Kann sich noch jemand an die letzte Sonnenfinsternis 1999 in Deutschland erinnern? Damals ist noch die Concorde geflogen und etwa 300 Passagiere konnten die Sonnenfinsternis 3-4 mal länger erleben, dank zweifacher Schallgeschwindigkeit.

SPON hat Angst, dass die untertägige Verdeckung der Sonne zu einer Belastung der Stromversorgung führt. Milk-The-Sun erkennt bereits, dass Sonnenstrom wichtig, aber nicht einzige Energiequelle in Deutschland ist. Doch es gibt noch ein paar andere Dinge…

Im Jahre 1999 hatten wir in Deutschland bereits eine totale Sonnenfinsternis, welche gut protokolliert werden konnte. Kommendes Jahr im März, wird zwar der Halbschatten eine deutlich breitere Fläche überdecken, jedoch kann man aus den damals gemachten Erfahrungen lernen.

Würde tatsächlich von einer auf die andere Sekunde in Deutschland die Sonne ausfallen als Energiequelle, dann würde dies ein Problem sein. Dem ist allerdings nicht so. Der Schatten wird sich innerhalb von einigen Minuten über Deutschland bewegen. Durch den Verlauf kommt es zu einer zunehmenden Verdunkelung, allerdings nicht zum Vollschatten wie im Jahre 1999. Von Freiburg bis Rostock dauert es einige Minuten, bei einem ohnehin recht langsamen Verlauf.

Veränderungen im Strombedarf – oder in der Stromerzeugung – werden bei einem normalen Betrieb durch die sogenannte Regelleistung abgefangen. Berechnet man die Verschattung von Deutschland auf der einen Seite und die daraus resultierende Mindereinspeisung, so reicht die Dimensionierung aus, um vollständig dieses Himmelsspektakel abzufangen.

Da aber auch der Markt weiß, dass an diesem Tag die Sonnenfinsternis kommt, wird es auf dem Spotmarkt bereits ein geringeres Angebot an Strom geben aus der Direktvermarktung und den EEG-Strommengen. Der Preis am Spotmarkt steigt, bis es rentabel wird für zum Beispiel Gas-Kraftwerke ein Angebot abzugeben und zu liefern.

Man macht sich wirklich Sorgen, ob der SPON Beitrag von einem Journalisten stammt… – aber um die Stabilität des Stromnetzes am 20.03.2015 mach ich mir keine.

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6 Gedanken zu “Sofi2015 und die Panikmache – Aus SPON wird SPOFF

  1. Hier wird wieder mal mächtig Panik gemacht, die längste partielle Sonnenfinsternis war am 20.06.1955 auf den Philippinen und dauerte gerade mal 7 Minuten und 8 Sekunden. Und da will man uns glaubhaft machen, die nächste Sonnenfinsternis am 20.03.2015 gefährdet unsere Stromnetze. Ich glaube wohl kaum, wir haben im Jahr 2013 ca. 33 TWh (Terra Watt) in Ausland exportiert. Da man heute das genaue Datum schon weis bleibt genügend Vorbereitungszeit um während der Sonnenfinsternis einen kurzfristigen Leistungseinbruch von PV Anlagen abzufangen.

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  2. Wie wurde die Verschattung und davon betroffene PV-Leistung genau errechnet?

    Mit meinem schnellen Überschlag für eine *totale Sonnenfinsternis* über DE (Kernschatten als Kreis mit ~270km Duchmesser) komme ich auf ~5 GW(p) bei gleichverteilung aller PV Anlagen über das ganze Land … da letzteres nicht der Fall ist, könnte eine über Süddeutschland ziehende Sonnenfinsternis auch gut 8-9 GW(p) verdecken. (Bayern hat 12,5 GW Photovoltaik und könnte nahezu komplett verdeckt werden.) Aber peakleistung ist ja nicht Einspeisung, rechnen wir als maximale Einspeisung mal maximal 70% Peak.
    Bedenkt man, dass nicht nur im Kernschatten die Erzeugungsleistung abfällt, könnten bei totaler Finsternis mit schönstem Wetter so schon zu 6 GW Einspeisung fehlen …

    Aber auch wenn die vorhandene Regelleistung in DE höher ist, als der Leistungseinbruch bei der Sonnenfinsternnis, kann man das nicht einfach gleichsetzen. Die Regelleistung ist quer über Deutschland verteilt, die finsternis aber Lokal begrenzt. Wenn Bayern verschattet wird, hilft die Regelleistung in Hamburg nicht unbedingt weiter, da die Leitungskapazitäten für den Transport quer durchs Land auch verfügbar sein müssen.

    Meine Berechnung entlarft den SPON also nicht als Panikmache … wohl aber macht das mein technischer Sachverstand:

    Die meisten PV-Anlagen sind große Anlagen und alle Anlagen über 100 KW(p) müssen mit Fernwirktechnik ausgestattet sein und diese stellen mehr als 70% der gesamten installierten Leistung dar. Die Netzbetreiber sind berechtigt die Anlagen zu drosseln oder ganz vom Netz zu nehemen, um die Netzstabilität zu gewährleisten. Sogesehen ist es überhaupt kein Problem die Anlagen schon deutlich (stunden!) bevor die Sonnenfinsternis eintritt zu drosseln/vom Netz zu nehmen und den regulären Energiemarkt an der EEX das Thema regeln zu lassen. Ein Ausgleich ist also auch ganz ohne Beanspruchung der Regelleistung ohne weiteres möglich.

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    • Die Regelleistungsberechnung zur PV-Verdeckung stammen von der ENTSO-E. Leider gibt es dort keine aufbereiteten Daten der Größenverteilung. Vielleicht berechne ich diese selbst einmal nach auf Basis der Anlagenstammdaten, dort ist verzeichnet welche Anlagen regelbar sind.

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  3. @Thorsten

    Meine Angabe zum Anteil der Anlagen >100 KW habe ich aus den Meldedaten der BNetzA, deren monatliche Veröffentlichungen habe ich hinsichtlich der Analagengrösse über mehrere Monate hinweg in 2012 analysiert und Stichprobenartig in den vergangenen Monaten. Eine Verschiebung zu kleineren Anlagen seit etwa einem Jahr ist zu beobachten, aber die grosse Masse bilden eben Anlagen aus 2010 bis einschliesslich 2012.
    Auch bei den kleineren Anlagen sollten sich noch einige mit Fernwirktechnik finden. Für eine Überschlagsrechnung ist das hinreichend genau.

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