Was würden Sie machen, wenn Ihnen der Stromanbieter eine Stunde lang Strom schenken würde? Also eine Stunde lang dürfen Sie soviel Strom verbrauchen, wie Sie wünschen.

Natürlich innerhalb der physikalischen Limits – mehr als 16A je Phase sollten es nicht sein. Wann? Vielleicht morgen zwischen 03:00 und 04:00 Uhr.

Welche Geräte würden Sie verwenden? Wahrscheinlich wird zunächst die Kochwäsche programmiert. Der Geschirrspüler scharf geschaltet und die Wäsche gebügelt.

Nur ist 03:00 – 04:00 Uhr nicht unbedingt eine Zeit, zu der man wach ist. Kommt dies nur einmal vor, dann stellt man sich für das „Geschenk“ auch noch den Wecker, denn man will ja Geld sparen.

Bestünde allerdings das Versprechen, dass es mindestens 24 mal im Jahr eine Stunde geschenkt gibt. Mindestens auch einmal pro Monat, dann würde sich mit der Zeit auch die Anschaffung einer Zeitschaltuhr rechnen. Die Anschaffung von Geräten, die dann ihre Arbeit verrichten, wenn der Kunde es will.

Es gibt eine Einschränkung. Geschenkt wird lediglich der Verbrauch oberhalb des Standard-Lastprofil-Wertes. Bekanntgegeben wird die Stunde individuell einen Tag im Voraus.

Was zunächst befremdlich klingt, da wir gewohnt sind, dass jeglicher Stromverbrauch einen hohen Anteil an Nebenkosten hat (EEG-Umlage, Offshore-Haftung, Konzessionsabgabe,Steuern,…), wird dann verständlicher, wenn man den Verbrauch als negative Ausgleichenergie betrachtet.

Im C64er Magazin gab es vor 30 Jahren ein Spiel, bei dem man zu Beginn eine Million geschenkt bekam und so schnell wie möglich dieses Geld ausgeben sollte. Nur mit Übung konnte man gewinnen.

Der Gedanke Strom aktiv, bewusst zu nutzen ist gekoppelt mit der Angst Geld aus dem Fenster zu werfen. In einer Welt ohne Brennstoffkosten darf man das Spiel wagen.

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5 Gedanken zu “Eine Stunde Strom geschenkt…

  1. Da hatten wir eine schöne Diskussion auf dem Barcamp. Eine Fraunhofer-Wissenschaftlerin berichtete, dass viele keine „Stunde geschenkt“ bekommen wollen. Das liegt nicht nur an den Strompreisen, sondern auch an der Praxis, wenn man zB die gewaschene Wäsche länger in der Maschine lassen muss etc.

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  2. Ich für meinen Teil hätte auch keine Angst davor, wenn der Strom stundenweise abgestellt wird. Was ich da tun würde? Vermutlich nichts oder allenfall ein paar Kleinigkeiten. 😉

    Die Frage was wir mit Stromüberschüssen machen beschäftigt mich meist sehr wenig, denn wo kein Mangel besteht, ist auch keine Not (-wendigkeit etwas bestimmtes zu tun, um irgendetwas zu verbessern.)
    Kurz: Abschalten eines Generators ist kein Problem, nichtmal ökonomisch.

    Eine Diskusion darüber, wie das wohl wäre, wenn bei prognostizierten Niedrigertrag einfach mal reihum einzelne Straßenzüge für eine Stunde vom Netz getrennt wären, wäre in meinen Augen fruchtbarer.
    Was würden wir wohl tun? Grundlastgeräte wie Heizung/Hebeanlage mit Akkus/USV ausstatten oder gleich einen dicken Notstromdiesel anschaffen und ein ausfallsicheres Inselsystem aufbauen?

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  3. Die Frage könnte auch lauten – was, wenn Strom fast nix mehr kostet und immer öfter im Überfluss da ist? Was, wenn die Sparmentalität sich umkehrt und eine Art nachhaltiger Verschwendung Einzug hielte, einhergehend mit dem Gefühl von guter Laune und neuen Möglichkeiten.

    Leider ist wohl so, dass ausser bei Keramik und Schmelzöfen, Wäschetrocknern und Hanfanbau heute die Stromkosten im Vergleich zu den Anlagen- und Betriebskosten eine eher untergeordnete Rolle spielen.

    Wenn aber die Anlagen schon da wären, und der Betrieb an sich nicht ins Gewicht fiele, dann wäre die Aufladung aller Speicher, die Extrarunde Achterbahn oder ICE fahren, die Beleuchtung von Wegen in der Nacht und das Beheizen vereister Strassen oder erkaltender Schwimmbäder ein reizvoller Ausdruck energetischen Wohlstandes.

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    • @Alexander
      Das Ding das Du beschreibst nenne ich „Mental-Rebound“. Die moralische Selbstlegitimation zu höherem Konsum dank „regenerativer Stromschwemme“ hat aber leider immer noch einen, nein mehrere(!) dicke Denkfehler, es bleibt sinnfreie Verschwendung, führt zu höherem Verbrauch an Leuchtmitteln, ICE’s und Achterbahnen … der Betrieb an sich fällt lertztlich immer ins Gewicht.

      Zum Glück ist aber „sinnfreie“ Nutzung der Ressource Strom immer teurer als ein sinnige Nutzung, bis irgendjemand einen Mentalen-Rebound denkt, werden zuvor tausend andere auf eine Idee kommen, die einen direkten oder indirekten Rebound darstellt. Aber es werden auch hoffentlich wenigstens ein paar einzelne einen echten Transformations-Effekt denken und durchführen.

      Das was ich meine etwas besser beschrieben, wobei die „Effizienzsteigerung“ im Fall regenertiver Erzeuger eben die Einsparung endlicher Ressourcen ist.

      Ich fürchte fast im Augenblick befinden wir uns mit der Stromerzeugung in DE leider schon im Backfire und falls das noch nicht der Fall ist, wird Dein Mental-Rebound, Deine Auffassung von „energetischem Wohlstand“, ein Backfire werden.

      Nicht falsch verstehen, das ist keine pauschale (Ab-)Wertung. Wind- und Sonneenenergie werden ohne Speicher nicht unseren Ansprüchen gerecht werden, ungeachtet dessen führen Speicher aber zu einem Backfire.

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  4. Pingback: Man kann Liebe schenken – aber keinen Strom! | blog.stromhaltig

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