Eine der größten Herausforderungen eines zukünftigen Strommarktes ist es, die Marktentwicklung mit den physikalischen Gegebenheiten abzustimmen. Im Stromnetz muss immer soviel Strom eingespeist werden, wie zeitgleich entnommen wird. Jegliche Abweichungen zwischen Marktgeschehen (Angebot/Nachfrage) und physikalischem Stromfluss verursachen eine Verzerrung.

Diese Unstimmigkeit zwischen realer Welt und ökonomischer Abbildung führt zu Kosten die bislang verallgemeinert werden, da sie nicht den Verursachern zuzuordnen sind.

Ein Hybridstrommarkt adressiert diese Herausforderung, in dem es dem Stromverbraucher die Möglichkeit einräumt seinen Verbrauch mit der Erzeugung zu synchronisieren.

Hybridstrommarkt -Modell

Das Hybridstrommarkt-Design zeichnet sich dadurch aus, dass es dem Letztverbraucher die Möglichkeit gibt seinen Strombezug aus zwei verschiedenen Komponenten zusammenzubauen: Kapazitätsmiete und Leistungsabrechnung.

Für die erste Komponente mietet sich der Letztverbraucher auf Zeit bei einer Erzeugungsanlage ein. Im Gegenzug erhält der Stromkunde einen Anteil des erzeugten Stroms. Sämtliche Transport und Stromlogistikkosten sind im Mietpreis enthalten.

Die Leistungsabrechnung entspricht der heute üblichen Abrechnung nach Kilo-Watt-Stunden Entnahme. Im Hybridstrommarkt wird diese Energy-Only-Abrechnung als Ausgleichenergie bezeichnet.(vergl. Hybridstrommarkt in 100 Worten)

Anreizfaktoren im Hybridstrommarkt

Das Marktdesign animiert den Kunden den Bezug von Ausgleichenergie möglichst zu minimieren. Der Verbrauch wird in Zeiträume verlagert, bei denen eine ideale Nutzung der gemieteten Kapazitäten gegeben ist. Der Stromkunde optimiert sein Verhalten auf Basis der Bedingungen zweier Märkte.

Der Kapazitätsmarkt, welcher für die die Anmietung genutzt wird, hat die Aufgabe die erzeugte Strommengen möglichst verlässlich zu prognostizieren und erhält als Gegenleistung eine Abnahmegarantie durch den Mietzins des Verbrauchers.

Der Markt für Ausgleichenergie, hat als Herausforderung, dass es keine garantierte Abnahmemengen gibt. Im Gegenzug dürften die erzielbaren Preise deutlich höher und volatiler ausfallen, als dies am heutigen Intraday/Spot-Markt möglich ist.

Durch die Entkopplung in zwei verschiedene Märkte bis zum Letztverbraucher, werden in einem Hybridstrommarkt eine natürliche Synchronisierung zwischen dem Bedarf und der Erzeugung hergestellt.

Abgrenzung zum heutigen Markt

Beim heutigen Marktdesign werden bereits die Elemente des Hybridstrommarktes erfolgreich zwischen den Markt-Akteuren eingesetzt. Anlagen in der EE-Direktvermarktung müssen ihre Abweichungen zwischen Lieferprognose und realer Lieferung untertägig als Ausgleichenergie beschaffen oder veräußern. Abweichungen auf der Verbrauchsseite werden durch die Regelenergie oder/und dem Handel der Verteilnetzbetreiber ausgeglichen.

Fehlende Synchronisation führt zu Speicherbedarf

Der Aufbau von Stromspeichern dient vor allem zum Abfedern der Diskrepanz zwischen Erzeugung und Verbrauch. Durch eine verbesserte Kopplung kann der Bedarf an elektrischen Speichern deutlich reduziert werden.

Speicher, wie sie bei der sogenannten Eigenstromnutzung verwendet werden, können auch bei kleinen Erzeugungsanlagen dazu genutzt werden, die Restlast von Ausgleichenergie aus dem Stromnetz zu minimieren.

Einführung des Hybridstrommarktes

Am Tag 0 der Einführung beziehen die Letztverbraucher wie gewohnt ihren Strom, es ändert sich lediglich die Bezeichnung von Haushaltsstrom in Ausgleichenergie.

