Die Weihnachtsfeiertage sind rum. Der Winter ist zumindest in einigen Teilen von Deutschland angekommen. Zeit, auf die Reserven zurückzugreifen, die man sich in den letzten Jahren erhamstert hat. Die Versorgungs-Sicherheits-Nachrichten (VSN) bieten in diesen Tagen sehr viel Stoff zur Diskussion (blog.stromhaltig berichtete).

Warum ein neues Strommarkt-Design? Damit die systematische Selbstbedienungsmentalität, die sich rund um das Thema Versorgungssicherheit formiert hat, endlich ein Ende findet.

Netzfrequenz zum Zeitpunkt des Ausfalls
Netzfrequenz zum Zeitpunkt des Ausfalls

Unterbrechung für eine weitere VSN
27.12.2014 02:02 Uhr- Im Block G des Kraftwerks in Neurath / Grevenbroich fallen wegen eines technischen Defekts 1050 MW Erzeugung ungeplant für 3 Stunden aus.   Zum Zeitpunkt des Ausfalls wurde für Deutschland ein Bedarf als elektrischer Energie von 36.978 MW gemessen.

Flatterstrom als Sicherheitsgewinn zu verkaufen, das ist gelebte Desinformation, um dem Stromkunde das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Das es zwei Kraftwerke der RWE innerhalb von 24 Stunden in die Berichterstattung hier im Blog schafft, ist ein bedauerlicher Zufall. Es sind Einzelfälle, wie sie natürlich auch bei anderen Betreibern auftreten. Um der Tatsache des vergoldeten Flatterstroms auf die Schliche zu kommen, muss man ein paar Ecken weitere laufen.

Im Juni 2013 hatte die Bundesregierung die sogenannten Reserve Kraftwerksverordnung erlassen (s.h. Gesetze im Internet). Der Langtitel verrät, um was es geht:

Verordnung zur Regelung des Verfahrens der Beschaffung einer Netzreserve sowie zur Regelung des Umgangs mit geplanten Stilllegungen von Energieerzeugungsanlagen zur Gewährleistung der Sicherheit und Zuverlässigkeit des Elektrizitätsversorgungssystems.

Der BDEW als Vertreter der Kraftwerksbetreiber informierte nach dem Erlass:

Das Gesetz und die Verordnung sollen sowohl akute Gefahren für die Versorgungssicherheit vermeiden als auch mehr Transparenz schaffen. Die Schwerpunkte der Verordnung betreffen die Ausgestaltung des Verfahrens und der Kriterien im Zusammenhang mit dem Abschluss von Verträgen mit bestehenden Anlagen als Reservekraftwerke (Netzreserve), die Vergütung, das Verfahren zur Prüfung der Frage der Notwendigkeit des Baus von Neuanlagen für die Netzreserve und ein sich gegebenenfalls anschließendes Beschaffungsverfahren sowie das Verfahren und den Umgang mit einer Ankündigung der vorläufigen Stilllegung systemrelevanter Kraftwerke. (Quelle: BDEW)

In anderen Worten: Bereits im Juni 2013 ist ein durch die Bundenetzagentur regulierter Kapazitäts-Mechanismus entstanden, der nun im Zuge des Grünbuch „Strommarkt der Energiewende“ in einen Kapazitätsmarkt überführt werden soll.

Tatsächlich handelt es sich um einen Gnadenhof für Kraftwerke mit einer schlechten bis unzureichenden Pannen-Bilanz.

Schaut man sich die Historie im Beitrag zum weihnachtlichen Ausfall in Hamm (s.h. Ende des Beitrags) bekommen die Kommentare des Betreibers zur Zukunft der Anlage eine neue Bedeutung:

ab 01.04.15 bis 01.10.15 in Kaltreserve,
konserviert Stilllegung 31.03.2016

Wie der Deutschlandfunk  im Zuge der Reservekraftwerksverordnung mitteilte, gibt es ja scheinbar Geldflüsse ohne Stromflüsse:

Die Bundesnetzagentur entscheidet dann über jeden Einzelfall und verhandelt mit dem Betreiber über die Höhe einer Ausgleichszahlung.

blog.stromhaltig hat bei der Bundesnetzagentur um Einblicke gebeten – die Antwort steht noch aus.

Den Beitrag "Flatterstrom der Feiertage offline Lesen:

3 Gedanken zu “Flatterstrom der Feiertage

  1. Hallo Herr Zoerner,

    interessanter Beitrag. Die Reservekraftwerksverordnung brauchen wir bloss wegen des hirnrissigen EE-Einspeisevorangs und der Abschaltung der KKW. Vor 2011 war die Stromerzeugung stabil und bedurfte eines solchen Schwachsinns nicht.

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    • @Robel

      Erst Hirn einschalten, dann denken, dann schreiben!

      Den Einspeisevorrang für erneuerbare gibt es seit dem Stromeinspeisungsgesetz das am 1.1.1990 in Kraft trat und später vom EEG abgelöst wurde.

      Fast ein Viertel Jahrhundert funktionierte der EE-Vorrang also ohne Reservekraftwerksordnung tadellos, daran kann es also nicht liegen.
      Auch die Abschaltung der AKW kann es nicht sein, warum man das Gesetz benötigt, denn die Abschaltungen waren 2011 und die Verordnung kam erst 2 Jahre später.

      Obendrein ist in der Verordnung auch schon der 31.12.2017 als das Datum festgesetzt, an dem sie ausser Kraft tritt, ein Ende des Einspeiseverrangs oder ein Wiedereinstieg in die Atomkraft sind nicht geplant.

      Kurzum, auf die „Trotzreaktion“ des Stromoligopols, genauer auf den Erpressungsversuch der Stromkonzerne durch Kraftwerksstillegungen entgegen vorherrschender demokratischer Ordnung in diesem Land Fakten zu schaffen würde ordnungspolitisch vorgegangen.

      Wir haben diese Verordnung ausschliesslich, weil ein paar Grössenwahnsinniger in den Führungsetage, die glauben über allem zu stehen!

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      • Hallo Herr Zoerner,
        „erst Hirn einschalten und dann schreiben“ gilt auch für Sie.
        In den Anfangsjahren des EE-Vorrangs war die EE-Menge noch verschwindend gering und deshalb im Gesamtsystem mit ihrer Unzuverlässigkeit vernachlässigbar.
        Problematisch wurde das Ganze erst ab ca. 2007.
        Für Sie zum Nachdenken:
        Am 21. Dezember wurden in Westbayern 1751 MWh EEG-PV-Strom erzeugt. Am 28. Dezember noch ganze 5,5 MWh.
        Seit 27. Dezember sind sämtliche PV-Module tief verschneit. Woher glauben Sie, kommt die fehlende Energie, wenn nicht von konventionellen Reservekraftwerken? Wie sieht Ihr Plan für windstille Zeiten mit verschneiten PV-Anlagen aus? Und wie Sie weiter oben bereite bemerkten, bitte erst Hirn einschalten und dann schreiben.
        Viele Grüße aus dem tiefverschneiten Bayern – zur Zeit ohne jegliche PV-Erzeugung.

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