Mit einer weiteren Richtlinie will die EU energiefressende Staubsauger aus dem Verkehr ziehen. Demnach dürfen Geräte mit mehr als 1600 Watt ab September 2014 nicht mehr verkauft werden. Eine weitere Drosselung folgt ab 2017. Dann darf die Leistung der Haushaltsgeräte maximal 900 Watt betragen. Mit Hilfe der EU-Ökodesign-Verordnung will die EU wesentliche Klimaschutzziele erreichen.

vacuum-cleaner-268169_640Um die hohen Ziele zu erreichen hatte die EU bereits 2009 das schrittweise Produktions- beziehungsweise Importverbot für Glühbirnen eingeleitet, welches eine Ablösung des klassischen Leuchtmittels durch effiziente Alternativen wie LEDs nach sich zog. Die Glühbirne ist nicht das einzige Element, das von der Ökodesign-Richtlinie betroffen ist. Im Rahmen dessen wurden bereits einige Verordnungen für verschiedene Produktgruppen durchgesetzt. Die Tabelle vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gibt Aufschluss über bereits in Kraft getretene Verordnungen:

Verordnung Produktgruppe
1275/2008/EG Bereitschafts- und Aus-Zustand (standby)
107/2009/EG Einfache set-top-boxen (Fernsehempfänger)
244/2009/EG Haushaltslampen (Glühlampen, Energiesparlampen)
245/2009/EG Entladungslampen (Straßen- und Bürobeleuchtung)
278/2009/EG externe Netzteile
640/2009/EG Elektromotoren
641/2009/EG Heizungspumpen
642/2009/EG Fernsehgeräte
643/2009/EG Kühl- und Gefriergeräte
1015/2010/EG Haushaltswaschmaschinen
1016/2010/EG Haushaltsgeschirrspülmaschinen
327/2011 Ventilatoren

Angesichts der Tatsache, dass Staubsauger ein vieleingesetztes und mengenmäßig bedeutsames Haushaltsgerät sind, war es fast abzusehen, dass im Rahmen der neuen Richtlinie Einschränkungen folgen. Schließlich sind allein in Deutschland rund 39 Millionen Haushaltssauger im Einsatz. „Mit der Wattbeschränkung für Staubsauger soll laut EU-Verordnung Nr. 666/2013 der Stromverbrauch von Staubsaugern erheblich reduziert werden.“, so beispielsweise die Erläuterung des Ratgeberportals staubsauger.net. Mit den konkreten Beschränkungen ist die Erreichung dieses Ziels durchaus möglich. Verbraucher werden dazu animiert, sparsamere Geräte zu kaufen und den Energieverbrauch kontinuierlich zu senken. Derartige Maßnahmen sollen dazu beitragen die hochgesteckten Klimaschutzziele der EU bis zum Jahr 2020 zu erreichen.

cleaning-381091_640Die neue Verordnung, die von der EU-Kommission bereits Anfang Juli 2013 vorgelegt wurde, beinhaltet mehrere Neuerungen im Hinblick auf Staubsauger. Nachfolgend die wesentlichen Fakten in der Übersicht: 

  • ab 1. September 2014 Kennzeichnung von Staubsaugern mit EU-Energielabel
  • ab 1. September 2014 Nennleistungsaufnahme von maximal 1600 Watt
  • ab 1. September 2017 Nennleistungsaufnahme von maximal 900 Watt
  • ab 1. September 2017 Lärmgrenze von maximal 80 Dezibel
  • ab 1. September 2017 Saugkraft auf Hartböden 98 %
  • ab 1. September 2017 Saugkraft auf weichen Untergründen 75% (Teppiche)
  • Motoren müssen mindestens 500 Arbeitsstunden halten

Beim Kauf von Kühlschränken, Waschmaschinen, Gefriergeräten, Klimageräten, Wäschetrocknern, Weinlagerschränken, Geschirrspülern und TV-Geräten finden Verbraucher das Energielabel schon heute. Es gibt Aufschluss über wesentliche Werte der Elektrogeräte und erleichtert die Kaufentscheidung. Ab September 2014 müssen nun auch Hersteller von Staubsaugern ihre Produkte damit kennzeichnen. Das Label enthält folgende Daten:

  • Energieeffizienzklasse-Klasse (A-G)
  • Staubemissionsklasse
  • Lautstärke
  • Reinigungsleistung auf Teppichen und Hartböden
  • Jährlicher Stromverbrauch im Durchschnitt

consumption-19150_640Sämtliche Sauger, die in der EU verkauft werden, müssen ab September 2014 mit dem Energielabel ausgestattet sein und erhöhte Energieeffizienz-Anforderungen erfüllen. Zum einen soll Verbrauchern mit dem Label der Vergleich von Geräten erleichtert werden. Zum anderen will die EU auf ihre Klimaschutzziele hinarbeiten. Ein nächster Schritt dahingehend ist die Begrenzung der Nennleistungsaufnahme auf 1600 Watt für alle Haushalts-Staubsauger ab 1. September 2014. Nach dem Stichtag dürfen keine Sauggeräte mehr verkauft werden deren Leistung über 1600 Watt liegt. Pro Gerät will die EU den jährlichen Energieverbrauch damit auf 62 Kilowattstunden begrenzen.

