Am 15. Oktober 2014 haben die Übertragungsnetzbetreiber mit dem Segen der Bundesnetzagentur die EEG-Umlage für das kommende Jahr bekanntgegeben:

Die EEG-Umlage für nicht privilegierten Letztverbraucherabsatz beträgt für das Jahr 2015  6,170 ct/kWh. (Quelle)

„Wieso? Weshalb? Warum? – Wer nicht fragt bleibt dumm. “ (Audiovisualisierung). Jeder Stromkunde – und damit alle Verbraucher – sind verpflichtet diese Kosten zu zahlen. Im Gegensatz zu einer Steuer, ändert sich die Höhe der Umlage pro Jahr. Grundlage sind Berechnungen und Prognosen, die sich entlang eines Rechtesystems in der AusglMechV befinden.

blog.stromhaltig hat bei der Bundesnetzagentur angefragt, ob etwas mehr Hintergründe geliefert werden können. Die Leser des Blogs können nun ihre Verständnisfragen zur Berechnung des EEGs einsenden.

Quellen der EEG Berechnung

Auf der Transparenzseite kann man recht gut die Werte für die Berechnung des Jahres 2013 und 2014 vergleichen. Es fällt auf den ersten Blick auf, dass für die Berechnung der „Jahresprognose zur EEG-Stromeinspeisung“ ein neues Unternehmen beauftragt wurde.

Die r2b energy consulting GmbH wurde ersetzt durch das Leipziger Institut für Energie GmbH. In beiden Fällen ein in Haftung beschränktes Unternehmen der Privatwirtschaft zu nehmen erscheint einleuchtend, möchte man doch das Risikos einer Klage im Falle einer groben Fehlprognose nicht an den Steuerzahler übertragen, wie es bei der Beauftragung einer Hochschule vielleicht der Falle gewesen wäre.

Wirtschaftlich solides Handeln ist der Energie GmbH aus Leipzig in die Wiege gelegt. Über den Aufsichtsratsvorsitzenden Dr. Thamer, der wiederum Geschäftsführer der TuTech GmbH ist, die wiederum Gesellschafterin der Energie GmbH, wurde geschrieben:

Der Erfolg von TuTech ist vor allem Dr. Helmut Thamer zu verdanken, Geschäftsführer von  Beginn an. Als gelernter Physiker waren und sind Sie, Herr Dr. Thamer, auch der Mann, der die Idee hatte und das Konzept entwickelte. Dass von Beginn an schwarze Zahlen geschrieben wurden, ist der beste Beweis, dass es ein gutes Konzept war. (Quelle)

In diesem Jahr wurde eine neue Studie hinzugefügt, die den Marktwert des in Deutschland erzeugten Stromes ermitteln soll.Das Beratungshaus  Energy Brainpool GmbH & Co. KG wurde gefragt. Ob es bei dieser Entscheidung eine Ausschreibung gab, oder nicht, ist eine der Fragen, die man der Bundesnetzagentur stellen könnte.

Geschäftsführer bei Energy Brainpool ist unter anderem Tobias Federico über den die Kollegen von E&M schrieben:

… mit seiner eigenen Firma Energy Brainpool mit Sitz in Berlin aktiv und sagt täglich die Preisentwicklung an der Leipziger Strombörse EEX voraus…. (Quelle)

Wie kaputt ist eigentlich der Strommarkt, dass man jemanden beauftragt den Marktwert zu bestimmen, der sein Geld damit verdient, täglich in die Kritallkugel zu schauen? Das Ergebnis dann verwendet, um just diese Preise festzuschreiben.

Mit Zahlen rechnen

Bei den Fragen an die Bundesnetzagentur soll es weniger um die beauftragten Unternehmen gehen. Zahlen hinterfragen.

So zahlen wir im kommenden Jahr mehr als 192 Millionen Euro für Profilservicekosten. Wer aus aktuellem Anlass an Messung der Profiltiefe bei Autoreifen denkt, liegt wahrscheinlich falsch. Wahrscheinlich handelt es sich um die Kosten zum Ausgleich von Prognosefehlern, die nicht vom Verursacher (Netzbetreiber), sondern vom Verbraucher zu zahlen sind. Ein Posten, der um 26 Millionen (~ 16%) teurer geworden ist.

Die Vermarktung des Stroms auf einem Energy-Only-Markt (vergl. Hybridmarkt-Modell) wirft immer weniger ab. Die Hochrechnung gehen von einem dicken 300 Millionen Euro Minus aus. Warum? Vielleicht, weil der Verbrauch von elektrischer Energie im kommenden Jahr zusammenbricht.

2014: 370.260.447 MWh
2015: 350.595.295 MWh  (ca. -20 TWh / 5,4%)

Deutschland verbraucht immer weniger Strom – aber ein Rückgang von 5,4% in einem Jahr? Das sind neue Einsparungsziele…

Werden diese durch wissenschaftlichen Vorsprung in der Elektrotechnik bestätigt, dann müssen wir in den kommenden Jahren mit weiter steigender EEG-Umlage rechnen, denn weniger Stromverbrauch erhöht die Umlage.

EEG hinterfragt

In den kommenden Tagen werden die Fragen, die per Mail, Kommentar oder (wie meistens) per Telefon ankommen gesammelt und dann an die Bundesnetzagentur weitergegeben.

Stay tuned…

Den Beitrag "Eingeladen, zu hinterfragen - Berechnung der EEG Umlage 2015 offline Lesen:

8 Gedanken zu “Eingeladen, zu hinterfragen – Berechnung der EEG Umlage 2015

  1. Wenn eine Agentur die andere Agentur mit Aufträgen versorgt ist das ein normales Handelsgeschäft . Wo ist den da der Staat?

