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    • Ich habe ein Mehrparteienhaus mit vermieteten Wohnungen und spiele seit Jahren die Möglichkeiten einer PV durch.
      Für mich ist hierbei das Stromnetz der Klotz am Bein.

      Modell Volleinspeisung ist ganz simpel, aber nicht besonders ökonomisch und aus Sicht der Mieter auch das teuerste. (Gestehungskosten für den Strom 8 Cent, ich bekomme 12 Cent, der Versorger verkauft meinem Mieter für 25. Cent, darin Enthalten Netzgebühren… für was? Für meine Elektoinstallation auf meinem Grund in meiner Immobilie!?)

      Modell „Stromversorger“, ich werde Stromversorger, meine Mieter können mit mir Stromversorgungsverträge abschliessen, ich kaufe fehlenden Stom hinzu…viel Verwaltungsaufwand, vor allem aber, auf den PV-Strom muss ich Netzentgelte und Umlagen aufschlagen!?

      Modell „Überschusseinspeisung“, der sogenannte Eigenverbrauch der Mieter wird über pauschale Mieterhöhungen kompensiert. Wäre das praktikabelste, nur jeder Mieter denkt, er wäre so sparsam und finanziere daher den Verbrauch der anderen und ich als Vermieter würde obendrein über den Mietaufschlag am meisten einstreichen.

      Ich würde schon investieren, auch in eine Insel, wenn ich sie den Mietern „verkaufen“ könnte. Kann ich aber nicht, weil in unserer Gesellschaft der Gemeinsinn weitestgehend ausgelöscht wurde, es für die Mieter unvorstellbar ist, dass der Vermieter bei dem Thema die Rendite mit den Vermietern teilt. Dabei ist es für mich als Geschäftsmann ganz normal den Gewinn mit den Geschäftspartnern zu teilen. Für PV auf Mietshaus brauche ich aber die Mieter als Partner, es rechnet sich nur über die Eigenverbrausersparnis.

      Tut mir leid das so sagen zu müssen, die Mieter scheitern hier an ihren falschen Vorurteilen!

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    • Mir ist beim Lesen der Beiträge eine Analogie in den Sinn gekommen; es verhält sich in etwa so, wie beim Tourismus, Pauschalreisen all-inclusive oder eben Individualreisen.

      Mir erscheint es auf einmal so, dass „das Strommarktdesign“, also dieses eine, einzige, für das Oligopol vor allem dazu dienen soll, individuelle Versorgungslösungen zu unterbinden.
      Früher -vor dem Stromeinspeisegesetz der 90er- war es der Netzzugang an sich, den sie mit unzähligen Hürden den kleinen Erzeugern vorenthielten. Heute sind es Auf- und Umlagen, Zwangsabgaben und sogar eine „Sonnensteuer“, mit der man die individuellen Lösungen verhindern oder aber zumindest erschweren will.

      Dieter trifft den Nagel auf den Kopf, wir haben bereits zahlreiche Möglichkeiten, wozu also ein neues „Strommarktdesign“? In wessen Interesse liegt es die Herde beisammen zu halten und was ist dieses Interesse genau?

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