Was würden Sie machen, wenn Ihnen der Stromanbieter eine Stunde lang Strom schenken würde? Also eine Stunde lang dürfen Sie soviel Strom verbrauchen, wie Sie wünschen.

Natürlich innerhalb der physikalischen Limits – mehr als 16A je Phase sollten es nicht sein. Wann? Vielleicht morgen zwischen 03:00 und 04:00 Uhr.

Welche Geräte würden Sie verwenden? Wahrscheinlich wird zunächst die Kochwäsche programmiert. Der Geschirrspüler scharf geschaltet und die Wäsche gebügelt.

Nur ist 03:00 – 04:00 Uhr nicht unbedingt eine Zeit, zu der man wach ist. Kommt dies nur einmal vor, dann stellt man sich für das „Geschenk“ auch noch den Wecker, denn man will ja Geld sparen.

Bestünde allerdings das Versprechen, dass es mindestens 24 mal im Jahr eine Stunde geschenkt gibt. Mindestens auch einmal pro Monat, dann würde sich mit der Zeit auch die Anschaffung einer Zeitschaltuhr rechnen. Die Anschaffung von Geräten, die dann ihre Arbeit verrichten, wenn der Kunde es will.

Es gibt eine Einschränkung. Geschenkt wird lediglich der Verbrauch oberhalb des Standard-Lastprofil-Wertes. Bekanntgegeben wird die Stunde individuell einen Tag im Voraus.

Was zunächst befremdlich klingt, da wir gewohnt sind, dass jeglicher Stromverbrauch einen hohen Anteil an Nebenkosten hat (EEG-Umlage, Offshore-Haftung, Konzessionsabgabe,Steuern,…), wird dann verständlicher, wenn man den Verbrauch als negative Ausgleichenergie betrachtet.

Im C64er Magazin gab es vor 30 Jahren ein Spiel, bei dem man zu Beginn eine Million geschenkt bekam und so schnell wie möglich dieses Geld ausgeben sollte. Nur mit Übung konnte man gewinnen.

Der Gedanke Strom aktiv, bewusst zu nutzen ist gekoppelt mit der Angst Geld aus dem Fenster zu werfen. In einer Welt ohne Brennstoffkosten darf man das Spiel wagen.

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Veröffentlicht von Thorsten Zoerner

Seit dem Jahr 2007 beschäftige ich mich mit den Themen Stromnetz und Strommarkt. Parallel dazu entstand ein Blog, um Informationen zu den jeweiligen Themen bereitzustellen. Er ist unter blog.stromhaltig.de zu finden. Über das Thema Energiewirtschaft habe ich bislang drei Bücher veröffentlicht. In meinem 2014 erschienenen Buch zum Hybridstrommarkt beschreibe ich ein Marktdesign, das in Deutschland in das Gesetzespaket Strommarkt 2.0 aufgenommen wurde. Hierbei werden zwei Technologien des Strombezugs vereint: der Hausanschluss mit Bezug bei einem klassischen Stromanbieter und einen alternativen Bezug von erneuerbaren Energien. Die wirtschaftlichen Vorteile für ein solches Marktdesign sind erwiesen. Auch die Digitalisierung beeinflusst die Energiewirtschaft von morgen. Daher habe ich mich intensiv mit dem Thema Blockchain Technologie befasst. Blockchain ist eine Technologie, die den Austausch und die Dokumentation von Daten vereinfachen kann. Daher kann diese Technologie mithilfe der digitalen Möglichkeiten das heutige Energiesystem revolutionieren. Denn damit ist eine automatische Abgleichung von Energieerzeugung und Energieverbrauch möglich. Um zukünftige Herausforderungen und Chancen mitgestalten zu können, habe ich 2017 die Firma STROMDAO gegründet. Dort bin ich Geschäftsführer und möchte dafür sorgen, dass mithilfe der Blockchain Technologie und dem Hybridstrommarkt eine digitale Infrastruktur für die Energiewirtschaft der Zukunft aufgebaut wird. Der STROMDAO Mechanismus zur Konsensfindung für den Energiemarkt unterstützt dabei die Marktkommunikation aller beteiligten Akteure.

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