Sobald Angebote für die Miete vorhanden sind, verändert sich das Verhältnis zwischen Kapazität und Leistungsbezug. Ein Hybridstrommarkt kann daher zu jedem Zeitpunkt eingeführt werden.

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Ein Gedanke zu “Stromnetz: Synchron per Marktdesign

  1. Noch ein „Hybridmodel“…

    ZIZAT „Naturstrom Nov. 2014“
    21.11.2014 – Erstmals wurden im Jahr 2013 weltweit mehr erneuerbare als konventionelle Kraftwerkskapazitäten hinzugebaut. Dies geht aus einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Rödl & Partner hervor. Die Hauptgründe für den anhaltenden Ausbau sind demnach vielerorts nicht mehr staatliche Förderungen, sondern die Wirtschaftlichkeit der Vorhaben auf Basis niedrigerer Gestehungskosten. Konventionellen Kraftwerken wird ein langfristig kostendeckender Betrieb häufig nicht mehr zugetraut, wohingegen die Erneuerbaren mit niedrigen und prognostizierbaren Betriebskosten sowie weiter fallenden Kapitalkosten für Neuprojekte zunehmend interessanter werden.
    ZITAT /

    Auch wenn in D und in EU dies derzeit sich nur sehr zögerlich entwickelt, ganz offensichtlich ist eine Technologie die real ohne „kostenpflichtige Energieträger“ auskommt, nicht mehr aufzuhalten. Ob sich Deine intelligente Form des Stromhandels durchsetzt oder nicht, wird die weitere Entwicklung zeigen. Fakt ist, alles was sich EE „bedient“, kann nahezu an jedem Standort realisiert werden. Dezentral und kleinteilig auch von allen welche über entsprechende eigene Flächen verfügen. Alternativ aber auch für alle die sich über Genossenschaften u.ä. an größeren Projekten beteiligen. Ein Zeichen dafür scheint mit die kürzliche Werbeeinblendung von EON die den Einsatz von „RONT“ (regelbaren Ortsnetztransformatoren) zum Inhalt hatte. Diese einfache und kostengünstige Lösung die Ortsnetze für mehr PV-Leistung ohne aufwendige Änderung der Verkabelung im O-Netz zu bewerkstelligen, soll wohl genau dies in Zukunft erreichen.

    Nun ja, soweit der „elektrische Strom“ und dessen zukünftige Bedarfsdeckung. Doch wer weiterdenkt, der sieht den jeweiligen nationalen „Primärenergiebedarf“. Dieser wird derzeit in allen Ländern meist über teure Exporte aus „fernen“ und teilweise mannigfaltig „suspekten“ Ländern gedeckt. Horrende jährliche Ausgaben die der eigenen Wirtschaft fehlen. Nicht das niemand daran verdienen würde in den „Nehmerländern“ – ganz im Gegenteil. Doch wenn EE auf dem „Umweg“ über el. Strom auch mit diesen Bereich konkurrieren, wird keiner der seine fünf Sinne beieinander hat, noch über sog. „überflüssige Stromerzeugung“ – gern auch „Spitzenerzeugung zu Unzeiten“ jammern.

    Es ist höchste Zeit für den logischen nächsten Schritt – Sonne zu Gas – speicherbar, wandelbar in Wärme, wandelbar in „Transportenergie“, wandelbar in chemische Produkt usw. Warum teure Importware, wenn nach zugegebener kostenpflichtiger Investition in „erneuerbare Kraftwerkskapazitäten“, der „nationale“ (gern auch „lokale“) Bedarf lokal und zunehmend immer unabhängiger produziert werden kann ? Ohne bislang mehr oder weniger geschickt versteckte Umweltkosten die über Steuern finanziert werden ?

    Genau wie bei der Entwicklung von „erneuerbaren Kraftwerkskapazitäten“, wird sich auch hier durch Forschung und Innovation ein Trend zu mehr Effizienz ergeben. Übrigens mit steigenden Kosten, sollte auch „steigende Energieeffizienz“ verbunden sein. Dazu dürfte allerdings die blödsinnige „Entlastung der Industrie“, wohl kaum beitragen.

    Nun ja, würde man aus „Lobbyarbeit“ el. Energie gewinnen können, wäre die Welt gerettet…..

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