Ein Bericht in der Zeitung für kommunale Wirtschaft (ZfK) über die Beendigung der Sanierungsarbeiten  am Pumpspeicherkraftwerk Wendefurth, zeigt recht anschaulich, wie wenig sich das Grundverständnis über die Stromversorgung geändert hat.

Die Anlage verwendet nicht benötigte elektrische Energie aus Grundlastkraftwerken, um Wasser aus der Talsperre Wendefurth…

Dieser Satz hätte auch in den 1980er Jahren veröffentlicht werden können.

Das Pumpeicherkraftwerk Wendefurth wurde in den letzten 2 Jahren saniert. Betrieben wird das 1967 gebaute Kraftwerk heute von Vattenfall.

Rein aus PR Sicht würde man denken, dass man diesen Satz heute vielleicht so formulieren würde:

Die Anlage kann Strom aus Erneuerbaren Energieträgern wie Wind und Sonne speichern für Zeiten, bei denen es wenig Wind und Sonne gibt..

Bei der ZfK spart man sich ein Greenwasching, sondern verwendet 1:1 den Text aus der aktuellen Wikipedia Artikel zum Pumpspeicher. Man merkt, dass professionelle PR-Arbeit heute eigentlich bei Wikipedia Beiträgen anfangen sollte.  Zeit genug war… wirkliche Änderungen wurden an diesem Beitrag in den letzten Jahren nicht vorgenommen.

Im Vattenfall Pressebericht zum Happening findet man auch eine etwas andere Formulierung:

Investitionen in die Modernisierung betragen knapp 40 Millionen Euro / Pumpspeicher wichtiger denn je für Netzstabilität und erneuerbare Energien in Deutschland.

Ist das nicht ärgerlich? Da sendet man die Nachricht „Pumpspeicher Sanierung beendet“ in die weite Welt, und ein Redakteur nimmt dann die leicht eingestaubte Beschreibung von Wikipedia?

Dieses Missgeschick offenbart allerdings noch ein viel größeres kommunikatives Problem. Es gelingt nicht den Laien zu informieren. Manchen Quellen fehlt es an Reputation -andere verweigern schlicht den Lehrauftrag, den man bei jedem Medium hat.

Es scheint nicht wirklich beachtet zu werden, wenn jemand im Jahre 2014 schreibt, dass unnütz verbrannte Kohle (inkl. CO2 Emission)  im Form von Strom gepeichert wird, um diese später ins Netz einzuspeisen.

Es scheint nicht wirklich beachtet zu werden, dass damit die Wirtschaftlichkeit der Kohleverstromung verlängert wird.

Es scheint nicht wirklich beachtet zu werden, dass damit für Wind und Sonnenstrom weniger Speicher zur Verfügung haben, der dann auch noch eine Preisrally an der Börse entfachen kann.

(Beitragsbild: Wikipedia User Mazbln – CC BY SA)

[Anmerkung der Redaktion: Liebe ZfK, schau man die Attributierung bei euch an, die ist so nicht gültig]

Den Beitrag "Wir müssen noch einen weiten Weg zurück legen... offline Lesen:

Ein Gedanke zu “Wir müssen noch einen weiten Weg zurück legen…

  1. Die Vorstellung der Zweckbindung der Speicheranlagen zu Grundlastkraftwerken hat historische Gründe, die sich über rund hundert Jahre etabliert hat. Denn schon damals hatte RWE sich um Pumpspeicherkraftwerke im Alpenraum bemüht, um damit einen Ausgleich für seine unflexiblen Braunkohlekraftwerke zu schaffen. Weil dazu auch (ähnlich wie heute) in großem Umfang der Bau von Fernleitungen nötig war erstreckt sich auch das RWE-Übertragungsnetz (heute Amprion) bis zu den Alpen. Dass die Konzerne die bis vor wenigen Jahren fast totale Herrschaft über alle stromwirtschaftlichen Komponenten möglichst lange aufrechterhalten (und nicht an dezentrale Erzeuger abgeben) wollen versteht sich da von selbst.

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