Eine nicht ganz unwichtige Frage, wenn es um die Dimensionierung einer sogenannten Plug&Play Solar-Anlage geht.

Solarsteckdosensystem für jedermann, auch für Mieter lautete der Titel des 6. Metropolsolar Energiegespräches in Mosbach. Der generellen Vorstellung der Technik und der Unterschiede zum klassischen Solardach, folgte eine VorOrt-Besuch bei Oma Christine (ich darf sie noch ein paar Tage so nennen :) ), die zusätzlich zur Bestandsanlage nun auch eine Mini-PV Anlage besitzt. Schon im allgemeinen Teil wurde klar: Allgemeine Aussagen zur Größen und zum Nutzen einer solchen Anlage können kaum gemacht werden.

Das besondere an den auch Guerilla PV genannten Geräten ist, dass der Strom ausschließlich für den Eigenverbrauch bestimmt ist. In das Netz sollte und darf kein Strom eingespeist werden. Im Betrieb bedeutet dies, dass zu keinem Zeitpunkt mehr Strom erzeugt werden darf, als vom Anschlusspunkt (Haushalt) gerade verbraucht wird.

Eine Mini-PV Anlage wird dabei an eine (Solar-)Steckdose fest angeschlossen. Dies bedeutet, dass sie auch nur auf einer Phase einspeisen wird. Die Verbraucher eines Haushaltes sind allerdings auf alle 3 Phasen  gleichmäßig verteilt. Bislang ist dies kein Problem, da die verbauten Zähler in Deutschland eine Summe für den Verbrauch ermitteln. D.h. wird von der PV-Anlage mehr Strom eingespeist, als auf der gleichen Phase entnommen wird, dann wird der Zähler die Summe des Verbrauchs richtig bilden.

Beispiel:
L1 (mit Mini PV) = – 120W
L2 = +80W
L3 = +50W
= Summe = +10W

Zähler dreht sich weiter wie bei einem Verbrauch von 10W. Verändert sich nichts über eine Stunde, so wird ein Verbrauch von 10Wh auf dem Zähler sein.

Auch wenn es im Verhältnis zum gesamten Stromverbrauch in Deutschland – oder innerhalb eines Verteilnetzes – um sehr geringe Beträge geht, so sollte man nicht unterschlagen, dass man dennoch vom Netz die Dienstleistung der „Phasenschiebung“ eingekauft hat. D.h. irgendwie muss es dem öffentlichen Stromnetz gelingen den Verbrauch auf den einzelnen Phasen wieder gleich zu bekommen.

Für heute reicht es, wenn die Summe einen Wert von größer 0 zeigt. Benötigt wird der minimale Stromverbrauch aller Elektrogeräte im Haushalt. In anderen Worten der geringste Stromverbrauch, der ohne Anlage aus dem Netz genommen wird. Die Einheit hierfür ist Watt! Nicht Wattstunde! – Ohne eine Speichertechnik ist dies von der Mini-PV Anlage als maximal mögliche Erzeugung anzusetzen.

Je nach Art und Anzahl der Standby-Geräte ist die Grundlast sehr unterschiedlich. In der Casa Stromhaltig  liegt er bei 90 Watt. Wobei unser Mieter einen Wert von 28 Watt hat. Eine maximale Anlagengröße von 90 Wp ist ziemlich klein… Der Durchschnitt über viele Haushalte dürfte deutlich höher liegen. Geschätzt bei einem 3-4 Personen Haushalt bei 130-180 Watt.

Ein gerne gemachter Fehler ist die Messung direkt an den Verbrauchern durch Zwischenstecker mit Energiemessfunktion. Damit werden gleich zwei Fehler auf einmal gemacht. Zum einen wird vergessen, dass 20% des Gesamtstromverbrauchs und ein deutlich höherer Anteil der Grundlast durch Geräte verursacht wird, die keinen Stecker haben. Zu diesen Geräten zählen Heizungsventile oder die Türklingel. Zum anderen werden die Eigenschaften der Geräte nicht beachtet. Steckt man zum Beispiel einen Zwischenstecker bei einem Kühlschrank ein, so wird dieser bei der Rückkehr des Stroms zunächst die Temperatur anfangen zu regeln (abkühlen). Der notwendige Kompressorlauf führt zu einem höheren Verbrauch als beim „Leerlauf“.  Der Kühlschrank in der Casa Stromhaltig verbraucht am Tag etwa 500 Watt-Stunden macht einen durchschnittlichen Verbrauch von 20,83 Watt. Im Leerlauf werden aber tatsächlich nur 3 Watt aus dem Netz entnommen.

