Vor Weihnachten hatten viele Verbände und Organisationen ihre Einreichungen zum Strommarkt-Design der Energiewende beim Bundes-Wirtschaftsministerium eingereicht. Schaut man sich einige dieser Beiträge näher an, so finden sich dort Worte wie Pönalisierung, bei dem zumindest ein Teil der Leser erst das Wiktionary befragen muss, um es zu verstehen.

Zumindest für den Hybridstrommarkt kann sichergestellt werden, dass bei den Einreichungen klare Regeln gelten, die hoffentlich für Vertrauen sorgen. Im Manifest sind diese nun zusammengefasst und für jeden Interessierten ersichtlich.

Nach dem Bekenntnis von H.J. Fell sind einige Kritiken und Kommentare eingegangen, die in den kommenden Beiträgen aufgearbeitet werden sollen. Die wichtigste Anmerkung ist: Warum brauchen wir überhaupt einen neuen Strommarkt in Deutschland? Weder das Design-Konzept noch das Manifest gehen auf diese berechtigte Frage ein. Bitte noch etwas Geduld! Eine Antwort kommt.

Manifest (Design Prinzipien)

Mit einem jährlichen Marktvolumen von etwa 100 Mrd. Euro ist der Strommarkt einer der größten Branchenmärkte in Deutschland. Durch die Einhaltung einiger Regeln beim Aufbau und der Beschreibung des Designs, sollen strukturelle Fehler von vorneherein ausgeschlossen werden.  Alle an der Entwicklung des Markt-Modells beteiligten Personen sind verpflichtet, diese Regeln einzuhalten.

Versorgungssicherheit

Die Sicherheit der Stromversorgung ist unter allen Umständen zu Gewährleisten. Eine Verwendung des Begriffs „Versorgungssicherheit“ oder das Schüren von Ängsten mit Bildern ist generell untersagt, so lange diese nicht auf Basis realer Messwerte belegt werden können.

Es ist auf jeden Fall zu unterlassen, dass Stromerzeugung aus Kohlekraftwerke als Sicher gilt, wenn zur gleichen Zeit (November 2014) im Schnitt 25% der Kapazitäten in Deutschland ungeplant nicht verfügbar sind[1].

Auf der anderen Seite dürfen die Einschränkungen, die sich aus wetterbedingen Verfügbarkeiten einer Erzeugungsart, nicht grundsätzlich durch Austausch (Substitution) oder einem abstraktem Verweis gelöst werden.  Konkret bedeutet dies, dass für die Engpässe ein Vergleich mit dem tatsächlichen Strombedarf und dem Marktumfeld durchzuführen ist.

Frei von Diskriminierung

Akteure auf einem Strommarkt sind generell alle, die elektrische Energie entweder erzeugen, transportieren oder abnehmen. Handelstätigkeit selbst kann an Dritte delegiert werden, jedoch muss das Design ein freies Handeln für alle Akteure zulassen.

Bestehende gesetzliche Regelungen sind auf ihre Diskriminierungsfreiheit zu überprüfen. Hierzu zählt vor allem die geltende Gesetzesbücher (StromNZV, StromNEV,EnWG,AusglMechV,EEG, EVPG,…).

Als Diskriminierung wird generell angesehen:

  • Quoten-Regelungen
  • Ober-/Untergrenzen
  • Verpflichtende Last/Erzeugungs-Profile
  • Zugangsbedingungen (Markt/Börse)

Verpflichtungen zur Lieferung/Abnahme elektrischer Energie müssen generell das Ergebnis von individuellen Verträgen zwischen zwei Parteien sein.

Die Freiheit von Diskriminierung schließt auch die Entwicklung des Marktdesigns selbst ein. Konkret bedeutet dies, dass alle Interessierten an der Ausarbeitung mitwirken dürfen.

Allgemein Verständlich

Die Beschreibung des Strommarktes muss für den Bürger verständlich und nachvollziehbar beschrieben sein. Die Mitwirkenden verpflichten sich daher einer inhaltlichen Diskussion auch gegenüber dem nicht Fachpublikum.

Dies gilt besonders für alle Elemente, die eine Wertschöpfung durch den Handel/das Marktgeschehen beeinflussen.

Soll zum Beispiel das Nichterfüllen einer Zusage unter Strafe gestellt werden, so kann wird dies so geschrieben und nicht alternativ das Wort „Pönalisierung“ verwendet.

Klar ist, dass es sich beim Strommarkt um ein komplexes System in einer physikalischen Welt handelt. Ein Strommarktdesign sollte sich aber in jedem Fall auch auf andere Märkte übertragen lassen (Beispiel: Trinkwasserversorgung, Gasversorgung,  Finanzmarkt…).

Da ein Strommarkt-Design letztendlich eine fachspezifische Handlungsvorgabe ist, wird das Design grundsätzlich in 3 verschiedenen Stufen beschrieben.

In der allgemeinen Beschreibung werden die abstrakten Inhalte beschrieben, die durch jeden Interessierten Leser als Gesamtsystem verständlich gehalten sind. Bei der fachspezifischen Beschreibung handelt es sich um die Umsetzungen/Verfahren. Der referenzielle Teil bildet die Brücke zwischen den Elementen.

Europäische Integration

Das Stromnetz in Deutschland ist in das Europäische Verbundnetz (ENTSO) integriert. Markttätigkeit und Handel mit elektrischer Energie folgt bereits heute über die Landesgrenzen hinweg. Eine Schwierigkeit, die sich für den Design eines Strommarktes ergibt, ist der Gültigkeitsbereich von Verordnungen und Gesetzen auf nationaler Ebene.

In der Konsequenz bedeutet dies, dass der Markt selbst durch ökonomisches Handeln die politischen Ziele erreichen soll. Hierzu zählen vor allem Import/Export Strommengen, Ausbaukorridore und Netzentwicklung.

Roll-Out / Änderungs-Management

Das Design eines Strommarktes löst einen bestehenden Strommarkt in Teilen ab – oder erweitert diesen. Daher ist es wichtig, dass ein Konzept für die Überführung und die Umsetzung gibt. Hierbei ist zu beachten, dass am Tag 0 zwar die rechtlichen Rahmenbedingungen stabil sein müssen, jedoch die Akteure eine Wahlfreiheit eingeräumt werden.

Es ist davon auszugehen, dass bei einem neuen Strommarkt –Design auch neue Dienstleistungen entstehen, deren Definition von den Anbietern erst im Zuge der Zeit finalisiert werden kann. Im Design ist dies durch einen entsprechenden Plan zu berücksichtigen.


[1] Quelle: http://www.transparency.eex.com/de/daten_uebertragungsnetzbetreiber/stromerzeugung/Ungeplante%20Nichtbeanspruchbarkeiten%20von%20Erzeugungseinheiten%20%E2%89%A5%20100%20MW

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