Im Rahmen des Masterplans zur Energiewende sollen zehn zentrale Vorhaben umgesetzt werden. Eines davon ist den Strommarkt neu zu designen oder den bestehenden zu optimieren. Unter Ausschluss der Bürger haben Fraunhofer ISI , Consentec, r2b und Connect Energy Economics als Konsortialpartner die Entstehung und die Ergebnisse Studie geprägt, die auf den Seiten des BMWi eingesehen werden kann.

Auf 151 Seiten kommt der Stromkunde im Konzept 25 mal vor, daraus 4 mal als Industriekunde und einige male als Großkunde. 400 mal wird über den Preis gesprochen. Ein durchaus interessantes Marktdesign, welches seine Auftraggeber zur Randnotiz degradiert.

Auf Basis des optimierten Strommarktdesigns kann dann entschieden werden, ob und wenn ja welche Kapazitätsmechanismen den Strommarkt ergänzen sollten.

Heute brauchen wir keinen Kapazitätsmechanismus, soweit sind sich die Autoren der Studie einig. Jedoch ist der vorgeschlagene Weg dem Kapazitätsmarkt zu entkommen nicht unbedingt hilfreich für die Akzeptanz der Erneuerbaren Energieträger als vollwertiges Mitglied auf dem Strommarkt. Anstelle Wind- und Sonnenenergie isoliert in einen Kapazitätsmarkt zu überführen, wird diese Marktform rein als Monetarisierung von Reserveleistungen übernommen. Die Studie folgt damit  den Vorgaben der Lobbyverbände und dem politischen Willen. Ein Modell welches den Stromkunden die Mündigkeit zulässt über die Reservemengen selbst zu entscheiden und Kapazitäten aus Wind und Sonne zu mieten/kaufen wurde nicht untersucht. Das Argument der Stromwendegegner, dass Windkraftanlagen einen Zappelstrom liefern und an der Börse/ins Ausland verramscht wird, wird mit dieser Studie zementiert.

blog.stromhaltig empfiehlt hinsichtlich der Kapazitätsmechanismen das Lesen des Kapitels 6 (Seite 107) für alle Energiegenossenschaften und Bürgerenergieprojekte.

Am Spotmarkt sollten deshalb insbesondere die Lieferzeiträume der gehandelten Produkte so angepasst werden, das neue, flexible Anbieter aktiv am Day-Ahead und am Intradaymarkt teilnehmen können.

Im Jahre 2014 wird für die Peak-Stunden von der EPEX Spot die 15 Minuten Auktion einführen. Damit ist die bisherige Verfahrenspraxis mit Stundenauktionen hinfällig.

Vergessen wird, dass bei über 60 Millionen Standardlastprofilkunden in Deutschland die sogenannte Eindeckung, die preisliche Sicherung der Stromlieferung, nicht über den Spot-Markt erfolgt. Eigentlich dient ein Spotmarkt zum Ausgleichen von Prognoseabweichungen. Da der Letzverbraucher als Marktteilnehmer auf dem Spotmarkt ausfällt, bieten alle Modelle die ihr Design darauf beziehen den Freiraum zur Zockerei durch Spekulation. Im Februar 2012 hatte dies beinahe zu einem Blackout geführt.

Was als aktive Bewirtschaftung der Bilanzkreise beschrieben wird, ist in Wirklichkeit ein Aussperren der Letztverbraucher von den Möglichkeiten einer wirtschaftlichen Optimierung des Strombezugs. Das Spiel wird von Händlern geführt, nicht von Kunden.

Die Bereitstellung von Regelleistung kann die Fahrweise konventioneller Kraftwerke beeinflussen, sodass sie weniger flexibel am Spotmarkt agieren können.

Regelleistung ist ein anderes Spielfeld wie der Spotmarkt. Übersetzt man diese Aussage in das Thema Sport, so kommt heraus, dass eine Mannschaft in ihrer  Spielweise beeinträchtigt wird, wenn sie sich zwischen zwei Turnieren entscheiden muss.

Ein ganz anderes Spielfeld wird in der Studie überhaupt nicht beleuchtet, welches beim aktuellen Strommarkt einige interessante Züge angenommen hat. Redispatch, das Engpassmanagment zur Netzstabilität. Der Strommarkt liefert als Ergebnis einen Fahrplan, welcher bestimmt, welches Kraftwerk wann welche Leistung ins Netz einspeisen wird.  Kann dieser Fahrplan physikalisch nicht durch die Leitungen transportiert werden, so veranlassen die Übertragungsnetzbetreiber einen Umverteilung der Liefermengen zwischen den Kraftwerken. Konkret kann man fast täglich beobachten, wie günstige und abgeschriebene Kohlekraftwerke im Osten von Deutschland Strom liefern sollen, die Leitungen diesen Strom allerdings nicht transportieren können. Teurere Kraftwerke im Westen erhalten hingegen keinen Zuschlag durch den Markt – kommen dann aber dennoch durch die Umverteilung (Redispatch) zum Zuge. Eigentlich ein Markteingriff, eigentlich ein verschleierter Standortnachteil, eigentlich eine Tatsache, die in einem Strommarktdesign nicht unbeachtet bleiben sollte.

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