Maximal 900 Watt darf die Nennleistungsaufnahme ab September 2017 betragen. Dann tritt eine Verschärfung der Verordnung in Kraft. Geräte mit mehr als 900 Watt Leistung dürfen in der Europäischen Union danach nicht mehr verkauft werden. 43 Kilowattstunden soll der Stromverbrauch dann jährlich maximal betragen. Hinzu kommen eine Begrenzung der Lautstärke auf höchstens 80 Dezibel sowie Vorgaben für die Saugleistung. Neue Modelle müssen ab 2017 auf Hartböden eine Saugleistung von über 98 Prozent und auf Teppichen über 75 Prozent hervorbringen. Auch Mindestanforderungen an den Antrieb sind vorgegeben. Mindestens 500 Arbeitsstunden müssen Stausaugmotoren künftig durchhalten. Ausgenommen von den neuen Normen sind  akkubetriebene Staubsauger, Nasssauger, kombinierte Nass- und Trockensauger, Bohnermaschinen, Zentralstaubsauger, Industriestaubsauger und Saugroboter.

Fazit zur EU-Richtlinie

Da zahlreiche Hersteller von Staubsaugern in den vergangenen Jahren bereits an der Entwicklung sparsamerer Geräte gearbeitet haben, sieht die Industrie die neue Verordnung relativ gelassen. Große Unternehmen wurden laut EU-Diplomaten im Voraus konsultiert. Viele haben ihr Sortiment bereits komplett auf die kommende 1600 Watt-Grenze angepasst. Der zweite Schritt ab 2017 dürfte Staubsaughersteller vor eine größere Herausforderung stellen.

Kritiker reagieren skeptisch auf die Verordnung. Sie argumentiere, dass die Drosselung der Leistung eine Verkleinerung der Saugdüse nach sich zieht, was wiederum zu einem längeren Saugprozess führt. Der Stromverbrauch könne sich dadurch erhöhen. Fest steht jedoch, dass es sinnvoll ist stromfressende Geräte durch effizientere Modelle zu ersetzen. Wie die Forderungen der EU von den Produzenten umgesetzt werden und ob Verbraucher ihren Stromverbrauch tatsächlich senken können, bleibt abzuwarten. Auch spannend dürfte die Frage bleiben, ob die EU ihre Klimaschutzziele erreichen wird.

Für alle Leser mit wenig Zeit, habe ich nachfolgend ein Video vom Südwestrundfunk integriert, in dem die wesentlichen Aspekte der EU-Richtlinie für Staubsauger kurz und knapp zusammengefasst wurden.

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Bildquelle: jarmoluk (Michal Jarmoluk), PublicDomainPictures, kropekk_pl / pixabay.com

Mit freundlicher Unterstützung von Björn Röhrbein

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3 Gedanken zu “Neue EU-Richtlinie für Staubsauger – Daten und Fakten

  1. Saugroboter auszunehmen ist ein klarer Fehler, denn die Dinger werden in absehbarer Zukunft den Markt dominieren. Auf der anderen Seite spielen diese Geräte was Lautstärke, Reinigungsleistung, Komfort und auch Stromverbrauch betrifft wirklich in einer ganz anderen Liga.

    Habe so ein Teil, es hat einen StandBy-Verbrauch von über 3 Watt! Was zum Henker das Ding damit macht ist nicht wirklich ganz klar!? Klar, es ist betriebsbereit, hört auf die Fernbedienung, der Akku wird vermutlich im „Ladungserhaltungsmodus“ gehalten, usw. …
    Das ärgert mich an dem Gerät etwas, denn gerade der unbedarfte Nutzer registriert das nicht, wie viel das Gerät dabei verbraucht und lässt es gemäß seiner „Bestimmung“ 24/7 stecken.

    Nun habe ich es aber nachgemessen und nachgerechnet …

    Sollte mich gar nicht zu laut beschweren, denn selbst wenn ich das Ding 24/7 angesteckt lasse und täglich einen „Reinigungszyklus“ fahren lasse, dann entspricht der Jahresverbrauch in etwa dem, was ab 2017 mit den 900 Watt Geräten erreicht werden soll.
    Wenn das Ding umher fährt (ca. 2 Stunden), dann kommt die Basisstation auf 1 Watt, danach ca. 2 Stunden Akkuladen zu 30 Watt und dann noch 20 Stunden „StandBy“ mit 3 Watt … macht rechnerisch grob 44 KWh/a.