Eine Bestimmung der Grundlast ist somit nur direkt am Zähler bzw. im Zählerschrank möglich. Leider bieten nur sehr wenige Smart-Meter (inkl. Portale) die Möglichkeit die minimale Leistungsaufnahme auszulesen. Bei selbst gestrickten Lösungen wie der Volkszähler lässt sich dieser Wert direkt ablesen.

Leider bei der Veranstaltung etwas zu kurz gekommen ist die Vorstellung der neuen Plug-And-Play Speicher. Speichersysteme, die einen eigenen Wechselrichter haben und ebenfalls an eine (Solar-)Steckdose angeschlossen werden können. Auf Rückfrage wurde erklärt, dass über PowerLine der Speicher von dem Wechselrichter aus den Modulen „informiert“ wird, wenn mehr Strom erzeugt wird, als für die Grundlast benötigt wird. In diesem Fall wird dieser Strom gepeichert und sobald die Module wieder weniger erzeugen, zurück gespeist.

In Falle der Verwendung eines solchen Speichers wird es natürlich noch etwas spannender, denn wenn die Kommunikation wirklich auf die Grundlast allein ausgelegt ist, dann muss der Speicher so dimensioniert werden, dass er niemals „Voll“ werden kann. D.h. für die 12 Stunden ohne Sonnenstrom je Tag die Grundlast aufnehmen kann.

Nach meinem Verständnis ergibt sich für die Grundlast von 90 Watt somit folgende Berechnung:

Benötigter Strom in 24 Stunden: 24*90 = 2.160 Wh
Für maximal 12 Stunden Vollast am Tag: 180Wp
Minimaler Speicher: 1080 Wh

Deutlich optimieren könnte man dieses System, wenn der Speicher direkt mit dem Entnahmezähler kommunizieren würde, d.h. von dort die Info bekommen würde, wie hoch tatsächlich der Verbrauch ist. Damit rechnen sich auch deutlich größere Mini-PV-Anlagen mit Speicher…

Den Beitrag "Wie hoch ist eigentlich Ihre Grundlast? offline Lesen:

5 Gedanken zu “Wie hoch ist eigentlich Ihre Grundlast?

  1. Also wenn du Christine als „Oma“ bezeichnest, wäre es vielleicht besser wenn du „nicht“ zum 5. MPS Energiegespräch kommst!
    http://www.sonnenfluesterer.de/2014/09/5-mps-energie-gespraech-bergstrasse/
    Denn bevor du „Opa“ zu mir sagst, was ich nachweislich noch nicht bin, sollst du lieber bleiben wo der Pfeffer wächst.
    Solltest du dich aber für den Stromspeicher interessieren, dann komm denn an der Bergstraße wird der Strom auch gespeichert…
    Bitte anmelden nicht vergessen!

    Antworten
  2. Ich denke das Hauptproblem bei der Einspeisung mittels GuerilliaPV ist nicht technischer Natur sondern ökonomischer. Verfügt der Zähler über eine Rücklaufsperre, ist zumindest das größte ökonomische Problem gelöst. Man ist zumindest schon mal vor Betrugsvorwürfen usw. sicher, da der bezogene Strom auch immer bezahlt wird.

    Allerdings schreibt auch jeder Netzbetreiber mit seinen TAB (Technische Anschluß Bedingungen) vor, was auf welche Art angeschloßen werden darf. Hierbei wird geregelt, wie Verbraucher anzuschließen sind (auf welcher Seite des Zählers und hinter welcher Art Sicherungen usw.) aber eben auch wie Erzeugungsanlagen anzuschließen sind. Es wird sogar geregelt, welche Abstände in welche Richtung Schaltschränke und -kästen haben müssen.
    Ich kenne zwar nicht von jedem einzelnen Netzbetreiber die TAB, aber es würde mich sehr wundern, wenn irgendeine davon den Anschluß einer GuerilliaPV (alleine) erlauben würde, denn in aller Regel sind recht pauschal „Erzeugungsanlagen“ geregelt, sowie im speziellen noch „Photovoltaikanlagen“.
    Das Minimum worauf es hinauslauft ist meistens ein Zweirichtungszähler. Zumeist müsste der Wechselrichter wohl auch eigens abgesichert sein und kein Verbraucher zwischen dieser Sicherung und dem Wechselrichter liegen.

    Um eine GuerillaPV konform zu den TAB zu betreiben muss man also ein wenig mehr Aufwand betreiben und hat i.a. auch nochmal ein paar mehr Kosten. (Zählertausch bei meinem Netzbetreiber ~70€ …Kabelziehen, Sicherung kann jeder selbst rausfinden.)

