Der große Vorteil an einem Blog ist, dass man auch mal etwas schreiben darf, was in die Kategorie Hirngespinst eingestuft werden kann.

Wie viel Euro braucht man, um in Deutschland einen Blackout herbeizuführen? Einen großflächigen Stromausfall über viele Stunden – vielleicht sogar Tage?

Erst diese Woche hat das Bundeswirtschaftministerium einen Bericht zum Strommarkt veröffentlicht (s.h. Sonnenseite), was darauf hindeutet, dass spätestens im Herbst das Thema „Strommarktdesign“ in aller Munde ist. Egal welches Design der „Neue Markt“ auch haben wird, es werden marktwirtschaftliche Regeln gelten.

Rückblick in den Februar 2012:

Der deutsche Strommarkt wurde offenbar während der Kältewelle durch gefährliche Handelsgeschäfte an den Rand eines Zusammenbruchs gebracht. Die Empörung ist groß – und die Bundesnetzagentur droht den Händlern mit Konsequenzen.  (Quelle: Süddeutsche Zeitung)

Hat man nur einen Erzeuger und einen Verbraucher, so ist eine Marktwirtschaft recht leicht zu beschreiben, denn aus dem Erzeuger wird ein Verkäufer und aus dem Verbraucher ein Käufer. Der eigentliche Handel(~Vertrag) findet nur zwischen diesem einen Erzeuger und einem Verbraucher statt (bilateral). Der Preis, zu dem das Geschäft abgewickelt wird, ist allerdings von der Vielzahl der anderen Erzeuger und Verbraucher abhängig. Gibt es im Markt eine große Anzahl von Käufer, die einen besseren Preis bieten würden, so wird das bilaterale Geschäft nicht zustande kommen. Da sowohl (alle) Erzeuger als auch (alle) Verbraucher der Spezies Homo Oeconomicus (vergl. Wikipedia) angehören, stellt das Bestreben nach einer Maximierung des Nutzens eine Waage zwischen den gehandelten Strommengen und dem Preis her.

Physikalisch muss im Stromnetz immer soviel Strom eingespeist werden, wie genau zum gleichen Zeitpunkt auch entnommen wird. Da niemand Strom verschenken möchte, gehen manche Kraftwerke bei zu niedrigen Preisen vom Netz, manche bieten zu geringen Preisen an. Auf der Nachfrageseite  gilt die Regel umgekehrt (zum Teil…) – geht  der Preis nach oben, so werden zum Beispiel Pumpspeicher nicht gefüllt, oder in der Prozessindustrie einige Abläufe auf einen anderen Zeitpunkt verlagert.

Der Stromterrorist hat die notwendigen Finanzmittel, um als einziger in diesem System nicht wie ein Homo Oeconomicus zu agieren. Er hat zum Zeitpunkt des Angriffs keine Gewinnerzielungsabsicht mit seiner Handlung, sondern lediglich die Absicht der Destabilisierung des Stromnetzes.  Nach dem Angriff ist er natürlich kein Marktteilnehmer mehr, da er von allen Seiten gejagt wird…

Das richtige Zocken an der Börse funktioniert über Spekulation. Man spekuliert damit einen Wissensvorteil zu haben, den man durch Marktbeobachtung erhalten hat. Bei einem gelungenen Handelsgeschäft, konnte man den Wissensvorteil nutzen und in monetären Profit umwandeln.  Der Wissensvorteil wird auch Signal genannt, Anzeichen, dass ein bestimmtes Ereignis eintritt. Der Händler nutzt die Signale dann um entsprechend zu handeln (kaufen/verkaufen). Der Stromterrorist kennt die Wirkung von Signalen und sendet diese aktiv in den Markt.

Vom Börsenhandel mit anderen Produkten als Strom, weiß man, dass Händler irgendwann den Bezug zur Realität verlieren, wenn sie Handelssignale aktiv ausnutzen können. So wird beim Ölpreis davon ausgegangen, dass etwa die Hälfte des Preises rein durch Spekulation aufgeschlagen wurde. Eine Kette aus Signal->Reaktion->Signal->Reaktion.

Ein Dialog

„Hast Du gehört, morgen ist der Strompreis an der Börse bei über 100€/MWh, kannst Du Dein altes Dieselaggregat anwerfen, ich glaube er steigt noch weiter?“

„Klar, verkaufe mal 5 MWh zwischen 12:00 und 12:15 Uhr in eurem Pool“

Ein Dieselaggregat würde niemals Strom für den regulären Strombedarf liefern. Ab einem bestimmten Preis rentiert sich dies. Wurde die Erzeugung einmalig verkauft, so muss auch geliefert werden.  Im Zuge, dass immer teurere Stromerzeuger an den Markt kommen, nutzen die bereits bestehenden Anbieter die Chance ihren Preis nach oben zu optimieren (Signalwirkung).

Der Stromterrorist sorgt für einen Blackout, durch den Ankauf von Strom, den er niemals beabsichtigt zu verbrauchen. Ab einem bestimmten Punkt beginnt der Markt dann von selbst zu tanzen, da Signale generiert werden, die nicht durch eine reale Nachfrage gedeckt werden.

