Regelleistung: Goldgräberstimmung im Strommarkt 1

Regelleistung: Goldgräberstimmung im Strommarkt

Trotz gestiegener Prognosequalität und besseren technischen Möglichkeiten der Verbrauchsbestimmung für Strom, gelingt es dem Intraday Handel an der Strombörse immer schlechter das kaufmännische Gleichgewicht aus Angebot und Nachfrage mit dem physikalischen Gleichgewicht aus Erzeugung und Verbrauch in Einklang zu bringen. Es profitieren eine zunehmende Anzahl der Anbieter von Regelleistung für das Deutsche Stromnetz.

Am 25.07.2014 kostete eine MWh Strom an der Spotbörse um die 31,20€ – eine MWh auf dem Markt der Primärregelenergie wurde allerdings mit 3552,44€ geliefert. Klar, die Liefermengen unterscheiden sich deutlich, aber die Preisunterschiede sind so lukrativ, dass der Vattenfall Konzern gegenüber REWorld angibt, dass das Geschäft mit Regelenergie 10% des heutigen Umsatzes der Kraftwerke ausmacht. 10% des Umsatz kommt von nicht einmal 1% der Erzeugungsmenge. Da verschieben sich Prioritäten.

Der Markt für Regelenergie wird in Deutschland auf aktuell 800 Millionen Euro geschätzt. Die Liste der Unternehmen, kann auf der Seite der Übertragungsnetzbetreiber eingesehen werden. Laut REWorld sollen im September weitere 20 Unternehmen zur Liste hinzugefügt werden.

RWE invested as much as 700 million euros on technology for its lignite plants that allow the units to change output by 30 megawatts within a minute. The coal-fired generators were originally built to run 24 hours a day

Es rechnet sich am Goldrausch teilzunehmen und alte Kraftwerke flexibler zu gestalten. Es dürfte sich sogar soweit rechnen, dass Energie in Form von Dampf ungenutzt in die Atmosphäre abgegeben werden kann, wenn keine Regelenergie benötigt wird. Fiktive Flexibilität, die sich zwar für die Anbieter auszahlt, aber einer Umweltbilanz schädlich sein dürfte. Richtig schädlich ist diese Flexibilisierung von Altanlagen für den Stromkunden, der letztendlich für die 800 Millionen Euro zahlen darf.

Ins Stromnetz müssen zu jedem Zeitpunkt soviel Energie eingespeist werden, wie gerade verbraucht wird. Die Stromversorger und Netzbetreiber schätzen den Verbrauch ihrer Kunden und decken sich entsprechend mit Liefermengen zu einem Zeitpunkt ein.  Das Angebot ist der Markt für Strom an der Börse (oder im direkten Handel), das Angebot kommt von den Erzeugern. Erzeuger mit schwankenden Erzeugungsmengen sind ebenfalls am Markt tätig und müssen Überkapazitäten verkaufen und Unterkapazitäten einkaufen. Mit dieser Gemengenlage wird versucht der physikalischen Anforderung der Balance aus Erzeugung und Verbrauch gerecht zu werden.

Faktisch gelingt dies immer schlechter, da die Gewinnerzielungsabsicht der Akteure dafür sorgt, dass optimiert wird. Gehorcht der Kunde (oder das Wetter) dann nicht der Optimierung, dann spricht die Physik den Richterspruch und urteilt mit einem Steigen oder Fallen der Netzfrequenz. Daran ist dann der Abruf der Regelleistung als Automatismus gekoppelt.

Der Stromkunde und der Kleinerzeuger ist von diesem ganzen Geschehen rausgelöst, über ihn wird gerichtet, er darf die Strafe zahlen, die beim Goldgräber einen Rausch auslöst.

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