Vor einer Woche gab es (gedanklich) bei blog.stromhaltig eine Stunde Strom geschenkt. Im Gedankenexperiment wurde die Verbraucher/Kunden Seite beleuchtet und ihre Reaktion auf kostenlosen Strom. Der Stromlieferant, der etwas gratis liefert – was er nur bedingt kann. Heute soll vom Erzeuger die Sache noch einmal angedacht werden. 

Das öffentliche Stromnetz ist ein großer Enteignungsapparat, bei dem vieles, was mit anderen werthaltigen Dingen des Lebens möglich ist, in das Land der Liebeleien verbannt wird.

Auch wenn der Stromzähler den Verbrauch in einer Einheit Kilo-Watt-Stunde anzeigt, so zahlt der Stromkunde nicht dafür, sondern für eine Vielzahl von Leistungen und Dienste, die ebenfalls geliefert werden. Was sich hinter dem Begriff „Marktdesign des Strommarktes“ verbirgt ist der Versuch den ganzen Leistungen einen Wert zuzurechnen und einzupreisen.  Ein Spagat von Kostenverrechnungen zwischen Erzeugung und Verbrauch, der den monetären Wert verzehnfacht.

Arbeitsmarkt

stromrechnung_schluesselEntschlüsselt man die Stromrechnung, zum Beispiel mit dem Rechner von blog.stromhaltig, bekommt man zwar einen Namen/Begriff für die einzelnen Posten, aber noch keine Erklärung für die Dienste, die eine solch wertsteigernde Wirkung auf der Stromrechnung entfalten.

Physikalisch wird auch beim Stromnetz für Arbeit bezahlt.  Arbeit kann man eigentlich verkaufen – müsste man denken – entweder als Produkt/Gut das hergestellt wird, oder als Dienstleistung, die erbracht wurde. Das Ergebnis der Arbeit eines Kraftwerkes ist jedoch kein Produkt/Gut, für das ein Stromkunde bereit ist Geld zu zahlen. Stromkunden gibt es dennoch…  

Handel

Stellt ein Unternehmen ein Produkt für den Massenmarkt her, dann wird es nur selten an den Endkunden direkt ausliefern. Händler übernehmen die Funktion aus einer Palette des Produktes eine Verbrauchsgröße zu machen und es in die Nähe des Kunden zu bringen. 

Die richtige Spannung zur richtigen Zeit, mit der richtigen Frequenz, Leistung – so wird aus dem Ergebnis der Arbeit von Kraftwerken im Netz ein Produkt, welches an Endkunden geliefert werden kann. 

Strombörse 

eexDer Endkunde kann an der Strombörse keine Stunde Strom kaufen, da dort kein Produkt Strom gehandelt wird. Es fehlt die räumliche Transformation (Lieferung) sowie die zeitliche Transformation (Menge/Zeit).  Das Modell der Preiszonen (vergl. Beitrag bei Next-Kraftwerke) würde helfen einen Teil des Problems zu lösen. Ein Erzeuger kann dennoch nicht direkt mit dem Verbraucher einen Liefervertrag eingehen.

Eine Möglichkeit der Schenkung, die tatsächlich funktionieren würden, ist eine 1 MWh Batterie (Größe eines Containers) auf einen Sattelschlepper zu packen, die an der Börse gekaufte Mega-Watt-Stunde direkt beim Kraftwerk abzuholen und dann eine Insel mit Strom zu versorgen… 

Enteignung

Die Verordnung über den Zugang zu Elektrizitätsversorgungsnetzen (Stromnetzzugangsverordnung – StromNZV)  und die Verordnung über die Entgelte für den Zugang zu Elektrizitätsversorgungsnetzen (Stromnetzentgeltverordnung – StromNEV) sind als ungleiches Ehepaar sowohl Fluch als auch Seegen der Stromkunden.  Die eine, versucht die physikalischen Grenzen des Allgemeingutes Stromnetz aufzudröseln, die andere ist eine Vollblut-Kapitalistin.

 

dem_deutschen_volkeKomisch ist, dass bei der Flickschusterei rund um ein Strommarkt-Design selten eine Forderung zur Scheidung im Namen des Volkes beantragt wird, sondern lieber über EEG/AusglMechV oder sogar neue Dreamteams diskutiert wird.

Reformation oder Revolution

Produktmanager bei einem Stromkonzern muss der langweiligste Job auf Erden sein. Mein Kunde darf nicht einmal halb soviel Intelligenz besitzen, wie der Zähler im Schrank. Kommuniziert wird per Stromrechnung, die durch Verordnungen und Gesetze weltfremder als die Begründungen des Finanzamtes auf der Steuererklärung ist. Das Produkt – vereinfacht bis zur Unkenntlichkeit. Für 90% des zu zahlenden Betrages des Kunden verpufft die Wertschöpfung.

 

Das Kraftwerk, der Erzeuger, der die bittere Pille schlucken muss, dass er zwar als Produkt seiner Arbeit Strom auf den Markt wirft, dies aber etwas anderes ist, als  die Kunden später geliefert bekommen, die auch für Strom zahlen.

Strom beim Erzeuger ist Mineralöl.
Strom beim Verbraucher ist Nivea Creme.

Nur der Eigenverbraucher schafft es auch Mineralöl zu nutzen, seinen Verbrauch an dem Dargebot auszurichten und seinem direkten Nachbar etwas zu schenken. Sobald das öffentliche Stromnetz dazwischen ist, keine Batterie per Sattelschlepper das Ergebnis der Arbeit transportiert, gibt es bei Strom keinen Besitz und kein Eigentum.

Stadtwerker sprechen bereits seit einigen Jahren von einer zunehmenden Planwirtschaft im Stromnetz. Mit freiem Markt hätte die Stromversorgung der Bevölkerung nur wenig zu tun. Den Stromkunden scheint dies nur bedingt zu stören, und die Kleinerzeuger schlummern auf dem Renditepolster.

Make Love not and Power

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