In der Theorie dürfte eine Markterhöhung um 10 GWh ausreichen, um eine Destabilisierung herbeizuführen.  Günstiger zu haben, als die terroristischen Anschläge der Vergangenheit.

Der veröffentlichte Bericht des BMWi meint:

Die Gutachter kommen darin zum Ergebnis, dass der Strommarkt grundsätzlich funktionsfähig sei und Versorgungssicherheit gewährleisten könne.

Glauben wir es mal.

Den Beitrag "Stromterroristen offline Lesen:

3 Gedanken zu “Stromterroristen

  1. Solche systematischen Beeinflussungen des Strommarkts hat es anscheinend tatsächlich gegeben, und zwar an den Strombörsen in Leipzig und Paris – allerdings nicht mit dem Ziel, einen Blackout auszulösen sondern zur Maximierung der Profite bestimmter Börsenteilnehmer. Obwohl hierzu es eine Reihe von Indizien gab und man das ganze eigentlich als kriminell ansehen müsste wurde das von den Strafverfolgungsbehörden nicht weiterverfolgt: Im Strafgesetzbuch war so etwas damals schlichtweg nicht als Straftat vorgesehen. Voraussetzung für solche Manipulationen sind übrigens kartellartige Absprachen unter den Marktteilnehmern. Ob es die inzwischen nicht mehr gibt weiß bis heute eigentlich niemand, denn die hierfür zuständige Marktransparenzstelle hat ihre Arbeit immer noch nicht voll aufgenommen.

    Antworten
  2. Die Stromspekulanten haben Lehrgeld bezahlt und verlassen die EEX.

    http://www.bloomberg.com/news/2014-07-10/no-end-in-sight-for-german-power-price-volatility-at-10-year-low.html

    Zitat:

    “ Companies from Bank of America Corp. to Cargill Inc. pulled out of European power markets as prices traded near the lowest in nine years after the euro region’s longest recession cut demand. “

    Durch permanent fallende Preise verlieren die Spekulanten bei jedem deal Geld.
    Die Muttergesellschaften haben jetzt die Notleine gezogen und die Bueros dicht gemacht.

    Cargill ist der groesste Lebensmittelspekulant, wer Pflanzenoel im Supermarkt kauft der kauft bei Cargill.

    Zum Artikel:
    Die Spekulanten verzocken permanent Geld, siehe link.
    Einen physischen black-out kann es wegen laufender Kraftwerke nicht geben, die Bundesnetzagentur sorgt immer fuer reichlich Strom im Netz.
    Der black-out ist wohl eher metaphorisch gemeint: wer in Stromspekulationen Gewinne vermutet der ist bescheuert.

    Die grossen 4 in D haben beim Stromhandel auch schon reichlich Geld verloren. Immer mehr Strom wird day-ahaed gekauft, 17% des eur. Import-Export Geschaefts laufen mittlerweile im day-ahead Markt,
    20,7% des schweizer-deutschen Ausstauschs laufen im intraday Markt.
    Zu 71% der Stunden sind die Preise Deutschland-Frankreich ohne Unterschied, also Null Gewinnaussicht fuer cross-border Spekulanten:

    http://www.epexspot.com/de/presse/press-archive/details/press/Strom-Handelsergebnisse_im_Juni_2014_-_15-Minuten-Volumen_steigt_auf_Allzeithoch

    “ Die Preise des deutschen und des französischen Marktes, beide innerhalb Nordwest- und Südwesteuropas gekoppelt, konvergierten in 71 % der Stunden. Das ist der höchste Wert seit September 2013 (73 %). “

    Die Tendenz zu immer kurzfristigeren deals und immer weniger Absatz ist eindeutig.

    Da bleibt fuer Spekulanten nicht viel Zeit um zu reagieren. Und Null Gewinnspanne(siehe D-F), wohl aber Kosten.

    Die Zeiten der Monopole sind vorbei, selbst gemachter und dezentral erzeugter Strom hat die Strompreisinflation und damit das Spekulantentum schon vor Jahren ad absurdum gefuehrt.

    Selbst der IWF/IMF macht sich schon Sorgen um seine Strippenzieher:

    http://thehill.com/policy/energy-environment/213945-imf-calls-for-higher-energy-taxes-to-combat-climate-change

    Es geht dieser Frau mit Sicherheit nicht ums Klima oder um soziale Belange, die Preise sollen rauf und damit die Margen der Beteiligten.
    Man koennte die Atom-und Fossilindustrie auch kriminalisieren und dadurch einschraenken. Aber dann koennte man daran nichts mehr verdienen. Man braeuchte dann auch keinen IMF mehr der die Geschaefte beaufsichtigt, regelt, Vorschlaege macht ……

    Antworten
  3. Pingback: Schutz vor Hackern immer schwieriger | blog.stromhaltig

Kommentar hinterlassen

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong> 

benötigt