    Antworten
  2. Pingback: Wie wird die EEG Umlage berechnet? | Ökoheizstrom - CO2 neutral heizen

  3. Sehr geehrter Herr Zoerner,
    mit Befremdung haben wir in Ihrem Artikel den Beitrag betreffend unser Unternehmen gelesen. Die von Ihnen aufgeworfenen Fragen lassen sich durch ein wenig Recherche leicht beantworten und Ihre subtilen Unterstellungen leicht entkräften.
    Detaillierte Informationen zum Verfahren finden Sie unter:
    http://www.netztransparenz.de/de/EEG-Umlage.htm

    Die Berechnung der EEG-Umlage erfolgt seit Einführung 2010 durch Institute im Auftrag der Übertragungsnetzbetreiber. Die Aufträge für die mit der Berechnung beauftragten Institute werden per Ausschreibung vergeben. Seit 2011 werden 3 Lose vergeben, u.a. auch die Ermittlung des Marktwertes der deutschlandweiten Stromerzeugung aus regenerativen Kraftwerken. Dies erfolgt also nicht wie behauptet erst seit diesem Jahr. Seit über 10 Jahren sind wir als Analyse- und Beratungshaus am Energiemarkt anerkannt und konnte bereits viermal ein Los der EEG-Umlageberechnung per Ausschreibung gewinnen. Eine unserer Kernkompetenzen sind kurz- und langfristige Preisprognosen basierend auf wissenschaftlichen, mathematischen Marktmodellen. Die EEG-Umlage soll die Differenz zwischen dem tatsächlichen Großhandelspreis des Stroms und den Einspeisevergütungen ausgleichen. Da sie aber im Gegensatz zu den Großhandelspreisen für das nächste Jahr im Voraus festgelegt wird, ist eine bestmögliche Prognose der Großhandelsstrompreise und damit der zukünftigen Marktwerte erneuerbarer Energien mitbestimmend für eine genaue Berechnung. Eine Beauftragung unseres Unternehmens sowie der anderen beteiligten Institute mit entsprechender Fachexpertise ist also nicht skandalös sondern logisch. Dies hat jedoch in keiner Weise Einfluss auf die tatsächlich im kommenden Jahr entstehenden Großhandelspreise.
    Eine detaillierte Beschreibung der Einflussfaktoren und Zusammenhängen finden Sie auch in unserer Studie „Warum steigt die EEG-Umlage in 2014?“ (http://www.gruene-bundestag.de/fileadmin/media/gruenebundestag_de/themen_az/energie/EEG-Umlage_2014.pdf)

    Ich hoffe, ich konnte Ihre offenen Fragen beantworten. Gerne stehen wir Ihnen auch in Zukunft als kompetenter Ansprechpartner zu Ihren Fragen betreffend Energiemarkt und –preisen zur Verfügung.
    Mit freundlichen Grüßen,
    Tobias Kurth

    Antworten
    • Sehr geehrter Herr Kurth,

      ihre Ausführungen hinterlassen einen seriösen Eindruck auf mich. Vielleicht können Sie einen weiteren Einblick erlauben. Nach welchem Verfahren werden denn diese Lose verteilt? Es wird ja mit einem Zwinkern geschrieben keine Glücksfee nach dem Zufallsprinzip ziehen. Ist dieses Verfahren transparent?

      Mit freundlichen Grüßen
      Kilian Rüfer

      Antworten
  4. Gibt es eine gesetzliche Grundlage dafür oder hat die Bundesnetzagentur das Verfahren zur Berechnung der EEG-Umlage selbst festgelegt? Der Link zeigt mir nur die Studien der verschiedenen Institute, aber nicht die Grundlage dafür. Das würde mich interessieren. Die Arbeit der einzelnen Institute möchte ich damit aber nicht anzweifeln

    Antworten
  5. Sehr geehrter Herren,
    vielen Dank für Ihre Nachfragen. Gesetzliche Grundlagen für die Berechnung der EEG-Umlage sind die Ausgleichsmechanismusverordnung – AusglMechV (http://www.gesetze-im-internet.de/ausglmechv/BJNR210100009.html) und die Ausgleichsmechanismus-Ausführungsverordnung – AusglMechAV (http://www.gesetze-im-internet.de/ausglmechav/BJNR013400010.html). Darüber hinaus erfolgt die Ausschreibung durch die Übertragungsnetzbetreiber gemäß geltendem Recht für Ausschreibungen und firmeninternen Compliance Regeln (Bsp.: http://www.amprion.net/compliance). Die Glücksfee ist mir hierbei noch nicht begegnet ;-).
    Tobias Kurth – Energy Brainpool GmbH & Co KG

    Antworten
    • Hallo Herr Kurth,

      im Verhaltenskodex der Amprion findet sich folgende Referenz für Beraterverträge:

      Beraterverträge nur mit Personen oder Gesellschaften geschlossen werden, die ihre Qualifikation nachollziehbar zur Entwicklung von Amprion beitragen können.

      Wird diese Auflage erfüllt, so ist die Frage, wie die an der Berechnung der EEG-Umlage beteiligten Unternehmen nachvollziehbar zur Entwicklung der Amprion beigetragen haben.

      Leider kommen wir dem Thema, wie die Beauftragung für eine solch politisch brisante Prognose gelaufen ist, nicht wirklich näher.

      Wahrscheinlich wird entweder die BNetzA – oder die 4 TSOs hierzu konsultiert werden müssen.

      Gruß,
      Thorsten Zoerner

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