Eine PV-Anlage erzeugt an weniger als 1000 Stunden im Jahr Strom in Deutschland. Windkraft schafft es mit Mühen auf das Doppelte – doch das Jahr hat 8.760 Stunden.

Fachtreffen von bekennenden Experten vor einigen Tagen. blog.stromhaltig lauscht dem Schlagabtausch der Erneuerbaren Gegner, Netzausbau Gegnern, Speicher Skeptiker und Milanen-Schützern. Desto später der Abend desto mehr rollen sich die Zehennägel bei den jetzt dargebotenen Fakten.

Volllaststunden – so schwer ist dieses Thema eigentlich nicht. Wer es nicht nachlesen will, der darf sich merken: Der normale Stromkunde in Deutschland braucht nur 260 Stunden Strom pro Jahr.

Mehr liefern die Stromanbieter auch nicht…

Der durchschnittliche 3,5 Personen Haushalt verbraucht etwa 3.600 KWh pro Jahr. Aus dem Anschluss darf er 60A entnehmen bei 230V =  13,8 KW.  Nennen wir dies volle  Last auf dem Anschluss. Macht der Haushalt dies durchgehend über eine Stunde, so dreht sich der Stromzähler um 13,8 KWh weiter. Macht man dieses Spiel weiter, so kann innerhalb von 11 Tagen (=3.600/13,8=260 Stunden=11 Tage) aus dem Stromnetz die gesamte elektrische Energie entnehmen, die im gesamten Jahr benötigt wird.

Wendet man die Volllaststundenberechnung (vergl. Analyse Volllaststunden in Deutschland) auf den Verbrauch an, dann merkt man recht schnell, dass dies nur wenig mit den Verfügbarkeitsstunden zu tun hat. Auch wenn der Anschluss weniger verbraucht, wird er dennoch Strom geliefert bekommen.

Die große Unsicherheit

Das Problem, welches Netzbetreiber zu lösen haben, ist die Spanne zwischen der maximalen Entnahmen (13.800 W) und der tatsächlichen Entnahme (im Schnitt 410 W) möglichst genau vorher zu sagen. Es ist nicht möglich, dass viele Stromanbieter zeitgleich auf die Idee kommen, den gesamten Jahresstrom innerhalb von 11 Tagen zu entnehmen – damit rechnet der Betreiber schlicht nicht – das Netz würde zusammenbrechen.

Stromanbieter und Netzbetreiber verteilen in ihrer Prognose die Jahreslast auf die einzelnen Stunden. Verwendet wird hierfür das sogenannte Standardlastprofil. Dies soll mit relativer Wahrscheinlichkeit vorher sagen, ob ein Anschluss gerade eher die 13,8 KW entnimmt – oder nur 100 Watt.

Spieß umgedreht

Der Stromkunde hat in Deutschland 8760 Stunden Strom pro Jahr. Wie viele Stunden gibt es pro Jahr Strom aus Windkraft?

Im Netz der Tennet TSO sind es 8456 Stunden/Jahr.

Und PV Strom?
Auch bei Tennet TSO : 4776 Stunden/Jahr.

Quelle der Berechnung sind die Meldungen des Übetragungsnetzbetreibers zur tatsächlichen Einspeisung PV/Wind innerhalb der letzten 365 Tage.

Bitte jetzt nicht den Fehler machen, dass man eigentlich nur kräftig genug ausbauen müsste, da  4776+8456 mehr als 8760 Stunden ist. Dies wird ganz klappen… (aber fast).

Den Beitrag "Schock: Deutscher Stromanbieter liefert nur 260 Stunden Strom - Im Jahr! offline Lesen:

9 Gedanken zu “Schock: Deutscher Stromanbieter liefert nur 260 Stunden Strom – Im Jahr!

    • Das gleiche fragte ich mich auch. Bitte nett verstehen: Ein überflüssiger Beitrag auf „Bild-Niveau“ in einem sonst sehr guten Blog! Bitte auf das gewohnte Niveau zurück kommen. Danke und Grüße,
      C. Städel

      Antworten
  1. Nicht von den Kommentaren entmutigen lassen Thorsten, dreh den Spieß nocheinmal um!