    Spätestens wenn aber Konformitätserklärung und Unbedenklichkeitsbescheinigungen in der TAB gefordert werden (was eigentlich auch immer der Fall ist), wird man kaum darum herumkommen mit dem Netzbetreiber zu reden und auch etwas Papier zu produzieren … und da wird es dann richtig Lustig, zumindest für den Guerilla, der Netzbetreiber findet das sicher gar nicht witzig.
    Es läuft letztlich auf das selbe Procedere wie bei großen Anlagen hinaus. Der Witz ist aber, der netzbetreiber muss das machen und auch die Kosten dafür tragen. Solche „Mickeranlagen“ sollten i.a. aber unbedklich sein, kaum Vorstellbar, dass sie das Netz am (Haus-)Anschlußpunkt überlasten könnten, alleine die Toleranzbereiche sind hier schon um einiges größer. Und selbst wenn es bedenken gäbe, hätte es bis dahin keine Konsequenzen, der Netzbetreiber müsste einen anderen Anschlußpunkt nennen und das alles noch kostenfrei … nur die Leitung zu dem Anschlußpunkt müsste man dann auf eigene Kosten verlegen, oder das Projekt aufgeben.

    Also leute, immer schön brav die TAB besorgen, nachsehen was technisch gemacht werden muss und auf *jeden Fall* dem Netzbetreiber eine Netzverträglichkeitsprüfung abverlangen, dann seid ihr auf der sicheren Seite, der Netzbetreiber hat das nachsehen … bis er z.B. in seinen TAB ein vereinfachtes Verfahren für „Kleinstanlagen <0,5 KW" einführt.

    Und wenn man diese Programm durchgezogen hat, dann kann man auch gleich noch der BNetzA die Anlage melden und das Papier für einen Einspeisevertrag mit der Netzbetreiber abschließen … der wird sich gleich nochmal darüber freuen, dass er auch die Vergütung noch verwalten darf …

    Und wenn das geschafft ist, dann kommt das was tatsächlich Spaß macht … das Papier für's Finanzamt ausfüllen, die Kleinunternehmerregelung *nicht* in Anspruch nehmen und erstmal die 19% Mehrwertsteuer für die GuerillaPV verlangen … immerhin etwa ein Hunni bei so einem 150-200 Watt Dingens.
    (Dannach muss man allerdings immer brav seine Mickerumsätze melden … aber egal, auch das würde ich machen, wie "die Großen".)

    Ich finde den Spaß sollten sich mal ein paar Tausend Leute queer durchs Land machen, nur um zu sehen was dann passiert. 😉

    Nachdem sich so eine kleine PV nur schwerlich rechnet, macht man sowas ja ohnehin mehr aus Spaß an der Freude und wenn man es aus dem Grund macht, kann man es ja auch komplett Rechtskonform machen, kostet kaum Geld, aber etwas Engagement.

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  3. Wie schon bei dem „Energie Gespräch“ MPS Energie Gruppe Bergstraße am 28. August in Heppenheim angesprochen, ist ein einfaches „Plug-andPlay von irgendwelchen „Balkon PV“ nicht möglich, bzw. hätte ein veralteter Stromzähler keine „Rücklaufsperre“, würde der nicht selbst genutzte PV-Strom den Zähler rückwärts laufen lassen.

    Nun ja, wie auch immer das tatsächliche Interesse an PV-Anlagen heute sein mag, wer elektrotechnischer Laie ist – und das dürften die allermeisten wohl sein – hat keinerlei Ahnung von TAB, VDE und ähnlichem Material. Begreift rein garnix was über den „sichtbaren Teil“ bei Steckdosen und Schaltern hinausgeht. Weiß doch nur in seltenen Fällen wo sich überhaupt „sein“ „ihr“ Zähler befindet. Nachdem seit sehr langer Zeit selbst recht komplexes Installationsmaterial in Baumärkten „völlig frei“ auch für jeden selbsternannten Elektriker zu haben ist, wird auch der lebensrettende Teil jener zuvor genannten TAB und VDE-Vorschriften schlicht ignoriert.

