Es klingt so schön einfach, wenn man damit rechnet, dass bei einem Atomausstieg 23 GWh bis 2022 vom Netz gehen, die bis dahin als gesicherte Reserve kompensiert werden müssen. Die aktuelle Diskussion über den Kraftwerkspark in Deutschland würde der Psychologe Alfred Adler jedoch als Überkompensation im Zuge eines Minderwertigkeitskomplexes bezeichnen. Ein Grund hierfür ist die fehlende Kopplung zwischen Investitionen und Bedarf.

Im Jahr 2014 zeichnet sich erneut ein Rekord für den Export von elektrischer Energie (Strom) in Deutschland ab. Eine Momentaufnahme, die belegt, dass sogar sehr geringer Verfügbarkeit wie bei der Dunklen Flaute am 22.10.2014, zuviel Strom erzeugt wird.

Bei der Einführung eines Kapazitätsmechanismus würden Großanbieter ihre Altanlagen aufgrund von Kapazitätszahlungen länger betreiben.

Für die Abwendung eines volkswirtschaftlichen Schadens in Milliardenhöhe ist daher eine Verkürzung der technischwirtschaftlichen Nutzungsdauer um 5 Jahre im gesamten konventionellen Kraftwerkspark umzusetzen.

Rechenfehler – Strategische Reserve

Bei der Berechnung der benötigten Reservekapazitäten werden zwei entscheidende Rechenfehler vollzogen.  Durch die Vielzahl der Anbieter im Markt, erfolgt der Zubau neuer Kraftwerke für den Atomausstieg doppelt und dreifach, wobei der Zubau der Stromerzeugung aus Wind- und Solarkraft eine untergeordnete Rolle spielt,  wie auch der Solar-Contact-Index für den November 2014 belegt.

Zur Berechnung der strategischen Reserve wird die Nennleistung der Kraftwerke unter Volllast eingerechnet. Dieser Wert ist irreführend, da die tatsächliche Verfügbarkeit der Anlagen nicht belegt werden muss. Eine Kompensationszahlung auf Basis der Vorhaltung einer strategisch Reserve, birgt die Gefahr einer Überzahlung in Höhe der ungeplanten Nichtverfügbarkeiten. Bei einer aktuellen Momentaufnahme würden 26,8% der Steinkohlekraftwerke ohne Gegenwert finanziell entschädigt.

Die bereits angedachten Retrofit-Maßnahmen von Braunkohlekraftwerken zur Laufzeitverlängerung zeigen bislang keine signifikante Verbesserung der Stabilität.

Kosten des administrativen Kapazitätsmarktes

Im Jahre 2013 beliefen sich die Kosten im Bundeshaushalt für die Unterstützung des Kapazitätsmarktes auf 1,1 Milliarden Euro. Nicht eingerechnet sind in den Zahlungen aus Steuermitteln die Folgekosten der Betreiber.

Das Institut Acror Pilum beziffert allein die Aufwendungen zur Image und Reputationspflege mit 174 Millionen Euro. Ausgeblendet hatte das Berliner Institut die Kosten für die Herstellung der inneren Sicherheit (zum Beispiel bei Castor-Transporten, oder im Zuge der Umsiedlungen für die Braunkohlenutzung).

Es wird davon abgeraten werden, einen Kapazitätsmarkt als Realoption in Stilllegungsentscheidungen einzubeziehen.

Mit Blick auf die Jahre nach 2022, dürfte sich ein First-Mover-Advantage für die Unternehmen einstellen, die bis zum Jahre 2017 die strategische Stoßrichtung angepasst haben. Als Early-Bird kann an dieser Stelle der im November 2014 angekündigte Ausstieg aus der Stromerzeugung bei Eon gesehen werden.

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