    Oder besser, rühr den Datensalat der Tennet TSO noch einmal anders um, so dass dabei Leistungsdauerlinien herauskommen. Wieviel Leistung steht mindestens in wieviel Stunden des Jahres aus Wind+Sonne zur Verfügung?
    Beim Fraunhofer hat man das für Windkraft alleine schon mal gemacht.

    Am spannendsten wird wohl eine Leistungsdauerlinie der Residuallast sein, denn weiß man wieviel Kraftwerksleistung mit „Speicherenergieträgen“ wir wirklich benötigen würden und auch auf wieviele Grundlasterzeuger es Bedarf. Oder anders formuliert, für wievile Betriebsstunden wieviel „konventionelle“ Kraftwerke denn kommen würden.

    Diese 260 Stunden mal in die latent vorherschende Speicher-Diskussion geworfen:
    Wieviele Stunden im Jahr gibt es denn genug Windenergie oder Sonnenenergie um damit Speicher aufzuladen?

    Lasst uns mal einen Blick auf die Dauerkennlinien des ISET werfen, der gesamte deutsche Onshorewindpark liefert während 260 Stunden im Jahr mehr als 70% seiner Nennleistung!

    Und für die Photovoltaik schätzen wir mal die Peak-Erzeugung wie folgt ab: Während 6 Sommermonaten (~180 Tage) gibt es während 4 Stunden um den Mittag herum einen Peak, aber nur an jedem dritten Tag lacht in ganz Deutschland die Sonne am Himmel, das wären dann ~245 Stunden >50% der gesamt installierten Peak-Leistung
    (und >70% Gesamt installierter Peak-Leistung kam die PV in DE noch nie!)
    ROFL, keiner in diesem Land wird dieser meiner Schönwetterprognose glauben schenken!

    Und jetzt diese 260 Stunden nochmal in den Kontext der Diskussion, um „Seehofers Trassen-Faxen“ :
    Wieviele Stunden im Jahr kann man in Bayern nach der Stillegung der dortigen Kernkraftwerke nicht ausreichend Strom in Bayern selbst Erzeugen und wieviel davon könnten Windkraftwerke im Norden *genau zu diesen Zeitpunkten* dann liefern?
    Wenn da mehr als 260 Stunden stehen, wäre ich sehr überrascht! Den ersten Teil der Frage kann man vielleicht noch mit >1000 beantworten, aber spätestens beim Blick auf die Leistungsdauerlinien wird deutlich, dass diese Leitungen kaum noch Windstrom transportieren können, der nicht im Norden gebaucht würde! 😉

    Klar, im Privathaus zieht man für ganz wenige Momente vielleicht mal soviel Strom, darauf muss der Anschluss ausgelegt sein, da liegt der Schluss nahe, dass auch bayern die Strippen braucht, weil ja in den ganz wenigen Momenten in denen der Verbrauch die Erzeugung übersteigt unweigerlich zum totalen Blackout führen würden.

    Klingt logisch, ist aber ökonomischer Unsinn, denn eine dünnere Leitung ins Privathaus spart nur Zwei-euro-fünfzig an Kupfer, was bei Kosten von um die Tausend-Euro für das buddeln eines Grabens zum Haus für die Leitung quasi nix ist, während die dicke unausgelastet Leitung von Nord nach Süd mehr kostet als ein neues Gaskraftwerk in Bayern, das dort auch ausgelastet werden kann.

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    • Entmutigen lasse ich mich von den Kommentaren bestimmt nicht. Im Gegenteil: Es zeigt, dass die Nachricht im Bild-Niveau eher zum Nachdenken anregt, als eine wissenschaftliche Abhandlung. Leider fällt es beim komplexen Thema der Stromwende sehr schwer, auf das genannte Niveau zu kommen, ohne vollständig langweilig zu werden.

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