    Da ich drei Etagen habe, muss ich das Ding ohnehin immer wieder mal samt Basis umstellen und weil wir -inklusive der „Freigänger“-Katze- gar nicht so viel Dreck machen, läuft das Ding eher nur jeden zweiten Tag mal. Praktisch sieht das so aus, dass morgens die Basisstation irgendwo aufgestellt wird und das Ding dann zeitgesteuert los rumpelt. Abends wird der Staubbehälter entleert und die Station wieder abgesteckt … jetzt bin ich rechnerisch bei 14 kWh/a und die kommen eigentlich von der Photovoltaik, außer an den kurzen Wintertagen wo man bei Dunkelheit das Haus verlässt und bei Dunkelheit wiederkommt, da kommt der StandBy-Verbrauch eben aus dem Netz.
    Mit den ~10 Minuten pro Woche vom normalen 1300 Watt Sauger für die Ecken kommen nochmal ca. 12 KWh/a hinzu … aber eigentlich würde es auch ein „Handgerät“ mit erheblich geringerer Leistungsaufnahme tun.

    Fazit: Die Hälfte dessen was die EU Richtlinie ab 2017 zu erreichen versucht ist heute schon möglich und das sogar noch mit einen deutlichen Komfortgewinn! Rechne ich die gesparte Zeit auch noch als „Geldwerten“ Vorteil, dann ist die Investition sogar innerhalb kürzester zeit wieder drin.
    Damit bestätigt sich auch wieder einmal mein Vorurteil, dass in der Politik nur überalterte und daher weltfremde Pappnasen sitzen, die sich mit nicht mehr zeitgemäßen Dingen und Maßstäben beschäftigen, die längst überholt sind.

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  2. Schön wie „man“ bei der EU ums Klima besorgt ist !

    Statt dafür zu sorgen, dass die notwendige oder gern auch die suboptimale Energieentnahme aus EE stammt, werden kurz alle Geräte auf wenig „Nennleistung“ gedrosselt. Warum eigentlich nicht ein „Saugminimum“ das pro Watt festgelegt wird. Also gleich eine Effizienzfestlegung ! Bei Käufern denen das Gerät mit der größten Geräuschentwicklung punktet, wird das nur Widerstand gegen die Regulierungswut erzeugen.

    Das blöde am Energiesparen ist der „Rebound-Effekt“ der wohl – so jedenfalls Studien – wo, bezogen auf einen wie immer gearteten und dimensionierten Erfolg „durch Verhaltensänderungen etwa 5 bis 30 Prozent der angestrebten Energieeinsparungen wieder zunichtegemacht werden“.

    Am effektivsten ist jede Einsparung am – „receiving end“ – also beim Verbraucher, aber nur, wenn zuvor die Energieerzeugung sehr verlustbehaftet ist 😯 Man nehme ein möglichst ineffizientes Kohlekraftwerk, die Kohle aus Australien – jedenfalls weit weg oder ersatzweise mit hohen Verlusten auch sonst woher und schon ist jede Energiesparmaßnahme ein „großer Erfolg“ – leider nur, wenn die Kiste dann alsbald auch selbst recycelnd wird.

    Man könnte auf den Gedanken kommen, Energiesparen beginnt beim Erzeugen. Die Lichtgestalt Günter Oettinger, eine politisches Recyclingprodukt, geht da gerne andere Wege – Gott allein weiß warum. Überhaupt „Kommissar für …“ ein originär kommunistisches Produkt, was kann man da schon intelligentes erwarten :roll:

    Ich rate den lieben Mitbürgern zur Photovoltaik, auch klein und auf dem Balkon, wer noch nicht zu den 1,15 Millionen Haushalten zählt, die das auf dem Dach haben. Blick aus dem Fenster – Sonne ist online – schon kann das lustige Saugen beginnen.

    Mit selbst eingefangenen Photonen saugen, kochen, backen usw. :mrgreen:

    Ach ja meine kleine eifrige Haushaltshilfe – meine kleine Saugrobotin auf Selbstfahrlaffete – ja die hängt den lieben langen Tag am „Tropf“ – Warum eigentlich ? Gabe es eine „Zentralsteuerung“ für all die Steckdosen und was sonst noch eben nicht immer „online“ sein muss, würde ein Aktivierungsbefehl vom Gerät selbst (besonders dann, wenn es selbst über einen Akku verfügt) über Funk das rasch ändern.

    Hallo Zentrale hier ist der Saugrobot, ich brauche Ladung ! Bitte einschalten ! – Hallo Zentrale hier ist der Saugrobot – ich bin satt ! Bitte (Steckdose) ausschalten !

    Selbst die „Zentrale“ könnte über Akku betrieben werden. Im Grund jedes Gerät wäre mit eigener Stromversorgung „wohl besser dran“ …. Oder wer tagsüber mit selbst eingefangenen Photonen werkelt, dem kann das zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang doch egal sein was da ein wenig „unnötig“ strömt. Hauptsache es strömt möglichst wenig, wenn die Sonne mal nicht da ist. Das alles ließe sich mit etwas Erfindungsgeist doch ganz sicher bewältigen ???

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  3. Pingback: Letztlich geht es um Subventionen für konventionelle Kraftwerke. | blog.stromhaltig

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