Autos, Flugzeuge und auch Kraftwerke sind im Prinzip nichts anderes als komplexe Maschine, die sich aus Millionen von Einzelteilen zusammensetzen.  Jedes Bauteil hat eine maximale Dauer, bevor es ermüdet und letztendlich versagt. Durch sogenannte Vorausschauende Wartung (engl: Predictive Maintenance) versucht man dem Defekt zuvor zu kommen und tauscht das Teil aus, bevor es ermüdet. Beim Auto geschieht dies im Rahmen des Kundendienstes. Bei einem Kraftwerk parallel zu den geplanten Revisionen/Abschaltungen.

Wird ein Bauteil ausgetauscht, dann ist die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Materialversagens am Anfang recht hoch – und natürlich am Ende (vergl. Wikipedia „Ausfallverteilung„). Zeichnet man diese Verteilung auf einer Kurve auf, so sieht diese ähnlich einer Badewanne aus (mit zwei Rändern).

einschraenkung_steinkohleWie bereits berichtet steigt aktuell die Ausfallrate deutlich an. Deutlich stärker, als in den vergangenen Jahren. Hauptverursacher sind Kraftwerke mit dem Energieträger Steinkohle. Ein Effekt, der zumindest zum Teil durch die Badewannenkurve erklärt werden kann.

Ausfallkurven der einzelnen Energieträger

In den Sommermonaten haben viele Unternehmen Betriebsferien. Die Produktion wird heruntergefahren, wodurch auch der Bedarf an Strom insgesamt zurück geht. Zeit, um eine geplante Wartung oder Revision bei einem Teil der Kraftwerke durchzuführen.

Im Herbst, nach den Revisionen, ist die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls höher, als in den Wintermonaten.  Bei der 3 Jahres-Grafik für die Steinkohle-Verstromung kann man diesen Effekt sehr schön sehen. Ein erneuter Spitzenwert wird kurz vor der nächsten Revision erreicht (Monate März/April).

Soweit das Lehrbuch – Schaut man zum Beispiel die Auswertung der Stromerzeugung aus Gas an, ergeben sich sehr viel längere Zyklen, die sich zumindest aktuell auf einem rückläufigen Niveau befinden. Dies ist in sofern nicht weiter verwunderlich, da das Komplexitätsniveau eines Gaskraftwerks deutlich geringer ist, als die anderen Kraftwerkstypen.

Bleibt zum Abschluss noch ein Blick auf die Braunkohlekraftwerke. Von diesem Kraftwerkstypus gibt es deutlich weniger aktive Blöcke, als bei den anderen Erzeugungsarten. Die 3 Jahres-Auswertung zeigt einen fast gleichmäßigen Verlauf des 30-Tagesschnitts.

Den Beitrag "Ungeplante Nichtverfügbarkeiten und die überlaufende Badewanne im Herbst offline Lesen:

6 Gedanken zu “Ungeplante Nichtverfügbarkeiten und die überlaufende Badewanne im Herbst

    • Danke für die Links! – So langsam muss ich UK wirklich in mein Monitoring aufnehmen. Leider fehlt mir da etwas Hintergrund zu den Regularien/Marktverflechtungen, so dass ich nicht darüber berichten kann. Wie schaut es bei Dir aus? (Gastbeitrag?)

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  1. Hallo!

    Nein, ich blicke da auch nicht durch und kann lediglich Nachrichtenmeldungen weitergeben.

    Heute zB. kostet Spitzenlaststrom fuer morgen( Freitag, 17.10.2014, 18-19 Uhr) satte £120.-/MWh im UK-Markt:

    https://www.apxgroup.com/market-results/apx-power-uk/dashboard/

    Morgen geht ein AKW planmaessig in Reperatur/Revision, also es sind dann 58% der AKW Kapazitaeten off-line.

    Dagegen kostet der Strom in D zur gleichen Zeit (19-20 Uhr, eine Stunde Zeitverschiebung via UK) nur € 53.-/MWh

    Rechnen wir das um dann ist der Strom im UK pi mal Auge rd.
    300% teurer.

    Die britische Netzbehoerde geht bei ihren Zukunftsplanungen von 6/2014 davon aus dass das UK diesen Winter noch 6% Kraftwerkskapazitaeten in Reserve hat, im naechsten Winter nur noch 2%

    https://www.ofgem.gov.uk/ofgem-publications/88523/electricitycapacityassessment2014-fullreportfinalforpublication.pdf

    Rechnet aber mit einer AKW-Verfuegbarkeit von 81%
    (Seite 14 unter 1.29).

    Auch wird die freie Importkapazitaet im Schnitt mit 1,25 GW angerechnet (Seite14 unter 1.30)
    Tatsaechlich ist seit dem Sommer das Kabel von Frankreich fast permanent mit 2,5 GW voll ausgelastet, also freie Importkapazitaeten stehen maximal noch aus der Republik Irland zur Verfuegung (0.5 GW).
    Im abzusehenden Krisenfall muss also die Republik Irland die Kolonie Nordirland mitversorgen.

    ———————–

    Hinkley Point macht man so irgendwie billiger, also EDF gaukelt hohe Preise im bestehenden Markt vor und rechtfertigt den Neubau eines AKW als rentabel…..(“ Atomstrom ist sowieso teuer, da machen 2 neue Reaktoren den Braten auch nicht fetter „)

    Oder wie der Uckermarksclown heute sagte:
    “ Wir wollen die Energiewende,wir duerfen die anderen nicht ueberfordern …“

    Das 4. Reich kommt mit der Energiewende und der Atommafia, die anderen Atomlaender sind so pleite die muessen dann fuer Schulden in D deutsche Waffen und EE-Strom kaufen und Kolonien auspluendern.

    Noch was interessantes:

    Mit dem flood tool

    http://www.floodmap.net/

    und der google map finden wir Hinkley Point. Und stellen fest das bei einer Welle von 12 Meter das Teil ueberflutet.
    Bereits bei 5 Meter ist die einzige Zufahrt ueberflutet.

    Historisch verbuergt sind solche Monsterwellen in diesen Fjord fuer das 16. oder 17. Jahrhundert.

    Und es kommt ja sowieso schlimm:

    http://www.natureworldnews.com/articles/9588/20141014/sea-levels-rise-1-8-meters-in-worst-case-scenario.htm

    Ist mir heute wieder schlecht …

    Antworten
  2. PS

    Der britische Kapazitaetsmarkt 2014/15/16 lt. Netzbehoerde OFGEM,schwach kommentiert und nicht recherchiert im Guardian:

    http://www.theguardian.com/big-energy-debate/2014/oct/14/-sp-how-close-uk-power-blackout-energy-data

    PSPS

    Die Importkapazitaet F-UK betraegt 2,5 GW, rechnen tut OFGEM mit einer durchschn. Auslastung von 750MW und kommt so auf eine freie Reserve von 1750MW.
    Und nicht auf 1250 MW wie von mir oben angefuehrt.
    Tatsaechlich ist das Kabel seit Monaten bereits voll ausgelastet.

    Antworten
    • 1000 Dank… Muss mal sehen, wie ich daraus mindestens einen Kurzbeitrag formulieren kann. Die Daten hinsichtlich der Cross-Border-Flows decken sich mit den Daten der ENTSOe. Als Insulaner würde mich das richtig wurmen… und in Deutschland bekommt man davon überhaupt nichts mit.

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