    Nun kommen „plötzlich“ diese „Balkon-PV“ hinzu. Es gibt diese Dinger von sehr unterschiedlicher Qualität. Zum Glück – so möchte ich das formulieren – kauft keiner mal so etwas von 500.-€ „aufwärts“. Im Gegensatz zu schnellen Verbreitung von Smartphone & Co wird hier ein echter Nutzeffekt verlangt :roll:

    Erschwert durch die Tatsache, der „Balkon“ selbst sollte wenigstens vorhanden sein, ungefähr gen Süden gerichtet und der Eigentümer der Hütte (bei den Mietern unter den „Interessierten“) sollte damit einverstanden sein, das die „Mietsache“ nun auch für private Stromerzeugung des Mieters dienen soll. Wenn der schon bei einer SAT-Antenne ausgeflippt ist (damit waren alle Gerichtsinstanzen in der Republik jahrelang „befasst“), dürfte die Akzeptanz einer Anlage die wenigsten 1 bis 2m² groß und gut sichtbar sein sollte, allerhöchsten „moderat positiv“ sein.

    Wenn dann auch noch in die E-Installation eingegriffen wird (vom Mieter) also ein „Generator“ statt der üblichen „Verbraucher“ mit der von Vermieter rechtlich zu verantwortenden Wohnungsinstallation „verbunden werden soll“, ist Ärger geradezu vorprogrammiert.

    Die Anzahl von „Mieterhaushalten“ dürfte die der „selbst nutzenden Eigentümer“ deutlich übersteigen. Damit ist der Effekt solche Anlagen auf relativ wenige verlagert. Brennt nur eine Hütte in D mit („wegen“) einer solchen „Balkon-PV“ ab (das bloße Gerücht genügt 😯 völlig), wird Otto und Ottilie Mustermann klar, wie „gefährlich“ PV im allgemeinen und großen Ganzen doch ist.

    Nun müssen „uns“ solch schwermütige Gedanken nicht wirklich interessieren, eher schon gewisse Fakten. Nun um das zu erleichtern habe ich unter [RAINER klicken ! ]„Reif für die Insel“ – dort „Balkonkraftwerk – Mini PV“ versucht schon mal vieles „zusammenzutragen“ was für das Verständnis von Belang sein könnte. Auch wie es mit dem „geldwerten Nutzen“ aussehen mag. Besonders aber (ohne TAB) wie die rechtliche Seite beschaffen ist. Die TAB sind / können von EVU zu EVU unterschiedlich sein, eigentlich genügen die noch immer gültigen „VDE-Vorschriften“ um ins Grübeln zu kommen.

    Im dortigen bislang letzten Beitrag habe ich genügend Links eingebracht, um den kommenden Sonntag zu füllen. Wer – was voraussehbar ist – mich nun in die Schublade „ist gegen „Balkon-PV“ – steckt, hat entweder noch nicht genügend Informationen oder ist zumindest technisch nicht wirklich in der Lage zu verstehen was da rund um die „Balkon-PV“ vorgeht. Dabei ist völlig nebensächlich wie das bei unseren Nachbarn gehandhabt wird, wir Germanen wissen es grundsätzlich besser !

    Ein Link geht noch ! Unter „Vernetzte Verschwendung“ habe ich mich mal mit der häuslichen „Grundlast“ befasst. Mit der quasi „unvermeidlichen“ – es sei denn – man klemmt selbst noch den Zähler vom Ortsnetz ab. Ein ganze Schar von bislang für völlig unschuldig gehaltenen „stillen“ aber „dynamischen Verbrauchern“ lauern in jedem Haushalt.

    Dabei meine ich nichts, was der Verbrauche noch über seien diversen Geräte hinzufügt. Darauf werde ich noch gesondert eingehen – all die Backöfen der Republik, wo ein unscheinbares „Ührchen“ vor sich hin tickt und ähnliche Dauerstromfresser die sich nicht sooo einfach abschalten lassen…..

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  4. Hehe, die lieben Uhren… diese Woche hat Apple damit ja von sich hören lassen, war das Gesprächsthema schlechthin, zumindest bei mir in der Firma. Ich liess die Bemerkung fallen, dass ich seit Jahrzehnten keine Armbanduhr mehr trage, weil ohnehin überall Uhren sind und ich stolzer Besitzer von mehr als zwei Dutzend Zeiteisen bin, auch wenn die alle nur an unscheinbaren Orten ticken.
    Haben glatt einige zu zählen begonnen… nur zu dumm, dass man eine ganze Reihe seiner Uhren gar nicht mehr bewusst wahrnimmt, sie sind einfach da und setzen Dich unter Zeitdruck, ganz ohne dass Du es merkst.
    Bloss nicht laut zählen, sonst ist in 5 Jahren Apple in jeder Ecke Deiner Hütte und Du damit in der iCloud, 24/7 … Widerstand ist zwecklos. 😉

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