Für das Europäische Verbundnetz (ENTSOe) sind die Daten der Übertragungsverluste für Strom im Jahre 2013 veröffentlicht worden. Im Stromnetz der Bundesrepublik Deutschland ist demnach im vergangenen Jahr 18,7% (=516 GWh) aller Übetragungsverluste (2766 GWh) in Europa entstanden. Deutschland nimmt damit den Spitzenplatz nach Menge und Anteil in Europa ein.

loss_de_2013Durch die geografische Lage von Deutschland in der Mitte von Europa und die relativ große Nord/Süd-Ausdehnung sind die Verlustmengen an elektrischer Energie traditionell höher als zum Beispiel in den skandinavischen Ländern. Jedoch zeigen die nun von der ENTSOe vorgelegten Zahlen auch, dass man sich vom Bild der Kupferplatte beim Stromhandel zumindest in Deutschland verabschieden müsste.

Aber die Voraussetzung für ein solches Stromsystem ist der nahezu verlustfreie und uneingeschränkte Stromtransport von A nach B. Dazu müsste das deutsche Stromnetz eine gigantische Kupferplatte sein, idealerweise sogar das gesamte europäische Stromnetz. Diese Kupferplatte gibt es heute nicht. Trotzdem baut das Marktdesign im Stromsektor auf dieser Illusion einer Kupferplatte auf. (Hendrik Sämisch im Blog von Next-Kraftwerke)

loss_de_2013_2Strom, der zwar erzeugt, in das Netz eingespeist, dann aber niemals bei einem (zahlenden) Kunden abgenommen wird, ist eine Verallgemeinerung der Transaktionskosten für den Handel an die Letztverbraucher. Zwar werden Netzengpässe in Mechanismen wie der Preiskopplung (vergl. Beiträge zu PCR) eingepreist – nicht eingepreist werden hingegen die Verlustmengen, die durch einen Transport über weite Strecke entstehen.

Künstlich herbeigeführte Netzengpässe, die letztendlich im Rahmen des Engpassmanagements per Re-Dispatch gelöst werden, bilden einen weiteren Kostenfaktor, der letztendlich durch steigende Netzentgelte oder Infrastrukturumlagen von den Stromkunden zu zahlen ist.

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4 Gedanken zu “Strom 2013: Deutschland Europameister bei den Übertragungsverlusten

  1. man muss den deutschen Anteil an den Übertragungsverlusten natürlich in Relation zur Stromerzeugung insgesamt sehen. Leider ist die ENTSO-E-Seite dazu (https://www.entsoe.eu/db-query/production/monthly-production-for-a-specific-country) ziemlich unpraktisch, weil man gefühlt hundertmal ein XLS downloaden muss, bevor man die Gesamtproduktion kennt. Hab ich aber gemacht.

    Und dann sieht man, dass die Übertragungsverluste *aus Transitgründen* (und das ist das, was das oben referenzierte ENTSO-E-Dokument errechnet hat) europaweit in 2013 bei ca. 0,08% liegt, und in Deutschland (bezogen auf die inländische Produktion) bei ca. 0,10%. Die Zahlen schwanken zwischen den Monaten relativ stark, ob der Unterschied also echt oder zufällig ist, bleibt offen. Es fällt aber auf, dass für Frankreich ein Verlust von nur 0,04% ausgewiesen ist — liegt das daran, dass es keine Starkstromleitungen über die Vogesen gibt? Diese Hypothese wird durch die Zahlen für die Schweiz (Haupttransitland zwischen Deutschland, Frankreich, und Italien) mit 0.62% Transitverlust untermauert.

    Alles in allem interessante Daten, auch wenn ich mir aussagekräftigere Graphen gewünscht hätte. Außerdem halte ich die Analyse für absurd halte: ist Norwegen oder Schweden etwa weniger stark nord/süd-ausgerichtet? Haben Sie die Zahlen aus vergangenen Jahren parat, die die Aussage über die „traditionell“ hohen Transitverluste in Deutschland stützen?

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    • 😉 Tja, an den Graphen arbeite ich noch :)

      Was die Daten für das Jahr 2012 angeht, so habe ich diese zwar einmal gehabt, allerdings scheinbar gelöscht… werde aber versuchen diese noch einmal zu finden. Hatte letztes Jahr leider keinen Blog-Post daraus gemacht.

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  2. Ich denke die (Nord-Süd-)Ausdehnung eines landes ist weniger entscheidend, als die Distanzen, über die der Strom transportiert wird.
    Wenn es z.B. in Norwegen nahe jeder größeren Ansiedlung am Fjord ein leichtes ist, ein schnell regelbares Wasserkraftwerk zu errichten, dann sind die Verluste klar niedrig, weil von der Grund bis zur Spitzenlast alles in unmittelbarer Nähe des Verbruachers erzeugt werden kann … und das ist dort zumeist wirklich so einfach, dass es schon an ein Wunder grenzt, dass es in dem Land überhaupt ein Verteilnetz gibt. 😉

    Nungut, diese Darstellung Norwegens ist schon etwas übertrieben (und trifft so allenfalls auf den Nordend es Landes zu, wo kaum Menschen leben), aber es trifft den Kern der Geschichte, die Netz- und Kraftwerksstrukturen und -verteilung der einzelnen Länder sind schwerlich vergleichbar.

    Auch das zentralistische Frankreich (35 Städte mit >100k Einwohner und eine 10 mio. Metropole, 3 Städte >1 Mio.) dürfte sich ganz anders versorgen, als Deutschland (76 Städte >100k Einwohner, 4 Städte >1 Mio.)

    Ganz abgesehen davon darf die Sinnhaftigkeit des Verfahrens, wie ENTSOE die Verluste bestimmt, anzweifeln. Wenn ein Land wie Rumänien in ganzen elf Monaten *negative* Verluste in seinem Stromnetz hat, dann wohnen dort entweder besonders viele Leute die ihren Zähler (mit PV oder Dieselgeneratoren) rückwärts laufen lassen oder das Bestimmungsverfahren hat gravierende Fehler und Schwachstellen.
    Mit physikalischen Verlusten in der Leitung hat das sicher weniger zu tun, als damit dem komplexen System krampfhaft einen markt übergestülpt zu haben. Ich denke nicht, dass dieser „Markt“ in der Lage ist, die Menge an erzeugter Regelenergie oder abgenommener Regelenergie korrekt zu bilanzieren. Dieser „Parrallel-Markt“ mit der Regelleistung erzeugt und/oder vernichtet Energie in Mengen, die keiner mehr genau bestimmen kann, die aber alles andere als unerheblich sind.

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  3. die angaben verstehe ich nicht.

    sind die übertragungsverluste nicht das gleiche wie die netzverluste, wie man sie bei eurostat finden kann?

    in folgender tabelle die indic_nrg auf netzverluste umstellen:

    http://appsso.eurostat.ec.europa.eu/nui/show.do?dataset=nrg_105a&lang
    =de

    dann hat deutschland so pi mal daumen rund 25TWh netzverluste jedes jahr. so rund 4 bis prozent vom bruttostrom. tendenz: eher sinkend. frankreich deutlich höher als deutschland bei weniger strombereitstellung…

    daher nochmals gefragt: übertragungsverluste und netzverluste sind nicht das gleiche?

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